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Naturkatastrophe Nova Friburgo fürchtet sich vor neuer Sintflut

Januar 2011: Soldaten tragen einen Toten aus den Schlamm-Massen, die Nova Friburgo verschüttet hatten.

(Keystone)

Ein Jahr nach den katastrophalen Überschwemmungen im brasilianischen Nova Friburgo fürchten sich die Bewohnerinnen und Bewohner vor neuen sintflutartigen Regenfällen. Die Angst ist laut dem Schweizer Haus von Nova Friburgo weit verbreitet.

Am 12. Januar erinnerte sich die im 19. Jahrhundert von Schweizer Siedlern gegründete Stadt Nova Friburgo an die starken Regenfälle zwölf Monate zuvor. Damals forderte eine Sintflut im Bezirk Nova Friburgo 918 Tote. 215 Menschen bleiben bis heute vermisst.

Ein Jahr später ist die Situation wiederum prekär. Am Morgen des 2. Januar erlebten die Bewohner einen Albtraum. Es regnete in Strömen, die Flüsse traten über die Ufer und die Sirenen lösten in 14 Quartieren Panik aus.

Laut den Wetterdiensten fielen an diesem Tag rund 100 Millimeter Wasser innerhalb von 24 Stunden. Damit lag die Wassermenge über der vom Zivilschutz festgelegten Sicherheitslimite. Die Folge waren einige kleinere Erdrutsche.

Besonders die "Praça do Suspiro", die Haupttouristenattraktion der Stadt,  wurde in Mitleidenschaft gezogen. Nach den Schäden von 2011 war dieser Platz noch nicht instand gestellt, als er bereits wieder beschädigt wurde. Dieser Rückschlag lässt den Platz zum Symbol der schwierigen Situation werden, in der sich die Stadt befindet gemacht.

In permanenter Angst

Die neuen Überschwemmungen beunruhigen die von den Ereignissen des Jahres 2011 traumatisierte Bevölkerung. Die Sorge der Leute ist auch deshalb gross, weil bereits am 19. Dezember starke Regenfälle zu Überschwemmungen geführt haben. Davon waren mehrere Häuser betroffen, eine Brücke des Zivilschutzes wurde weggeschwemmt.

"Die Leute haben Angst, vor allem jene, die in den Risikozonen wohnen", sagt Maurício Pinheiro, Direktor des Schweizer Hauses von Nova Friburgo. "Angst vor dem Regen, Angst vor Erdrutschen. Die Angst ist ständig präsent, sogar in den Momenten der Entspannung. Selbst mässige Regenfälle führen zuweilen zu Überschwemmungen, denn vielfach sind die Kanäle und Flüsse an mehreren Stellen verstopft."

Gelder unterschlagen

Die Befürchtungen der Bevölkerung sind umso grösser, weil die Behörden im vergangenen Jahr praktisch nichts unternommen haben, um neue Überschwemmungen und Erdrutsche zu verhindern.

Der Gouverneur der Region, Sérgio Cabral, musste die Versäumnisse zugeben: "Wir haben noch eine riesige Aufgabe vor uns. Wir konnten die Bauarbeiten nicht innerhalb eines Jahres vollenden", sagte er.

Der Präfekt von Nova Friburgo, Sérgio Xavier, sagt, sein Vorgänger habe lediglich 40% der nötigen Arbeiten ausführen lassen. Demerval Barbosa Neto war bis November 2011 Präfekt. Er musste von seinem Amt zurücktreten, weil er eine zweifelhafte Rolle in einem Fall von Unterschlagung von Geldern spielte, welche die nationale Regierung zur Sanierung zur Verfügung gestellt hatte.

Die Staatsanwaltschaft hat bereits neun Untersuchungen eröffnet, um herauszufinden, wo das verschwundene Geld hingekommen ist. Er will die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Immerhin geht es um einen Betrag von umgerechnet mehr als einer Million Franken.

Letzte Hoffnung: Beten

Zudem versucht die staatliche Kontrolle bei der Präfektur von Nova Friburgo zusätzlich 2,3 Mio. Franken einzutreiben. "Heute wissen wir, dass Beamte und Unternehmen von der Tragödie profitiert haben, um öffentliche Gelder abzuzweigen", sagte Staatsanwalt Marcelo Medina der Tageszeitung O Globo.

Laut den Meteorologen wird die Situation in Nova Friburgo in den kommenden Wochen angespannt bleiben. Sie prognostizieren für den Monat Januar weitere schwere Regenfälle.

Dazu kommt, dass die Region rund um die Stadt gebirgig ist. Das ist ein zusätzlicher Faktor für starke Regenfälle. Die Flanken der Gebirgszüge sind bereits so stark durchnässt, wie in den Tagen vor der Katastrophe von 2011.

"Wir müssen beten, dass es nicht zu Überschwemmungen kommt", sagte Adacto Ottoni, der zuständige Beamte des Regionalrates für das Ingenieur- und Architekturwesen anlässlich seines Besuchs am 4. Januar in Nova Friburgo.

Nova Friburgo

Köngliches Dekret

Die Geschichte von Nova Friburgo beginnt 1818, als der portugiesische König Dom João VI die Einwanderung von 100 Schweizer Familien erlaubt. Die meisten stammen aus den Kantonen Freiburg und Jura.

Tragische Reise

Von den 2006 aufgebrochenen Auswanderern kamen schliesslich nur 1621 in Brasilien an. 385 haben die Strapazen der Reise nicht überlebt.

Erste Ausländerkolonie

Nova Friburgo war die erste nicht-portugiesische Kolonie in Brasilien.

Beziehungen

Dank Geschichtsforschungen konnten die Beziehungen zwischen Alt- und Neufreiburg neu geknüpft werden. Es entstand auch eine Vereinigung, die 2009 ihr 30-jähriges Bestehen feierte.

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(Übersetzung: Andreas Keiser), swissinfo.ch

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