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Paul Parin feiert seinen 90. Geburtstag

Paul Parin, Psychoanalytiker und Schriftsteller, in seiner Wohnung 2001. 

(RDB)

Der Psychoanalytiker und Schriftsteller Paul Parin wird am Mittwoch 90 Jahre alt. Er gilt als Schweizer Intellektueller mit internationaler Ausstrahlung.

Am Sonntag ehrt das Psychoanalytische Seminar Zürich seinen "Doyen" mit einer öffentlichen Matinee.

Zwar wird Paul Parin 90 Jahre alt, und er ist vor einiger Zeit erblindet. Das hält ihn aber nicht davon ab, ein aktives Leben zu führen. Zur Zeit arbeitet er an einem wissenschaftlichen Text.

Zudem erscheinen dieses Jahr gleich drei Bücher, welche frühere Arbeiten Parins neu aufleben lassen: Der Sammelband "Lesereise" umfasst eine Auswahl aus seinem literarischen Schaffen. Weiter werden die beiden ersten Forschungsberichte aus Westafrika neu aufgelegt: "Die Weissen denken zu viel" (1963) und "Fürchte deinen Nächsten wie dich selbst" (1971).

Es sei ein ganz besonderes Gefühl, seine eigenen Texte als historische Dokumente zu lesen, sagte Parin. Die Arbeiten hatte er seinerzeit, wie zahlreiche andere, gemeinsam mit seinem Kollegen Fritz Morgenthaler und seiner 1997 verstorbenen Frau Goldy Parin-Matthèy - auch sie Psychoanalytikerin - verfasst.

Heimatgemeinde im Tessin

Paul Parin wurde am 20. September 1916 als Sohn eines jüdischen Gutsbesitzers in Slowenien geboren. Sein Vater war Schweizer - 1866 war er im Tessiner Dörfchen Linescio eingebürgert worden, wie Parin erzählt. Er selbst habe noch heute lockeren Kontakt zu dieser Gemeinde.

Im November 1938 kam Parin nach Zürich, um hier sein Medizinstudium abzuschliessen, das er in Graz und Zagreb begonnen hatte.

Engagement in Jugoslawien

Später gab er seine Zürcher Wohnung auf, um sich den Partisanen in Jugoslawien anzuschliessen. "Meine Taschen stellte ich in der Wohnung eines gewissen Fräulein Goldy Matthèy unter."

1944/45 nahmen die beiden an der ersten chirurgischen Mission der Centrale Sanitaire Suisse bei der Jugoslawischen Befreiungsarmee Titos teil.

Seminar und Ethno-Psychoanalyse

Nach dem Krieg bildete sich Parin in Zürich zum Neurologen und Psychoanalytiker aus. 1950 gründete er zusammen mit Fritz Morgenthaler das Psychoanalytische Seminar Zürich. Seine Privatpraxis als Psychoanalytiker führte er von 1952 bis 1990.

In den 60er-Jahren bereiste Parin zusammen mit seiner Partnerin und Morgenthaler wiederholt Westafrika, wo er eine neue Art der interkulturellen Begegnung praktizierte.

Daraus entstand die Ethno-Psychoanalyse, die wissenschaftliche Standards setzte. Seine Erkenntnisse und Erfahrungen veröffentlichte das Trio in vielen Büchern.

Schriftstellerei im Vordergrund

Ab 1990 widmete sich Parin vorab der Schriftstellerei. Unter anderem verarbeitete er sein Leben bei den Partisanen ("Es ist Krieg und wir gehen hin", 1991) oder hielt seine Erfahrungen in Afrika fest ("Zu viele Teufel im Land", 1993).

Zudem schrieb er Erzählungen und Essays zu Kultur und Politik. Wiederholt wurde Paul Parin für sein Werk ausgezeichnet.

swissinfo und Agenturen

Fakten

20. September 1916: Paul Parin wird als Schweizer in Slowenien geboren.
November 1938: Parin kommt als Medizinstudent nach Zürich.
1944/45: In einem Ärzteteam der Centrale Sanitaire Suisse hilft er in Jugoslawien den Tito-Partisanen.
1950: Mitbegründer des Psychoanalytischen Seminars Zürich.
1960er-Jahre: Ethno-psychoanalytische Studien in Westafrika.
Ab 1990: Parin ist vor allem als Schriftsteller tätig.

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Zahlreiche Auszeichnungen

Paul Parin erhielt 1986 den Literaturpreis des Kantons und 1991 jenen der Stadt Zürich.

1992 folgte der Preis der Internationalen Erich-Fried-Gesellschaft für Sprache und Literatur in Wien.

1995 verlieh ihm die Universität Klagenfurt den Ehrendoktortitel.

1997 erhielt Parin den Sigmund-Freud-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

1999 wurde er von der Stadt Wien mit dem Internationalen Sigmund-Freud-Preis für Psychotherapie ausgezeichnet.

2001 verlieh ihm der Kanton Zürich eine Ehrengabe.

2005 wurde Parin von der slowenischen Akademie für Wissenschaft und Kunst zum Ehrenmitglied ernannt.

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