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Osama Bin Laden in Pakistan getötet

10 Jahre lang spielte der meistgesuchte Terrorist der Welt mit den USA Katz und Maus. Nun ist er in die Falle getappt.

(Reuters)

Al-Kaida-Chef Osama Bin Laden ist von US-Spezialisten in Pakistan getötet worden. Das teilte US-Präsident Barack Obama mit. Bin Laden gilt als Verantwortlicher für die schlimmsten Terroranschläge des 21. Jahrhunderts mit Tausenden Toten.

"Der Gerechtigkeit ist Genüge getan worden", sagte Obama in einer kurzfristig anberaumten Rede im Weissen Haus.

Er habe den geheimen Einsatz angeordnet. "Ein kleines Team von Amerikanern hat die Operation mit aussergewöhnlichem Mut und Fähigkeiten ausgeführt", sagte Obama.

Auf einem Gelände in Pakistan sei Bin Laden nach einem Schusswechsel getötet worden. Erste Hinweise auf den Aufenthaltsort habe es im vergangenen August gegeben, erklärte Obama weiter.

Der pakistanische Geheimdienst ISI bestätigte am Montag die Tötung Bin Ladens in Pakistan: Er sei in der Nacht bei einer gemeinsamen Operation amerikanischer und pakistanischer Sicherheitskräfte in der Stadt Abbottabad, rund 100 Kilometer nördlich von Islamabad, getötet worden, sagte ISI-Chef Ahmed Shuja Pasha im pakistanischen Fernsehen. Auch einer seiner Söhne sei ums Leben gekommen.

Wie aus pakistanischen Sicherheitskreisen weiter verlautete, begann die Operation kurz nach Mitternacht (Ortszeit) und dauerte vier Stunden. Der Einsatz sei von US-Kräften geführt worden. Pakistanische Einheiten hätten die Aktion unterstützt, sagte ein Geheimdienstmitarbeiter, der anonym bleiben wollte.

Obwohl die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf den meistgesuchten Terroristen der Welt ausgesetzt hatten, war es ihm über Jahre gelungen, sich einer Festnahme zu entziehen.

Nach den Attentaten vom 11. September 2001 in New York und Washington, für die Bin Laden verantwortlich gemacht wird, war er für viele Menschen zum Inbegriff des Bösen geworden. Radikale Islamisten verehrten den Anführer der Terrororganisation Al-Kaida dagegen.

Auf dem Ground Zero in New York versammelten sich Hunderte Menschen, um den Tod Bin Ladens zu feiern. Ground Zero ist der Ort, an dem einst die Zwillingstürme des World Trade Centers standen, in das am 11. September zwei Flugzeuge rasten. 2600 Menschen starben.

Auch vor dem Weissen Haus in Washington feierten Hunderte Amerikaner den Tod Osama Bin Ladens.

Bundespräsidentin begrüsst Tötung

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hat die Tötung des Terroristen-Chefs Osama Bin Laden als "gute Neuigkeit" begrüsst.

Die Schweiz verurteile jeglichen Terrorismus aufs Schärfste und heisse konkrete Aktionen gut, die darauf ausgerichtet seien, die Strukturen und Aktionen des internationalen Terrorismus zu beenden.
 
Osama Bin Laden und seine Organisation seien Akteure eines blindwütigen und brutalen Terrorismus, der Tausende von Toten gefordert habe. "Meine Gedanken sind in diesem Moment bei den Opfern und ihren Familien," erklärte Calmy-Rey, die derzeit in Tunis weilt am dreitägigen Treffen der Schweizer Botschafter in Nordafrika und im Nahen Osten.

Sohn des reichsten Bauunternehmers Saudi-Arabiens

Osama Bin Laden wurde 1957 in Saudi-Arabien als eines von 57 Kindern des Bauunternehmers Mohammed Awad Bin Laden geboren, der dort während des Baubooms ein Vermögen machte. Die Familie hat ihre Wurzeln im Jemen. Osama Bin Laden war elf Jahre alt, als sein Vater bei einem Helikopter-Absturz ums Leben kam.

Als sich Bin Laden 1979 den "Gotteskriegern" anschloss, die in Afghanistan gegen die sowjetischen Besatzer kämpften, konnte er dafür in Saudi-Arabien noch Ehre einheimsen. Er half, unter den Augen der USA, den Nachschub an Waffen und arabischen Kämpfern zu organisieren.

