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Roche unter Beschuss

Das Anti-Akne-Heilmittel Roaccutane macht Roche in den USA zu schaffen.

(Keystone)

Der Schweizer Chemie-Konzern Roche sitzt wegen seines Akne-Heilmittels Roaccutane in den USA auf der Anklagebank.

Charles Bishop flog am 5. Januar dieses Jahres mit einer Cesna in den 28. Stock eines öffentlichen Gebäudes in Tampa, Florida. Das Kleinflugzeug zerschellte. Charles Bishop hatte Selbstmord begangen.

Roaccutane habe die geistige Zurechnungsfähigkeit von Charles Bishop verändert und ihn zu dieser Tat getrieben. Das behauptet die Mutter des Jungen und fordert mit ihren Anwälten von Roche eine Schadenersatz-Zahlung von 70 Mio. Dollar. Roche bestreitet jeglichen Zusammenhang zwischen dem Tod Bishops und ihrem Arzneimittel.

Nach Aussagen der Anwälte war Charles Bishop ein normaler, lebenslustiger Junge mit besten Schulnoten. Im April 2001 habe er begonnen, Roaccutane anzuwenden. Das habe zu seiner psychischen Veränderung und zum Selbstmord-Entscheid geführt.

Vor seinem Tod hatte sich der Junge in einem Abschiedsbrief solidarisch mit den Al Qaida-Terroristen erklärt. Die Untersuchungs-Behörden halten jedoch fest, dass Bishop keine Verbindung zu Terroristen-Gruppen hatte. Dies ist für die Anwälte, die bereits früher mit ähnlichen Fällen zu tun hatten, der Beweis für die psychische Veränderung des Jungen.

Nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass das Heilmittel Roaccutane - in den USA von Roche Inc. Nutley, New Jersey, hergestellt - mit psychischen Störungen in Verbindung gebracht wird. Der bekannteste Fall in den USA ist jener von BJ, dem 17-jährigen Sohn des Abgeordneten Bart Stupak aus Michigan. BJ hatte sich vor zwei Jahren das Leben genommen, scheinbar ohne jeglichen Grund.

Die Mutter des Jungen ist jedoch überzeugt, dass ihr Sohn ein Opfer des Heilmittels Roaccutane ist. Seit dem Tod von BJ bemüht sich der Vater, im Parlament in Washington die Sache zu thematisieren, und weiter zu untersuchen.

Es handelt sich nicht um zwei isolierte Fälle. Laut der Food and Drug Administration, dem öffentlichen Amt, das sich mit der Problematik auseinandersetzt, sollen zwischen 1982 und 2000 147 Roaccutane-Anwender Selbstmord begangen oder es zumindest versucht haben.

Fahrlässig

Paul Smith, einer der Anwälte der Mutter von Charles Bishop, beschuldigt den Chemie-Konzern der Fahrlässigkeit, "weil Roche ein Heilmittel produziert hat, von dem die Firma weiss oder wissen müsste, dass es Depressionen, Psychosen oder Suizid bewirken kann". Roche habe es unterlassen, angemessene Tests über allfällige gefährliche Nebenwirkungen des Arzneimittels zu machen, meint der Anwalt.

"Roaccutane muss vom Markt entfernt oder strengeren Vorschriften unterworfen werden", erklärte die Mutter von Charles Bishop, als sie ihre Klage gegen Roche ankündigte. Sie fordert eine Entschädigung in der Höhe von zehn Prozent des Betrages, den Roche jährlich mit dem Verlauf von Roaccutane einstreicht.

Roche sieht weiterhin keinen Zusammenhang

Roche ist sich der Problematik um das Heilmittel bewusst. Nach und nach wurden die Begleitinformationen zur Verpackung angepasst. Doch bezeichnet der Chemie-Konzern Roaccutane, das bisher 13 Millionen Menschen verabreicht wurde, weiterhin als sicheres Arzneimittel. Das beweise die Tatsache, dass die Selbstmordrate bei Jugendlichen mit Akne nicht höher als bei den anderen sei. "Wir, wie auch die Experten, halten weiterhin daran fest, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem Heilmittel und den Selbstmord-Fällen gibt", sagte Roche-Sprecherin Carolyn Glenn.

Es ist schwer zu sagen, ob die Anwälte der Mutter von Charles Bishop Erfolg haben werden. Bei der Untersuchung des Leichnams des Jungen wurden keine Roaccutane-Spuren im Blut gefunden, obwohl die Familie Bishop behauptet, Charles habe seit April 2001 eine tägliche Dosis davon genommen. Und vor nur einem Monat hat ein Gericht in Oklahoma eine Schadenersatz-Klage einer Frau abgewiesen, die behauptete, sie hätte wegen dem Heilmittel depressive Phasen gehabt.

Anna Luisa Ferro Mäder


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