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Nie aufgegeben

Anton und Verena Kaser mit Hund Luna vor der Türe ihres Schloss-Hotels.

(swissinfo.ch)

Mehrmals schon wurde das Auslandschweizer-Ehepaar Kaser in seinem Schlosshotel in Südfrankreich von Hochwasser heimgesucht. Doch es gibt nicht auf.

18. Dezember 1997: Nach starken Regenfällen in der Region Languedoc-Roussillon, insbesondere entlang dem Meer beim "Golfe du Lion", werden die dortigen Dörfer und Städte etwa 50 cm überschwemmt.

Gleichzeitig fällt im Sevennen-Gebirge 50 cm Schnee. Der plötzlich eintretende Südwind stösst das Wasser den Hérault-Fluss hinauf in Richtung Sevennen. Dort setzt die Schneeschmelze ein, das Wasser donnert den Hérault hinunter in Richtung Meer. Und in der Tiefebene zwischen Gebirge und See, wo sich das Château Hôtel Rieutort von Verena und Anton Kaser befindet, prallen die beiden Wassermassen zusammen. Folge: Die Jahrhundert-Überschwemmung in Südfrankreich.

Bis zum ersten Stockwerk

"Diese Überschwemmung war eine Katastrophe für uns", sagt Anton Kaser mehr als vier Jahre danach gegenüber swissinfo. "Das Erdgeschoss stand zwei Meter unter Wasser, unsere ganze Infrastruktur nach acht Jahren härtester Aufbauarbeit war total zerstört: Küche, Büro, Entrée, Ess- und Aufenthalts-Säle, Cheminées, Werkräume, Orangerie usw. - alles."

Ganz allein

Sie seien während dieser schlimmen Zeit auf sich allein angewiesen gewesen, sagt Anton Kaser. Die Feuerwehr habe ihnen zwar eine Evakuierung angeboten, doch das hätten sie abgelehnt wegen der Plünderungsgefahr. "Wir mussten in den ersten Stock flüchten, es gab keinen Strom, kein Trinkwasser. Die Feuerwehr hat uns dann Mineralwasser und Brot gebracht - was wir später noch bezahlen mussten."

Nach dieser Katastrophe hätten sie sehr wenig Hilfe bekommen von der Gemeinde, man habe alles selber in die Hand nehmen müssen. Auch die Verhandlungen mit der Versicherung sei sehr schleppend und zeitaufwändig gewesen.

Hilfreiche und speditive Schweizer Unterstützung

In seiner Verzweiflung hat Anton Kaser ein Hilfegesuch an das Schweizer Konsulat in Marseille geschrieben. Dieses wurde sofort in die Schweiz an die Auslandschweizer-Organisation (ASO) weitergeleitet. Die von der ASO verwaltete, 1950 ins Leben gerufene Stiftung Schnyder von Wartensee schickte dem Ehepaar Kaser umgehend 15'000 Franken Hilfsgelder.

Obwohl die gesamthafte Schadens- und Verlustsumme 180'000 Franken betrug, konnten die Kasers mit den 15'000 Franken der Schnyder-Stiftung Anzahlungen für Auftrags-Bestellungen und Anschaffungen machen.

"Es hat uns sehr gefreut, dass die Schweiz einem Auslandschweizer in dieser Situation geholfen hat", so Anton Kaser. Bis das Schloss-Hotel wieder instand gestellt war, dauerte es bis in den Mai 1998 hinein.

Aller Anfang ist schwer

Der 62-jährige Anton Kaser, früher als Gemeindeschreiber im Kanton Bern tätig, und seine drei Jahre jüngere Frau Verena, von Beruf Arztgehilfin, hatten das Château Hôtel de Rieutort 1990 gekauft, "um unser Leben zu verändern und völlig etwas Neues zu beginnen". Das 1726 gebaute, damals zur Abtei von Saint Guilhem gehörende Schloss sei in sehr schlechtem Zustand und der 2 Hektaren grosse Park völlig ungepflegt gewesen.

Es habe eine Riesenarbeit gekostet, bis im Sommer 90 die ersten Gäste hätten kommen können. Zudem sei es zu Beginn schwierig gewesen, als Ausländer in Südfrankreich als "Kleinunternehmer" akzeptiert zu werden. "Als ausländischer Tourist ist man 'bienvenu', als ausländischer Gewerbler ist man 'fremde' Konkurrenz", sagt Anton Kaser gegenüber swissinfo.

Jetzt sei man akzeptiert, sie hätten jüngst für ihren Park sogar den 1. Preis im Wettbewerb "Blumen geschmückte Dörfer und Städte" erhalten - worauf sogar der Maire ihrer Gemeinde stolz sei.

Schon vor 1997 Hochwasser

Bereits im Oktober 1994 erlebten die Kasers das erste Hochwasser. Bis zu 50 cm war das Erdgeschoss überschwemmt. Zwei Wochen später nochmals eine Überschwemmung, diesmal 85 cm hoch. Und im Januar 1996 kam das Hochwasser zum dritten Mal, diesmal glücklicherweise nur noch bis zu 30 cm.

Man habe aus dem ersten Mal gelernt, sagt Anton Kaser. Man sei gut vorbereitet gewesen mit Abflussmöglichkeiten, Schutzmauern, Wasserpumpen, Sicherheits-Gestellen usw. Deshalb seien auch die Schäden nicht so hoch gewesen. Bei den Jahrhundert-Überschwemmungen 1997 allerdings hätte dies alles gar nichts genützt, sagt Verena Kaser mit einem leichten Schauern.

Sie und ihr Mann erlauben sich im Zusammenhang mit den Hochwasser-Katastrophen einen Vorwurf an ihr Gastland: In der gefährdeten Region hätten die Behörden mit dem Lac du Salagou ein Auffangbecken für allfälliges Hochwasser erstellt. Doch sei der Wasserspiegel im Herbst nie herabgesetzt worden, um den See so lange als möglich für touristische Belange "auszunutzen". Deshalb sei er bei Hochwasser "für nichts gewesen".

Noch ein Ungemach

In den Jahren 2000 und 2001 gab es zwei sehr trockene Sommer in der Region. Dadurch sei die Wasserversorgung, der Wasserbrunnen, versiegt. Doch habe man nach Bohrungen eine neue, sehr ausgiebige Wasserquelle gefunden. Das habe aber wieder unvorhergesehene, zusätzliche Investitionen erfordert, klagt Anton Kaser.

Zu guter Letzt stürzte im Oktober 2001 ein Dachteil über dem Keller ein und riss zwei Riesenbalken mit sich. Einer davon zerstörte die Kanalisations-Leitungen. "Nach vier Jahren Aufatmen hatten wir jetzt wieder grosse finanzielle Probleme. Die Reparatur-Kostenvoranschläge beliefen sich nämlich auf über 50'000 Franken."

Weil die Versicherung dies nicht als Folge einer "Natureinwirkung" akzeptierte, sah sich Anton Kaser gezwungen, sich wieder an die Schnyder von Wartensee-Stiftung zu wenden. Diese gibt aber nur eine einmalige Hilfe. So habe er nun ein Gesuch an die Glückskette gestellt, das noch hängig sei. "Wir hoffen sehr, dass wir von dort her auch noch irgend einen Beitrag erhalten."

Jean-Michel Berthoud


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