Neue Kontroverse um den Wolf

Jetzt droht dem Wolf im Bergell das gleiche Schicksal wie dem Wolf im Val d'Hérence (Foto), der am 25.8.2000 erschossen wurde. Keystone

Der Kanton Graubünden hat den Wolf im Bergell zum Abschuss freigegeben, nachdem er 50 Schafe gerissen hatte. Der WWF verurteilt dieses Vorgehen. Der Wolf bringe nichts und schaffe nur Probleme für die Bergbevölkerung, kritisiert dagegen die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB).

Dieser Inhalt wurde am 21. August 2001 - 16:08 publiziert

Die Kantone können den Abschuss eines Wolfes bewilligen, wenn er während der Sömmerungszeit auf Alpweiden mehr als 50 Nutztiere tötet. Der Wolf im Bergell habe nun seit dem vergangenen April bei 14 Angriffen nachweislich 50 Schafe und Lämmer gerissen, argumentieren die Bündner Behörden in einer Mitteilung. Dazu kämen mehrere verletzte oder vermisste Schafe.

Gerissene Tiere würden zwar entschädigt. Es seien aber nicht nur die Tierverluste, die die Bergeller Bauern zu beklagen hätten. Vielmehr machten ihnen die notwendig gewordene intensive Überwachung der Schafe und die latent vorhandene Unsicherheit für ihre Tiere zu schaffen. Trotz der ergriffenen Schutzmassnahmen sei es dem Raubtier immer wieder gelungen, Schafe zu reissen, heisst es bei den Bündner Behörden.

WWF-Kritik

Der WWF Schweiz kritisiert, dass zu voreilig zur Flinte gegriffen werde. Graubünden habe dem Wolf keine Chance gegeben. Zugleich sei die Möglichkeit verpasst worden, die dringend notwendigen Schutzmassnahmen gegen Grossraubtiere auf ihre Wirksamkeit zu testen.

Die Situation im Bergell habe sich zwar mit der Abschussbewilligung wohl etwas entspannt, der Konflikt zwischen der Kleintierhaltung und dem Schutzstatus der Grossraubtiere bleibe jedoch ungelöst. Der nächste Wolf komme bestimmt, meint der WWF.

Die Schweiz halte mit ihrem Vorgehen zudem die Verpflichtungen der Berner Konvention nicht ein, die sie zu Massnahmen verpflichte, um die Populationen von seltenen und gefährdeten Tierarten zu erhalten.

SAB gegen Wolf

Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) wendet sich ihrerseits aus grundsätzlichen Überlegungen gegen die Ansiedlung des Wolfes. Der Wolf bringe nichts und schaffe nur Probleme für die Bergbevölkerung.

Die Folgen einer erzwungenen Wiederansiedlung würden auf Kosten der Berg- und Alpwirtschaft sowie des Tourismus gehen und seien nicht zumutbar. Dauerkonflikte seien voraussehbar, denn eine friedliche Koexistenz zwischen Wolf und Mensch sei in der Schweiz bei hoher Bevölkerungs- und Besiedlungsdichte eine Illusion.

swissinfo und Agenturen

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