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Aktivisten des NGO Jubilee South Africa protestieren gegen Schulden und Bankenfusionen. (Jubilee)

Die Banken, auch in der Schweiz, sollen für ihre Unterstützung der Apartheid zahlen. Dafür kämpfen mehrere NGO in Südafrika und in der Schweiz.

Der gemeinsame Kampf wird sowohl auf der Strasse wie vor Gericht geführt und soll für die Zukunft des Landes entscheidend sein.

Wenn auf der Flughafenstrasse am Horizont die Türme von Johannesburg erscheinen, hat man den Eindruck einer "Skyline" wie in den USA. Einmal dort, sieht es jedoch ganz anders aus.

In den von den grossen Firmen und Luxushotels verlassenen Strassen drängen sich Zugewanderte aus dem ganzen Kontinent, angelockt von den Wachstumsversprechungen der "Regenbogennation".

Am Ende der Reise wird der Traum aber zum Albtraum. Kriminalität, Drogen und Prostitution machen den Alltag in dieser Art Bronx aus, die mörderischer ist als die echte Bronx.

Und hier, am Rande von Hillbrow, das als eines der gefährlichsten

Quartiere des Landes gilt, hat die Nichtregierungs-Organisation (NGO) Jubilee South Africa ihr nationales Büro.

Es folgt Enttäuschung

Die Bewegung Jubilee wurde 1998 von den christlichen Kirchen der ganzen Welt gegründet. Sie setzt sich dafür ein, dass der Norden für das neue Jahrtausend ein Zeichen der Solidarität mit dem Süden setzt, indem er diesem die Auslandschulden erlässt.

In Südafrika wird der Kampf nun auch gegen die Grosskonzerne geführt, die Mitschuld tragen, weil sie die Apartheid praktisch bis zu deren Fall 1994 unterstützt haben. "Es ist nicht an uns, die Schulden dieses rassistischen Regimes

zu bezahlen. Und solange sie nicht gestrichen werden und wir keine Entschädigung erhalten, wird das Land nicht vorwärts kommen", sind Anthony, Makoatsane, Tristen, Mabanga und die anderen Festangestellten von Jubilee überzeugt.

Die 1994 erwachten Hoffnungen der "Überlebenden der Apartheid", wie sie sich selber nennen, wurden schnell enttäuscht. Armut, Gewalt, Aids, schlecht funktionierende öffentliche Dienste, Korruption auf allen Ebenen: Viele Menschen hat das "Wunder" des neuen Südafrika im Elend gelassen.

"Zunächst war der ANC eine beliebte Partei. Aber heute sind all ihre Chefs Aktionäre von grossen Unternehmen. Man hat die weissen

Bürokraten durch schwarze ersetzt, die Philosophie aber ist die gleiche geblieben", sagt Anthony gerade heraus.

Er ist enttäuscht, dass seine Regierung, aus Angst, die ausländischen Investoren zu vergraulen, sich weigert, einen Schuldenerlass zu fordern.

Kampagnen

Also hat Jubilee diese Arbeit übernommen, auf der Strasse und vor Gericht. "Wir zeigen den Leuten, dass Schulden nicht ein abstraktes Problem sind, sondern direkte Konsequenzen auf ihren Alltag haben", erklärt Mabanga.

Letztes Jahr kämpfte die Bewegung gegen die Übernahme der

südafrikanischen Nachbarschafts- Bank ABSA durch die britische Barclays-Gruppe. "Wir wollten nicht, dass die Gewinne in die Taschen ausländischer Aktionäre fliessen", so Tristen.

Mit Grossdemonstrationen zieht Jubilee die Aufmerksamkeit auf diese Fusion, welche die Börse von Johannesburg erzittern lässt. Und ABSA reagiert mit der grössten Werbekampagne, die das Land je gesehen hat. Schliesslich kommt es trotz allem zur Fusion.

Die Aktivisten von Hillbrow haben sich auch mit der NGO Khulumani zusammengetan, welche die Opfer der Apartheid bei ihren Klagen vor amerikanischen Gerichten gegen mehrere multinationale Konzerne unterstützt.

Und vor kurzem hat Jubilee eine Kampagne gegen die Rückkehr der Credit Suisse nach Südafrika gestartet. Diese versucht, in Südafrika wieder Fuss zu fassen, über eine Verbindung mit der Standard Bank, "die sich offenbar nicht mehr so stolz wie früher als 101% südafrikanisch bezeichnet", wie Tristen ironisch meint.

Unterstützung aus der Schweiz

In der Schweiz werden die Kampagnen von ADR unterstützt, einer Gruppe von NGO, die in Information, Forschung und Lobbying für Entschädigungen für die Opfer der Apartheid aktiv sind.

Und in Südafrika erhält Jubilee einen jährlichen Beitrag vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen

Schweiz (HEKS). Dieses ist seit Beginn der 1970er-Jahre in Südafrika präsent und hat dort namentlich mit Steve Biko zusammengearbeitet, der legendären Figur des Widerstands, der in den Gefängnissen der Apartheid, kaum 30 Jahre alt, ermordet wurde.

Elf Jahre nach dem offiziellen Ende des Apartheidregimes lebt der Aktivismus in Südafrika weiter. Ein Aktivismus, den Jubilee als mehr sozial denn politisch bezeichnet.

Globalisierungsgegner

"Wir sind vor allem Globalisierungsgegner", erklärt Makoatsane. Seit sie am Weltsozialforum (WSF) von Bamako teilgenommen hat, ist

sie überzeugt: "Afrika wird das WSF verändern, und das WSF wird die Welt verändern."

Auch für Barbara Müller, ADR-Koordinatorin in Basel, ist klar, dass das Problem der Schulden nur auf weltweiter Ebene gelöst werden kann. "Aber wir sind noch weit davon entfernt", sagt sie.

swissinfo, Marc-André Miserez in Johannesburg (Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Im Jahr 2000 hat die Schweizer Regierung das Nationale Forschungsprogramm 42+ eingeleitet, um in die Beziehungen der Schweiz zu Südafrika während der Apartheid-Zeit Licht zu bringen.

Der Schlussbericht wurde 2005 vorgelegt. Er zeichnet ein nicht sehr ruhmreiches Bild: Die Schweiz hat sich nicht an den Sanktionen gegen Südafrika beteiligt und hat damit, im Namen der Wirtschaftsfreiheit und zugunsten der Industrie, objektiv das rassistische Regime unterstützt.

Schweizer Unternehmen haben insbesondere das von der UNO verhängte Waffenembargo massiv unterlaufen und am südafrikanischen Atomprogramm mitgearbeitet.

Nach seiner Veröffentlichung wurde der Bericht von den NGO heftig kritisiert. Denn auf Druck der Banken und der Wirtschaft bekamen die Autoren zu bestimmten Archiven keinen Zugang, und ein Teil ihrer Arbeit wurde gar von der Regierung zensuriert.

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Fakten

Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (HEKS) ist in Südafrika seit Beginn der 1970er-Jahre präsent.

Zur Zeit arbeitet das HEKS dort in den Bereichen Bildung, Aids, Kinderrechte, Hilfe an Vertriebene und Papierlose sowie Gewaltprävention.

2005 hat das HEKS rund 300'000 Franken an die Programme bezahlt, die es im Land unterstützt, davon 30'000 an die Jubilee-Kampagne für Entschuldung und Entschädigung.

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