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Schulleiter müssen auch Unternehmer werden

Derrick Widmer (vorne rechts) mit Leitern von Schweizerschulen im Ausland.

(swissinfo.ch)

Finanzbuchhaltung und –planung sind ein Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz der Präsidenten und Leiter der 16 Schweizerschulen im Ausland.

Diese Gewichtung folgt daraus, dass der Bund seine Beiträge an die Schweizerschulen in den Jahren 2004 bis 2007 um 12% herunterfährt.

Der Stoff mag auf den ersten Blick überraschen: Die rund 30 Präsidenten und Schulleiter der Schweizerschulen im Ausland haben an ihrer jährlichen Konferenz (PSK) schwergewichtig auch Finanzrechnungs-Analyse, finanzielle Führung und Mehrjahres-Finanzplanung gebüffelt. Die Konferenz in Zürich hat am Dienstag begonnen und dauert bis am Donnerstag.

"Die Schulleiterinnen und Schulleiter müssen heute auch Unternehmer sein", begründet PSK-Präsident Derrick Widmer gegenüber swissinfo. "Pädagogisch sind alle Schweizerschulen sehr gut, aber bei der unternehmerischen Führung gibt es grosse Unterschiede", stellt er fest. Wahren Meistern stünden Leiter gegenüber, die zwar ausgezeichnete Pädagogen seien, aber kaum Verständnis für das Finanzwesen mitbrächten, so Widmer.

Nicht locker lassen

Deswegen pocht der Präsident stetig darauf, dass auf der Tagungsagenda nicht ausschliesslich didaktische und bildungspolitische Themen stehen. Dies aber nicht nur aus freien Stücken. "Das Bundesamt für Kultur (BAK), das die Beiträge der Regierung ausrichtet, verlangt eine transparente Rechnungsführung", sagt Widmer.

Die Schweizerschulen im Ausland hätten zwar die Kürzungen der Bundesbeiträge "erstaunlich gut" aufgefangen. Mit Rationalisierungen, der Aufstockung der Klassen und verstärktem Sponsoring. "Aber man muss dran bleiben, die Fortschritte müssen weitergehen", mahnt Widmer.

Löhne auf Migros-Niveau

Toni Wunderlin, der die Schweizerschule in Barcelona leitet, teilt Widmers Optimismus nur bedingt: "Seit Ende der 1990er-Jahre sind bei uns die Lehrerlöhne um bis zu 50% gesunken, so dass wir heute von Migroskassierinnen-Löhnen sprechen." Die dortigen Lebenshaltungskosten entspächen aber dem schweizerischen Niveau.

Zwar findet Wunderlin für seine Schule immer noch gut qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer. "Sie führen aber ein bescheidenes Leben, ohne Familie oder Auto." Einige würden sich zu dritt eine Wohnung teilen.

Nebst den von Widmer angesprochenen Rationalisierungs-Massnahmen auf der Kostenseite blieb Wunderlin nicht viel anderes, als auf der Einnahmeseite "mehr Geld bei den Eltern zu holen", sprich das Schulgeld zu erhöhen.

Wehe, wenn der Boom endet

Dagegen habe es bisher kaum Kritik gegeben, da Spaniens Wirtschaft gegenwärtig sehr gut laufe. Bremse sich das Wachstum aber ab, würde die Opposition der Eltern grösser.

Nüchtern beurteilt Wunderlin das von Widmer ins Spiel gebrachte Sponsoring: "Das kann man vergessen!", lautet sein lapidarer Kommentar. Bei einem Bauprojekt seien 200'000 bis 300'000 Euro die obere Grenze, für den Betrieb dagegen sei nichts zu holen.

Markante Schweizer Präsenz

Trotz des teilweisen Rückzuges des Bundes haben die Schweizerschulen im Ausland für Rudolf Wyder eine ungebrochene Bedeutung. Wyder gehört der PSK als Direktor der Auslandschweizer-Organisation (ASO) an. "Schweizerschulen sind Faktoren einer starken, gut sichtbaren und dauerhaften Schweizer Präsenz im Ausland", sagt er.

Die Institute spielten auch eine wichtige Rolle als Zeugen einer hohen Schweizer Qualität. "Die Schulen werden in den Gastländern sehr geschätzt. Vertreter aus der dortigen Wirtschaft schicken ihre Kinder gern in die Schweizerschulen", so der ASO-Direktor.

swissinfo, Renat Künzi in Zürich

Fakten

Die 16 Schweizerschulen (Kindergarten, Primar-, Sekundarstufe bzw. Gymnasium) verteilen sich auf vier Kontinente.
Einige Schulen bieten den Abschluss mit einer kantonalen bzw. eidgenössisch anerkannten Maturität oder einem International Baccalaureate (IB) an.
Die Schweizerschulen sind private Institute, die vom Bund unterstützt werden.
Dieser fährt seine Beiträge gegenwärtig stark herab.
Trotz der daraus resultierenden Probleme will die Konferenz neue Schweizerschulen in Shanghai (China), Mumbai (Indien) und Moskau (Russland) eröffnen.

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