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Neat-Tunnelbau als Multimedia-Show

Blick ins Innere des neuen Infozentrums in Pollegio. Keystone

Im Tessin ist das erste Info-Zentrum der Neat eröffnet worden. Es gibt einen multimedialen Einblick in die Bauarbeiten am längsten Eisenbahntunnel der Welt.

Dieser Inhalt wurde am 16. April 2003 - 18:35 publiziert

Das Besucher-Zentrum in Bodio-Pollegio füllt eine Lücke für Individual-Touristen, die sich über die Neat informieren wollen.

Obergeschoss im neuen Besucherzentrum. Multimedial und vollelektronisch geht es hier zu: Bildschirme, Glas, Textilien, Kunststoff, Touch-Screens, versteckte Lautsprecher.

Dann fällt plötzlich das ganze komplexe System der Informationsvermittlung aus. Die Besucher denken an einen Stromausfall.

In diesem Moment dreht sich auf der Leinwand an der Stirnseite des Pavillons eine Fräse, welche die Arbeit im Tunnelinneren darstellt. Auf der anderen Seite rast ein Zug aus dem Tunnel - natürlich ebenfalls auf Leinwand.

So wird die Fahrt durch den neuen Basistunnel sein, wenn er - wie geplant - im Jahr 2014 betriebsbereit ist. Eine aus roten Neonleuchten gestaltete 57 zeigt die Längenkilometer des neuen Gotthard-Eisenbahntunnels an.

Keine Frage: Für das Visitor Center haben sich die Gestalter einiges einfallen lassen. Selbst der vermeintliche Stromausfall ist computergesteuert und wird alle 20 Minuten wiederholt. Schon das zweistöckige Gebäude in Tunnelform, entworfen vom Architektenteam Bauzeit in Biel, ist eine Allegorie auf das Neat-Projekt. Das Zentrum soll ein Tunnelgefühl suggerieren.

Ausbruchmaterial verwendet

Für das Äussere wurden ausschliesslich in Metallgitter eingelassene Ausbruchmaterialien verwendet. "So wird dieses Gebäude durch das Material noch vom Bau des Tunnels erzählen, wenn die Neat längst zu unserem Alltag gehört", meint Ruedi Suter, Kommunikationschef der AlpTransit Gotthard AG.

In starkem Kontrast zur Fels-Hülle steht das Glas- und Lichtspektakel, das im eigentlichen Ausstellungsraum vorherrscht. Auf Bildschirmen werden die verschiedenen historischen, planerischen und technischen Aspekte des gigantischen Tunnelprojekts näher gebracht.

Es gibt kurze, aber präzise Informationen. Auf lange erklärende und didaktisch überfrachtete Texte wurde verzichtet.

Hinter dem Ausstellungsprojekt steckt die Idee, das Unsichtbare auf möglichst sinnliche Weise sichtbar zu machen. Reisende auf der Gotthard-Route können sich in der Tat kaum vorstellen, an welchem Jahrhunderbauwerk im Herzen der Schweiz gewerkelt wird.

Nur ein Beispiel: Der Aushub für die 57 Kilometer lange Röhre beträgt 24 Millionen Tonnen Gestein. Dies entspricht fünf Cheops-Pyramiden

Auf der Baustelle nur mit Führung

Durch das neue Besucherzentrum werden sie direkt an den Werkplatz Bodio-Pollegio (nahe der A2-Autobahnausfahrt Biasca) herangeführt. Etliche Parkplätze stehen für Velofahrer bereit, die hier auf der vielbefahrenen Radstrecke zwischen Airolo und Bellinzona halten sollen.

Von der Zuschauerterrasse des Besucherzentrums lässt sich in das Werksgelände schauen, der Besuch auf der Baustelle ist hingegen nur auf Voranmeldung und mit Führung möglich.

Für ein Schnuppern im eigentlichen Neat-Stollen müssen Tunnel-Freaks sogar auf den Tag der offenen Baustelle warten. Dann ruhen die Arbeiten, um die Sicherheit der Besucher zu gewährleisten.

"Wir müssen uns der Baustelle anpassen, nicht die Baustelle den Besuchern", meint Suter. Gemäss dem AlpTransit-Kommunikationschef füllt das Zentrum eine grosse Lücke. Endlich könnten sich auch Individual- und Transitreisende ("Laufkundschaft") und nicht nur Gruppen über die Neat informieren.

Trendige Baustellen

Besuche auf den Neat-Baustellen, oder ganz allgemein auf Grossbaustellen, liegen im Trend. Dies hat man beispielsweise beim Bau des Potsdamer Platzes in Berlin gemerkt, wo zum Besteigen einer Aussichtsplattform sogar Eintritt verlangt wurde. "Wir verbauen Steuergelder und haben eine Informationspflicht, deshalb ist der Eintritt unseres Besucherzentrums gratis", sagt Suter.

Nur Zusatzleistungen wie Führungen werden bezahlt. Doch auch bei diesen herrscht enormer Andrang. Die Besuchstermine am Zwischenangriff Sedrun sind bereits über das Jahr 2003 hinaus ausgebucht.

In Pollegio rechnet man mit einer durchschnittlichen Besucherzahl von 70'000 Personen pro Jahr. Am Tag der offenen Tür im September 2002 besuchten 4000 Personen die Baustelle in Bodio.

Zweites Besuchszentrum in Erstfeld

Die AlpTransit AG lässt sich ihre Öffentlichkeitsarbeit einiges kosten. Genau 8,75 Millionen Franken hat das in zehnmonatiger Bauzeit erstellte Besucherzentrum Pollegio verschlungen. Ein ähnliches Zentrum wird am Nordportal in Erstfeld entstehen, sobald die Neat-Linienführung im Kanton Uri bekannt ist.

Im Gegensatz zu Pollegio mit dem Schwerpunkt Tunnelbau werden in Erstfeld allgemeine Infos zur Schweizerischen Verkehrspolitik im Vordergrund stehen. Die Besucher-Zentren werden von den jeweiligen Standortkantonen getragen und auch als touristische Info-Center verwendet.

In Pollegio informieren diverse lokale Verkehrsvereine über das Angebot in der Region und verkaufen lokale Produkte. Ausserdem lädt eine Cafeteria zum Verweilen ein. Nach der geplanten Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Jahr 2014 soll das Info-Centro weiter genutzt werden, beispielsweise als Seminar- und Tagungszentrum.

swissinfo, Gerhard Lob, Pollegio

Fakten

Baukosten für das "Infocentro Sud" : 8,75 Mio. Franken.

Jahresbudget für Betrieb und Unterhalt: 500'000 Franken.

Ausstellungs-Fläche: 300 Quadradmeter.

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In Kürze

Der mit 57 km längste Eisenbahntunnel der Welt soll 2014 betriebsbereit sein.

Am Neat-Nordportal wird ein zweites Info-Zentrum gebaut.

In Pollegio werden jährlich rund 70'000 Besucher erwartet.

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