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OECD: Schweiz muss Eltern besser unterstützen

Arbeit oder Kinder: Diese Frage müssen sich in der Schweiz noch zu viele Ehepaare stellen. Keystone

Die Schweizer Familienpolitik benachteilige Mütter, so das Fazit einer OECD-Studie. Mütter könnten oft Familie und Beruf nicht unter einen Hut bringen.

Dieser Inhalt wurde am 28. Oktober 2004 - 15:04 publiziert

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung regt unter anderem Verbesserungen bei der Kinderbetreuung und dem Schulsystem an.

Die Politik der Schweiz ist zu wenig familienfreundlich. Zu diesem Schluss kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in der Studie "Babies and Bosses", welche OECD-Vizedirektorin Martine Durand am Donnerstag in Bern vorstellte.

Als Folge davon zeugten viele Paare weniger Kinder, als sie eigentlich wünschten. Als positiven Schritt bezeichnet die OECD dagegen die Annahme der Mutterschaftsversicherung durch das Schweizer Volk vor wenigen Wochen.

In der Studie untersuchte die Organisation die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in den drei Ländern Portugal, Neuseeland und der Schweiz.

Massnahmen-Paket

Die OECD empfiehlt der Schweiz mehrere Massnahmen. Die öffentlichen Ausgaben zu Gunsten der familienergänzenden Betreuung von Kindern im Vorschul- und Schulalter sollten erhöht werden. Der Zugang zu Tagesschulen sollte erweitert werden, um die Vollzeitarbeit der Frauen zu fördern.

Für Eltern mit sehr kleinen Kindern schlägt der OECD-Bericht das Recht auf Teilzeitarbeit während einer beschränkten Zeitspanne vor. Dies unter der Voraussetzung, dass Väter und Mütter wieder zu einem Vollzeitpensum zurückkehren können, wenn sie dies rechtzeitig bekannt geben.

Arbeitgeber gefordert

Der Bericht empfiehlt ferner, die Einführung der Individualbesteuerung zu prüfen. Damit könnten Arbeitsanreize für Elternpaare gegeben werden. Allgemein sollte die Familienfreundlichkeit von Arbeitsplätzen verbessert werden. Besteuerung und Sozialhilfe sollten Eltern nicht abschrecken, ihr Arbeitspensum zu erhöhen.

Mehr als nur Lippenbekenntnis?

Bundespräsident Joseph Deiss und Innenminister Pascal Couchepin nahmen ebenfalls an der Vorstellung der Untersuchung teil und kommentierten diese.

Für den Bundesrat sei es von erstrangiger Bedeutung, Eltern darin zu unterstützen, das Berufs- und Familienleben unter einen Hut zu bringen, sagte Wirtschaftsminister Deiss. Die OECD-Studie sei eine einmalige Chance gewesen, von den Erkenntnissen internationaler Experten zu profitieren.

Familienpolitik zu langsam

Gründe dafür gebe es genug, sagte Deiss. Es gehe um Fragen des Wirtschaftswachstums, des Funktionierens des Arbeitsmarktes, den Umgang mit der demographischen Alterung, der Bekämpfung der Familienarmut und der Gleichstellung der Geschlechter.

Die Massnahmen zur Verbesserung der Situation der berufstätigen Eltern seien unkoordiniert, "erratisch" und viel zu langsam.

Der OECD-Bereich bestätige die Analyse des Bundesrates, dass die Wirtschaft nur florieren könne, wenn sich die Frauen besser im Arbeitsmarkt bewegen können, sagte Couchepin. Die Diskussion um die Familienpolitik sei dank der OECD neu entfacht. Dabei gelte es, falsche Anreize zu vermeiden, die Frauenarbeit unattraktiv machten.

Kantone in Pflicht

Der Bund habe in der Familienpolitik nur beschränkte Kompetenzen, sagte Deiss. Immerhin zahle der Bund Finanzhilfen für die familienergänzende Kinderbetreuung und die Beratungsinstitutionen. Das Volk habe am 26. September dem Mutterschaftsurlaub zugestimmt, der ab Juli 2005 gelten solle.

Geplant sei eine Verbesserung der Ausbildung des Kinder- Betreuungspersonals, sagte Deiss. Der Bundesrat arbeite einen neuen Fähigkeitsausweis für diese Berufsgattung aus. Die Organisation der Schulen (Blockzeiten, Einschulungsalter, Tagesschulen) sei aber Sache der Kantone.

swissinfo und Agenturen

Fakten

72% der Frauen in der Schweiz arbeiten (Männer: 85%)
45% der Frauen arbeiten teilzeit
75% der Mütter arbeiten teilzeit
In 60% der Ehen sind beide Ehegatten berufstätig
Ein Kind kostet von Geburt bis Ende Auslbildung zwischen 500'000 und 1 Mio. Franken

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