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Raumplanung in der Schweiz und in Afrika

Die Afrikanische Hochschule für Architektur und Urbanistik in Lomé, Togo (EAMAU).

(swissinfo.ch)

Die Schweiz ist gebaut, Afrika noch nicht: Das sagt eine afrikanische Architektur- und Urbanistik-Studentin, die zusammen mit zwei Studienkollegen ein dreimonatiges Stage in der Schweiz beim Bundesamt für Raumplanung absolviert. Ein einmaliges Projekt.

Eine Studentin und zwei Studenten der Afrikanischen Hochschule für Architektur und Urbanistik in Lomé, Togo, beenden demnächst ein dreimonatiges Praktikum beim Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) in Bern. Die Idee dieses Projektes kam von ARE-Direktor Professor Pierre-Alain Rumley. Im vergangenen Jahr weilte er für ein Gastseminar an der Ecole Africaine des Métiers de l'Architecture et de l'Urbanisme (EAMAU).

"Ich habe mir gedacht, von einem Stage in der Schweiz könnten nicht nur die afrikanischen Studenten profitieren, sondern auch das Bundesamt für Raumentwicklung", sagt Rumley gegenüber swissinfo. Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) sei sofort bereit gewesen, die Finanzierung des Projektes zu übernehmen. Die Auswahl der drei Studenten sei in Lomé an der EAMAU erfolgt.

Die EAMAU wurde 1975 als zwischenstaatliche Hochschule von sieben afrikanischen Ländern gegründet (Bénin, Burkina Faso, Zentralafrika, Elfenbeinküste, Gabon, Niger und Togo). Dazu gesellte sich 1992 noch Kamerun. Mittlerweile ist die EAMAU auch für alle anderen frankophonen und sub-saharischen afrikanischen Länder offen, ebenso für Studenten, deren Studium von Privaten finanziert wird. Die Hochschule in Lomé sieht sich selber als "Kompetenz-Pool für die afrikanische Stadt".

Hohes Niveau der afrikanischen Studenten

Eine Projekt-Bilanz will ARE-Direktor Rumley noch nicht ziehen. Das Praktikum ist noch nicht zu Ende. Sicher sei, dass die drei Stagiaires bisher viel gelernt hätten. Sie hätten aber auch erstaunlich viel Wissen mitgebracht. Das Niveau der Studenten sei sehr hoch.

Gelernt habe auch er viel von den Stagiaires, betont Rumley gegenüber swissinfo. Vor einigen Wochen hätten die drei Studenten in einem Referat ihr Land - sie kommen alle aus dem westafrikanischen Staat Elfenbeinküste - vorgestellt. Da habe man auf Schweizer Seite viel erfahren über die Situation in der Elfenbeinküste und über die Raumplanung in Afrika.

Wieso gerade die Schweiz?

Marie-Josée Kotchi (25) wird im Juni dieses Jahres ihr Architektur- und Urbanistik-Studium an der EAMAU abschliessen. Professor Rumley habe bei seinem Gastseminar in Lomé ihr Interesse an der Schweiz und deren raumplanerischen Problemen geweckt, erklärt die Studentin gegenüber swissinfo.

Gnodo Cyprien Lahoury (27) weist darauf hin, dass man zwischen einem Stage in Frankreich oder in der Schweiz habe wählen können. Die inhaltlichen und materiellen Bedingungen des Praktikums in der Schweiz seien wesentlich vorteilhafter als jene in Frankreich. Zudem kenne man als frankophoner Afrikaner Frankreich als "mère patrie" zur Genüge. Die Schweiz sei für sie Neuland und deshalb interessanter; und zudem habe die Schweiz grosse Erfahrungen in Sachen Raumplanung.

Dem stimmt der dritte Stagiaire, Koffi Amary Félix Memel (25), zu. Was ihn aber am meisten beeindrucke, sei die Struktur der Schweiz mit ihren drei Ebenen Bund, Kantone und Gemeinden. Mit dieser föderalistischen Struktur sei die Schweiz viel mehr als andere Nationen dazu geeignet, "Demokratie zu lehren", erklärt der Stagiaire gegenüber swissinfo. Er freue sich schon jetzt, seine Erfahrungen in der Schweiz in Sachen Mitsprache, Mitbestimmung und Zusammenarbeit in seinem Heimatland anzuwenden.

Die Schweiz ist gebaut - Afrika noch nicht

Auch Marie-Josée Kotchi ist sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf ihres Praktikums in der Schweiz. Vor allem die Arbeitsmethoden in der Schweizer Raumplanung überzeugten sie. In der Schweiz sei die Raumplanung weit entwickelt. Aber auch in ihrem Heimatland, der Elfenbeinküste, tue sich einiges in diesem Bereich. Und sie wolle nach Abschluss ihres Studiums an der EAMAU ihre Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Schweiz in ihrer Heimat einbringen.

Allerdings seien die Rahmen-Bedingungen unterschiedlich: Die Schweiz - das könne man sagen - sei gebaut, die afrikanischen Städte seien zum grössten Teil noch nicht gebaut. Es existiere noch viel unverbauter Raum. Marie-Josée Kotchi hat grosse Hoffnungen, dass sie in ihrem Land, der Elfenbeinküste, später einmal mit ihrer professionellen Arbeit zu einer gesunden Stadt-Entwicklung beitragen kann.

Jean-Michel Berthoud


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