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Presseschau vom 10.01.2004

Die Festnahme von acht Ausländern, die im Verdacht stehen, die Terroranschläge von Riad vom Mai 2003 logistisch unterstützt zu haben, findet sich praktisch auf allen Frontseiten der Schweizer Zeitungen.

Zu Kommentaren regt hingegen mehr der Weltraum an – nicht zuletzt mit Blick auf den Wahlkampf von George W. Bush.

Die Gedankenspiele aus dem Weissen Haus, amerikanische Astronauten via Mond auf den Mars zu bringen, werden von mehreren Kommentatoren kritisch unter die Lupe genommen.

"Auf ins All und in den Wahlkampf!" titelt die BASLER ZEITUNG und schreibt weiter:

"Afghanistan, Irak – der Mond? George W. Bush macht sich auf zu neuen Eroberungen, friedlich diesmal. (...) Bei der zuletzt oft gebeutelten NASA dürften die Sektkorken knallen."

Weltraum als Wahlkampf-Vehikel

Über den wissenschaftlichen Nutzen solcher Pläne möge man sich ebenso streiten wie über die Kosten, so die BAZ weiter. Aber die Wissenschaft sei bei der bemannten Raumfahrt selten der entscheidende Impuls. Schon beim Wettrennen mit der Sowjetunion sei es in erster Linie um nationales Prestige gegangen.

Man liege wohl nicht falsch, wenn man vermute, dass es Bush mit seinen Plänen um mehr gehe, als um eine kollektive Therapie für sein Land, zum Beispiel um seine eigene Wiederwahl.

"Erst die Einwanderungsreform, jetzt die Reise zu Mond und Mars: Wenn es um cleveren Wahlkampf geht, ist Bush der Platz in den Geschichtsbüchern wohl schon sicher."

Die Weltraum-Pläne schafften es auch auf die Frontseite des Boulevard-Blatts "DER BLICK", zusammengefasst unter dem Titel: "Wahlkampf: Bush greift nach dem Mond".

Der "mondsüchtige" Präsident

Auch der Zürcher TAGES-ANZEIGER befasst sich mit dem All und schreibt von einem "mondsüchtigen" Präsidenten. Im Kommentar heisst es unter anderem, es dürfte Bush schwer fallen, den Kongress von neuen Missionen zum Mond und Mars zu überzeugen.

"George W. Bush hofft wohl, wie einst John F. Kennedy als visionärer Präsident in die Geschichtsbücher einzugehen. (...) Auch Bush Senior schlug 1989 vor, einen Stützpunkt auf dem Mond zu errichten, eine bemannte Mission zum Mars zu schicken und mit der Besiedelung des Weltraums zu beginnen. Doch der Nasa ist es seither nicht gelungen, ein überzeugendes Projekt zu entwickeln, um die ambitiösen Vorgaben zu verwirklichen."

Auch die BERNER ZEITUNG erlag dem Sog des Weltalls: "Wissenschafter heben ab, Laien staunen –oder wundern sich: Scharfe Bilder einer bräunlich schimmernden,mit dunklen Steinbrocken durchsetzten Wüstenlandschaft haben diese Woche Menschen weltweit bewegt. Der Planet Mars, 160 Millionen Kilometer von der Erde entfernt, erscheint uns zum Greifen nah."

Im Weltraum nichts Neues ...

Zur Erde gefunkt hatte diese Bilder das Mars-Fahrzeug der USA, "Spirit". Weil das Marsfahrzeug der Europäer, "Beagle 2" verschollen ist, gehöre der Mars jetzt vor allem den USA.

"Die Supermacht bestimmt die Sicht der Welt auf den Roten Planeten. Das fordert die Europäer heraus. (...) Das Rennen zum Mars ist eine Neuauflage des grotesken Duells, das sich die USA und die Sowjetunion während des Kalten Kriegs im All geliefert hatten. (...) Die neue Weltordnung setzt sich im All fort."

EU und Schweiz - Handlungsbedarf

Mit etwas irdischeren Fragen befasst sich die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG: Es geht um die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union. Der Leitartikel steht unter dem Titel "Es ist Zeit für einen bilateralen Handschlag".

Die NZZ verwiest auf die vielen offenen Fragen; die Zeit dränge, nicht zuletzt mit Blick auf die EU-Osterweiterung.

"Einerseits werden in der grossen Union andere Fragen als die Beziehungen zur Schweiz Priorität geniessen, andererseits würden Verhandlungen mit 25 EU-Ländern noch schwieriger als mit der heutigen Union. Zudem liegt ein rascher Abschluss auch im Interesse Brüssels."

Konstruktive Lösungen sollten in den nächsten Monaten bei den noch strittigen Dossiers möglich sein.

"Das zu diesem Zweck notwendige und auch längst geplante politische Treffen EU-Schweiz darf deshalb nicht auf die lange Bank geschoben werden. Es wäre keine zukunftsweisende Entwicklung, wenn der Bilateralismus bloss auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit fokussiert bliebe."

Terror-Verdacht

Zur Festnahme von acht Terror-Verdächtigen in der Schweiz machte sich die NEUE LUZERNER ZEITUNG unter dem Titel "Die lästigen Seiten einer heilen Welt" Gedanken.

Terroristen in der Schweiz, dies mache hellhörig. Auch wenn es nur um Helfer oder Helfershelfer gehe. (...) Dass sich das internationale Verbrechen auch in der Schweiz einniste, sei nichts Neues.

Bisher habe die Schweiz gut daran getan, sich im Spannungsfeld von Sicherheit und Freiheit für die Freiheit der eigenen Bürger zu entscheiden. Auch nach den Festnahmen dieser Woche gebe es keinen Grund für legislativen Aktivismus.

Anders als in den USA, in Frankreich oder Deutschland, "überwache" sich die Bevölkerung in der Schweiz selber. "Das mag seine lästigen Seiten haben, es macht aber - zumindest zu einem Teil - das aus, was wir als unsere 'heile Wel' wahrnehmen."

Etwas anders sieht der Kommentator der AARGAUER ZEITUNG das Thema und verlangt von der Bundesanwaltschaft mehr Klarheit. Bundesanwalt Valentin Roschacher habe im letzten Jahr erklärt, dass es keinen Grund zur besonderen Beunruhigung der Schweizer Bevölkerung gebe. Indizien für terroristische Bedrohungen lägen nicht vor. Nach den Verhaftungen vom Donnerstag sei nun aber fraglich, ob diese Einschätzung noch stimme.

Überhaupt, so die AARGAUER ZEITUNG, gebe es Fragen über Fragen. "Wir wissen nichts. Oder zu wenig." Die restriktive Informationspolitik sei absolut unverständlich und schaffe in der Bevölkerung Unsicherheit oder gar Angst: "Die Bundesanwaltschaft ist gut beraten, Klarheit zu schaffen."

swissinfo, Rita Emch

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