Nach Abzug der Russen aus Afghanistan trat er für kurze Zeit wieder in den Familienkonzern ein. Sein Privatvermögen soll zeitweilig 300 Millionen Dollar betragen haben.

Gegen die "Kreuzfahrer" im Land des Islam

Der Golfkrieg gegen den Irak 1991 bedeutete eine neue Wende in seinem Leben. Er kritisierte die Stationierung von US-Soldaten in Saudi-Arabien, wo mit Mekka und Medina die heiligsten Orte des Islam liegen. Das brachte die Herrscherfamilie Al-Saud gegen ihn auf.

Bin Laden verliess das Land und wich für fünf Jahre in den Sudan aus. 1996 wiesen ihn die Sudanesen auf amerikanischen Druck aus. Er ging zurück nach Afghanistan und wurde ein enger Verbündeter der Taliban. Nach deren Sturz 2001 tauchte er unter und meldete sich fortan nur noch mit Hassbotschaften aus dem Untergrund zu Wort.

Unbestrittene Symbolfigur an der Spitze Al-Kaidas

Obwohl sich vor allem in den vergangenen acht Jahren vielerorts lokale Al-Kaida-Ableger mit eigenen Anführern gebildet hatten, war die Führungsrolle Bin Ladens in der islamistischen Terrorszene bis zuletzt unumstritten.

Bin Laden hatte drei Ziele: Die Vertreibung allen Einflusses des Westens - der "Kreuzfahrer" - aus der islamischen Welt, den Sturz der Regimes in der islamischen Welt sowie die Errichtung eines islamischen Kalifats mit der Scharia als alleiniger Richtschnur sowie die Ausbreitung des Islams, möglichst weltweit.

Internationale Reaktionen

Israel zeigte sich erfreut über den Tod Bin Ladens: "Israel ist nach der Liquidierung Bin Ladens in Freude mit dem amerikanischen Volk vereint", teilte das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu mit.

Grossbritanniens Premierminister David Cameron erklärte, der Tod des Al-Kaida-Chefs bedeute eine "grosse Erleichterung für die Menschen überall auf der Welt". Es sei ein "grosser Erfolg, dass er gefunden wurde und nicht mehr in der Lage ist, seinen Feldzug des globalen Terrorismus fortzusetzen".

Der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle reagierte mit Erleichterung: "Osama Bin Laden war einer der brutalsten Terroristen der Welt. Dass diesem Terroristen sein blutiges Handwerk gelegt werden konnte, ist eine gute Nachricht für alle friedliebenden und freiheitlich denkenden Menschen in der Welt."

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Al-Kaida

Die Anfänge von Al-Kaida ("Das Fundament") werden im Jahr 1988 vermutet, dem Jahr vor dem sowjetischen Abzug aus Afghanistan. Anfangs setzt sich das Netzwerk aus Mudschaheddin zusammen, die in Afghanistan gegen die Sowjets kämpfen.

Erst Anfang der 1990er-Jahre finden westliche Geheimdienstler Verbindungslinien zwischen der Gruppe und Anschlägen auf US-Streitkräfte in Saudi-Arabien, Jemen und Somalia.

Im Mai 1998 verkündet Bin Laden vor Journalisten, er habe eine Front gegründet, um in den sogenannten Heiligen Krieg, den Dschihad, gegen Christen und Juden zu ziehen und US-Bürger zu töten.

Damit entsteht nach Einschätzung der Ermittler eine neue Form des Terrorismus: An Stelle einer einzelnen, klar abgegrenzten Organisation tritt ein globales Geflecht verschiedener Terrorgruppen.

Auch 1998 bekennt sich Bin Ladens Netzwerk zu zwei Anschlägen auf US-Botschaften in Afrika – in Kenia und Tansania: Mindestens 224 Menschen sterben.

Auch der Angriff auf den US-Zerstörer "Cole" im November 2000 im jemenitischen Aden mit 17 Toten wird Al-Kaida zugeschrieben.

Durch den Terroranschlag mit gekidnappten Passagiermaschinen auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington am 11. September 2001 greift das Netzwerk die USA auf eigenem Boden an. Fast 3000 Menschen sterben.

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swissinfo.ch und Agenturen


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