Pflege der Kulturlandschaft ist Lebensqualität

Trockenmauern und Terrassen im bündnerischen Domleschg. (geomatik.ch)

Dem Druck auf die Landschaft entgegenwirken sei eine Daueraufgabe, sagt Marc F. Suter, Präsident des Fonds Landschaft Schweiz. Und sollte der Bund dem knapp 20-jährigen FLS wie geplant die Gelder streichen, könne für die Natur noch weniger getan werden.

Dieser Inhalt wurde am 22. November 2009 - 10:10 publiziert

swissinfo.ch: Was würde das Aus des FLS für die Schweiz bedeuten?

Marc F. Suter: Wir hätten ab 2012 rund 10 Prozent weniger Fördermittel für Natur und Landschaft zur Verfügung, ein Bereich, der unterdotiert ist – selbst nach den Zielsetzungen des Bundesrats.

Die Natur ist unter Druck, und wenn noch weniger Mittel vorhanden sind, kann noch weniger getan werden.

swissinfo.ch: Der FLS hat seit seiner Gründung 1991 über 1000 Projekte finanziert. Können Sie ein paar herausragende Projekte beschreiben?

M.F.S.: Zu nennen ist etwa das Grosse Moos, früher eine Monokulturlandschaft, heute eine vielfältige Naturlandschaft, wo noch landwirtschaftliche Nutzung stattfindet. Ein gutes Beispiel für die Heirat von Landwirtschaft und Landschaft.

Dann die Renaturierung von Flüssen wie dem Inn oder der Thur. Wir haben auch ein Superprojekt im Vallée de Joux realisiert: nämlich die Verlegung der Stromkabel in den Boden, so dass man dieses wunderschöne Tal wieder sieht.

Oder das Binntal im Wallis, wo eigentlich eine serbelnde Landschaft wieder zu neuem Leben und neuer Nutzung erweckt wurde und heute als Beispiel für die Regionalpärke gilt.

swissinfo.ch: Viele ihrer Projekte sind im Alpenraum: Ein punktuelles Flickwerk, oder verfolgt der FLS eine klare Strategie?

M.F.S.: Die Städte Zürich oder Basel brauchen den Fonds nicht. Aber Gemeinden im Tessin, im Wallis, überhaupt in den strukturschwachen Regionen sind auf diese Fördermittel angewiesen.

Unsere Strategie ist ja nicht, dass wir selber Projekte realisieren, sondern Initiativen, die in den Regionen entstehen, aufgreifen und unterstützen. Damit können wir Anschubhilfe leisten und Lücken schliessen.

swissinfo.ch: Sie geben Geld aus für Kastanienhaine, schöne Tessiner Alpen oder seltene Berg-Getreidesorten. Brauchen das die Menschen von heute, die ja mehrheitlich im Mittelland leben?

M.F.S.: Es geht um Lebensqualität. Wir haben heute nicht nur den Druck auf die Landschaft, der vom Bauen herkommt, sondern auch vom Wald, der von oben in die Landschaft drängt.

Wenn sie das Tessin mit ähnlichen Tälern in Italien vergleichen, dann sehen Sie den Unterschied, den es ausmacht, wenn man entbuscht und die Kastanienhaine wieder freilegt, wenn man Bäche und Flüsse wieder in ihrem natürlichen Lauf leben lässt.

Das sind alles Kleinode, die uns, aber natürlich auch unserem Tourismus, zu Gute kommen.

swissinfo.ch: Die Schweiz wird immer mehr verbaut. Sind da Alleen und Trockenmauern nicht ein Luxus? Der FLS als Kurator für ein Museum Schweiz?

M.F.S.: Weit gefehlt. Es geht darum, eine schöne, vielfältige Schweiz mit einer reichen Kulturlandschaft, die auch ein Zeichen der Tradition ist, zu erhalten und zu fördern und dafür zu sorgen, dass auch unsere Nachkommen von dieser schönen Landschaft zehren und sie geniessen können.

swissinfo.ch: Wäre Prävention durch Direktzahlungen nicht wirksamer für den Schutz der Landschaft – statt später heilen und renaturieren?

