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Roger Federer vor dem Jahr der Krönung

Gekrönter Abschluss: Roger Federer wird zum Schweizer Sportler des Jahres 2003 gekürt.

(Keystone)

Er galt seit langem als legitimer Nachfolger von Pete Sampras. 2003 hat Roger Federer nun den Durchbruch in den Tennis-Olymp endgültig geschafft.

swissinfo sprach mit dem Schweizer Sportler des Jahres, der nun auch noch zum "Schweizer des Jahres" gewählt wurde. Nach seinen grossen Siegen könnte Federer bald zur neuen Nummer 1 werden.

Roger Federer ist Talent und Klasse im Reinzustand. Das Versprechen für eine brillante Zukunft auf dem Court hatte er schon lange abgegeben. Doch hatte es lange gedauert, bis er der Tenniswelt sein Potenzial im ganzen Umfang vorführen konnte. Bis an jenem ersten Sonntag im vergangenen Juli, als er als erster Schweizer auf dem "heiligen" Rasen von Wimbledon gewann.

Seither beeindruckt der 22jährige Bottminger aus dem Kanton Basel-Land die Welt mit Tennis auf höchstem Niveau. Mit der Qualität seines variantenreichen Spiels, aber auch mit seiner Hartnäckigkeit.

2003 absolvierte die Nummer 2 der Weltrangliste 95 Spiele, von denen er 78 gewann - ein Rekord. Er errang 7 Titel, ein weiterer Rekord. Und was er zuletzt am Masters Cup in Houston, den er als offizielle Weltmeisterschaft gewann, gezeigt hatte, grenzte an das perfekte Tennis.

swissinfo: Roger Federer, das vergangene Jahr brachte Ihnen den Durchbruch, auf den Sie zuvor einige Zeit haben warten müssen.

Roger Federer: 2003 passten endlich alle Elemente zusammen. Ich hatte mehr Zeit zur Vorbereitung, deshalb fühlte ich mich physisch auch stärker. In den vergangenen Jahren auf dem Circuit konnte ich Erfahrungen machen, welche nun die Differenz ausmachten.

swissinfo: Der grosse Durchbruch kam in Wimbledon, wo Sie schon als Junior triumphiert hatten – ein Zufall?

R.F.: Ein Grand Slam Turnier zu spielen, ist immer sehr motivierend. Aber es stimmt, dass Wimbledon für mich ein Turnier ist, das ich besonders mag. Das sorgt aber auch für eine extra Portion Druck auf meine Schultern.

Ich kam in bester Verfassung in Wimbledon an, nachdem ich zuvor das Turnier in Halle gewinnen konnte. Doch das Schicksal intervenierte: In der vierten Runde stand ich wegen Rückenschmerzen am Rande der Aufgabe. Von da an habe ich wirklich gut gespielt, und ich gewann.

swissinfo: Im November, mit bereits 90 Spielen in den Beinen, zeigten Sie am Masters ihr bestes Tennis.

R.F.: Ich war der erste, der von der Qualität meines Tennis überrascht war. Als ich in Houston ankam, war ich müde von den vielen Matches im Oktober, und mein Rücken schmerzte auch wieder. Zudem hat im Training nichts funktioniert. So gegen die besten Spieler der Welt zu gewinnen, ist fantastisch.

swissinfo: Gibt es 2003 trotz der grossen Erfolge auch einige Sandkörner?

R.F.: Ja, aber nicht viele. Es ist normal, von Zeit zu Zeit zu verlieren. Drei Niederlagen beschäftigen mich noch heute: Die Erstrunden-Niederlage in Paris gegen den Peruaner Luis Horna sowie diejenige gegen Lleyton Hewitt im Davis-Cup-Halbfinale in Australien.

Am meisten macht mir aber Montréal zu schaffen, wo ich das Halbfinale gegen Andy Roddick verlor. Ich führte im dritten Satz 4:2, und mit einem Sieg wär ich die neue Nummer 1 der Welt geworden.

swissinfo: Jetzt sind Sie ein Schweizer Sportheld und ein Vorbild für junge Sportler. Ihnen liegt zudem das Schweizer Davis-Cup-Team sehr am Herzen. Sind Sie stolz auf die Schweiz?

