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Integrationsbemühungen Es ist besser, wenn Flüchtlinge arbeiten

people at a course

"Learning by doing" in einem Kurs für Asylsuchende, in der Hoffnung, später einen Job auf dem Schweizer Arbeitsmarkt zu finden.

(swissinfo.ch)

Bildung und Arbeit als Schlüssel für eine gelungene Integration von Migranten: Diese Ansicht vertrat die Schweizer Justizministerin Simonetta Sommaruga in ihrer Rede an der dritten Nationalen Integrations-Konferenz vor 250 Politikern, Ökonomen und Sozialarbeiterinnen. 

Es müsse mehr Geld in die Bildung neu eingetroffener Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener investiert werden – mit besonderem Fokus auf die Arbeitsmarkt-Integration. Ein weiterer Vorschlag, den die Konferenzteilnehmer diskutierten, waren mehr soziale Kontakte via lokale Freiwilligenprojekte.

Um diesen Bedürfnissen nachzukommen, brauche es mehr Bundesgelder, erklärten die Kantone. Zurzeit erhalten die Kantone pro Asylsuchender eine einmalige Summe von 6000 Franken. Die Kantone fordern das Dreifache, nämlich 18'000 Franken pro Person.

Sommaruga sieht Potential für eine bessere Integration sowie deren Vorteile: "Wer einen Job hat, braucht keine Sozialhilfe." Bis Ende Jahr wollen das Justiz- und das Finanzministerium zusammen mit drei kantonalen Regierungskonferenzen einen konkreten Plan sowie ein Budget definieren. Es geht auch darum, festzulegen, wie das berufliche Potential von Flüchtlingen und Asylsuchenden besser genutzt werden könnte.

Beispiel Bern

Im Kanton Bern schicken Hilfswerke wie das Rote Kreuz und Caritas Asylsuchende in Deutsch- und Integrationskurse, wie sie etwa vom Bildungsinstitut Förderschmiedeexterner Link angeboten werden. Der Kanton übernimmt die Schulkosten. Das jüngste Projekt enthielt eine Reihe von Integrations-Werkstätten. 

"In diesen 'Workshops' sieht man schnell, wie geschickt die Leute sind und wie gut sie im Team arbeiten", erklärt Michael Lipppuner, der Geschäftsführer von Förderschmiede. Während der Kurse protokollieren die Lehrkräfte das Verhalten der Teilnehmer. Wie gut versteht der Teilnehmer mündliche und schriftliche Anweisungen? Ist er initiativ und hilfsbereit? Wie freundlich und tüchtig ist er oder sie? "Es geht darum, ihnen zu helfen, eine Stelle zu finden, wo sie ihre Erfahrungen und Fähigkeiten am besten einsetzen können", sagt Lippuner. Laut seinen Schätzungen sind mindestens 5 Prozent der 400 Asylsuchenden, die Kurse in der Förderschmiede absolvieren, nachher bereit, für lokale Firmen zu arbeiten.

Der Wunsch zu arbeiten

Syrian Albkak Belai Ammar scheint einer der Besten seiner Klasse zu sein. Er zeigt seinen Mitschülern, wie man zum Beispiel einen Lieferschein ausfüllen muss. Er spricht ausgesprochen gut Deutsch – und dies nach nur acht Monaten. Er versucht auch, Berndeutsch zu lernen.

"Mir gefällt diese Arbeit, dies habe ich auch zu Hause gemacht und möchte dasselbe hier tun. Zuerst muss ich aber die nächsten Deutsch-Niveaus erreichen – B1 und B2 – und dann eine Lehre machen", sagt Ammar. Sein Leben in der Schweiz begann, als Hilfswerkmitarbeiter in einem libanesischen Flüchtlingslager für seine Familie einen Transfer in die Schweiz regelten. Grund dafür ist sein Bruder, der an einer Herzkrankheit leidet.

Die meisten Deutsch- und Integrationsschüler stammen aus Eritrea, so auch Dina Elsae. Sie kam vor zwei Jahren in die Schweiz – nach einer schwierigen Reise durch Sudan, Libyen und Italien. "Wenn mein Deutsch besser ist, suche ich eine Arbeit, am liebsten in einem Hotel oder einem Laden", sagt sie. Auch in Eritrea habe sie in einem Hotel gearbeitet.

In einer nächsten Ausbildungsphase sollen die Teilnehmenden genauer beurteilt werden, um sie allfälligen Berufszweigen zuordnen zu können. "Es handelt sich nicht nur um Flüchtlinge, sondern um Menschen, die Potential für unsere Volkswirtschaft haben", betont Lippuner. Schliesslich würden beide Seiten von schnelleren und gezielteren Integrationsbemühungen profitieren, sagt der Schulleiter.


(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein)

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