M.F.S.: Ich glaube es braucht alles, was man tun kann, um die Natur zu schützen. Wir haben heute in der Landwirtschaftspolitik eine grundlegende Änderung. Die beginnt zu greifen, das ist eine gute Sache.

Aber die Aufgaben, die es zu lösen gilt, sind enorm. Denken wir nur an die Freilegung der eingedolten Flüsse und Bäche. Das ist eine Daueraufgabe, die viel Geld und Energie kostet. Das Gleiche gilt für Hecken und kleine Moore.

All diese Elemente bilden Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Wir müssen etwas tun, um die Biodiversität zu steigern. Dies nicht nur, weil 2010 das internationale Jahr der Biodiversität stattfindet.

swissinfo.ch: Es gibt viele Institutionen, öffentliche und NGO, die sich um die Pflege von Umwelt und Landschaft kümmern. Was macht denn der FLS, was andere Organisationen nicht machen?

M.F.S.: Der FLS ist eine Finanzierungsstiftung des Bundes und unterstützt als solche Nichtregierungs-Organisationen. Wenn zum Beispiel Pro Natura ein Projekt aufgreift, dann kann der Fonds die fehlenden Mittel beisteuern.

Zudem hat der Fonds eine Label-Funktion. Wenn also ein Projekt vom Fonds für gut befunden wird, dann kommen andere Stiftungen hinzu und sagen, wenn das für den FLS stimmt, können wir dieses Projekt ohne weitere Abklärungen unterstützen.

swissinfo.ch: Es entstehen immer mehr nationale und regionale Pärke. Wird die Schweiz zu einem einzigen, grossen Park?

M.F.S.: Das wäre wunderbar, wenn das dereinst so wäre und möglichst viele dieser schönen Landschaften erhalten blieben. Es sind aber weder Museen, noch ungenutzte Wildnaturen.

Diese Regionalpärke, die man jetzt schaffen will (neben dem Nationalpark, der ja eine Wildlandschaft ist), sind Kulturlandschaften, vom Menschen geprägt und geschaffen.

Das ist nicht einfach ein Park, das sind Bauernbetriebe, kleine Dörfer, gewerbliche Strukturen, wo Menschen leben. Wir möchten, dass diese Randregionen weiterhin eine Zukunft haben, damit sich die Schweiz nicht zu einer Mittellandstadt mit verödeten Berg- und Voralpengebieten entwickelt.

Gaby Ochsenbein, swissinfo.ch

FLS unter Druck

Angesichts drohender finanzieller Engpässe spricht sich der Bund gegen eine Verlängerung des Fonds Landschaft Schweiz (FLS) aus.

Damit lehnt die Regierung den Vorschlag der ständerätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie (UREK) ab, den mit 50 Mio. Franken dotierten Fonds für weitere 10 Jahre bis 2021 zu verlängern.

Der FLS wurde 1991 an der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft geschaffen.

Seine Aufgabe ist es, traditionelle Kulturlandschaften und ihre Bewirtschaftsmethoden, ihre Kulturgüter und natürlichen Landschaftswerte zu schützen und wieder herzustellen.

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Marc F. Suter

Geboren 1953 in Bern, aufgewachsen in Biel.

Jus-Studium an der Universität Bern und in Palo Alto, USA.

Seit 1983 Inhaber einer Anwalts- und Notariatspraxis in Biel.

Von 1991-2003 und ab März 2007-Ende 2007 war der freisinnige Politiker Mitglied des Nationalrats.

Er ist Präsident des Fonds Landschaft Schweiz, Ehrenpräsident der Neuen Europäischen Bewegung (NEBS) und Präsident von Intégration Handicap.

1986-2000 war der querschnittgelähmte Suter Vizepräsident des Schweizer Paraplegiker Zentrums, Nottwil bei Luzern.

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