R.F.: Ja! Schon 1998 war es eine grosse Ehre für mich, als 5. Team-Mitglied für den Davis Cup nominiert zu werden. Und ich hatte mich auf Anhieb gut verstanden mit Spielern wie Marc Rosset.

Danach war ich ungeduldig, die Farben der Schweiz auf dem Tennisplatz zu vertreten. Es war für mich wie ein Traum, der in Erfüllung ging, als wir 1999 in Neuenburg gegen Italien spielten. Nicht nur, weil ich mein erstes Spiel gewinnen konnte. Heute ist mir der Davis Cup richtiggehend ans Herz gewachsen.

swissinfo: Kürzlich haben Sie die Trennung von ihrem schwedischen Betreuer Peter Lundgren bekanntgegeben. Weshalb dieser Schritt?

R.F.: Ich muss neuen Schwung in meine Karriere bringen. Zusammen mit Peter Lundgren habe ich fantastische Momente erlebt, aber zuletzt herrschte Monotonie. Heute suche ich einen Coach, der fähig ist, mir neue Horizonte zu erschliessen, sei es auf dem Tennisplatz, sei es im Leben. Mit 22 Jahren habe ich immer noch einen Trainer nötig, aber ich habe noch keinen Entscheid gefällt.

swissinfo: Wie verbringen Sie die Zeit bis zum offiziellen Startschuss ins neue Tennisjahr 2004?

R.F.: Die Vorbereitung ist hart. Ich arbeite bei Pierre Paganini bei Swiss Tennis in Biel an meiner Kondition, stehe regelmässig 4 bis 5 Stunden auf dem Platz. Diese Arbeit wird sich in den nächsten Monaten auszahlen.

swissinfo: Als ATP-Nummer 2 bleibt Ihnen noch eine letzte Stufe zu nehmen. Ist die Spitzenposition das grosse Ziel für 2004?

R.F.: Die Nummer 1 zu werden ist sicherlich die schwierigste Etappe. Anfang Jahr in Australien habe ich bereits eine erste Gelegenheit. Aber es folgen weitere Highlights, wie beispielsweise die Olympischen Spiele in Athen vom August und die drei weiteren Turniere des Grand Slam.

Nicht zu vergessen natürlich die Turniere in der Schweiz. Eines Tages möchte ich auch in Gstaad und Basel gewinnen.

swissinfo: Und der Davis Cup?

R.F.: Klar ist das auch ein Ziel. Aber leider müssen wir unsere erste Runde auswärts bestreiten. Trotzdem hoffe ich, dass wir diese gewinnen, so dass wir danach vor heimischen Publikum antreten können, beispielsweise gegen Frankreich.

swissinfo-Interview, Raphael Donzel, Biel
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Künzi)

Fakten

2003 war mit Abstand Federers erfolgreichste Saison.
Er ist momentan die ATP-Nr. 2 (hinter dem US-Amerikaner Andy Roddick).
Am Masters Cup in Houston wurde Federer auch offizieller Weltmeister.
2003 gewann er 7 Turniere (Siege auf allen Unterlagen).
Von den 95 bestrittenen Matches gewann er 78 (zweithöchste Siegrate nach Agassi).
Total erspielte er sich über 4 Mio. Dollar Preisgelder.

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In Kürze

April: Sieg mit der Schweiz im Viertelfinale des Davis Cup gegen Frankreich, Sieg in München.

Juni: Sieg in Halle.

Juni/Juli: gewinnt als erster Schweizer in Wimbledon. Verliert Final von Gstaad gegen Jiri Novak (1. Niederlage nach 15 Siegen).

August: Verpasst in Montréal mit der Halbfinal-Niederlage gegen Roddick Position 1 im ATP-Ranking.

September: Verliert mit der Schweiz den Halbfinal des Davis Cup auswärts gegen Australien.

Oktober: Scheitert am "Heim-Turnier" in Basel in der 2. Runde.

November: Federer setzt am Masters in Houston zum Höhenflug an: Er besiegt alle Spieler der Weltspitze.

Dezember: Roger Federer wird zum Schweizer Sportler des Jahres 2003 gewählt.

3. Januar: Roger Federer wird vom Fernsehpublikum unter 18 nominierten Persönlichkeiten zum "Schweizer des Jahres" 2003 gewählt.

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