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Schweiz und Italien feiern 100 Jahre Eisenbahn-Verbindung

Männer in der Kleidung der damaligen Mineure am historischen Umzug in Brig.

(Keystone)

Politiker und Eisenbahn-Vertreter beider Länder haben am Freitag der Pioniere gedacht, die den lange Zeit längsten Tunnel der Welt durch den Berg gebohrt hatten.

400 geladene Gäste, darunter Bundespräsident Moritz Leuenberger und SBB-Chef Benedikt Weibel, machten bei der Jubiläumsfeier mit.

Die Schweiz und Italien haben am Freitag den 100. Geburtstag des Bahntunnels durch den Simplon gefeiert. Bundespräsident Leuenberger und Bahnchef Weibel würdigten am Festakt in Brig im Kanton Wallis die bahntechnische Pionierleistung und blickten voraus auf die neuen Jahrhundertwerke durch Lötschberg und Gotthard.

Die offiziellen Feiern begannen am Vormittag mit der Fahrt eines historischen Extrazugs von Brig nach Domodossola. Nach dem Empfang durch die italienische Delegation machten die rund 400 geladenen Gäste auf der Rückfahrt am Südportal in Iselle einen Zwischenhalt.

In einer religiösen Zeremonie wurde der 67 Arbeiter gedacht, die während der achtjährigen Bauzeit des 19,8 Kilometer langen Tunnels ums Leben gekommen waren. Der Simplon war bis in die 1980er-Jahre der längste Eisenbahntunnel der Welt.

Zurück in Brig ging es in einem Festumzug weiter in den Stockalper-Palast für die Begrüssung durch die lokalen und kantonalen Behörden. Der Präsident der Walliser Kantonsregierung, Thomas Burgener, sagte, die Tunnel durch Simplon und Lötschberg hätten der Region lebenswichtigen Sauerstoff eingehaucht.

Die Würdigung der Pionierleistungen der Ingenieure und Abeiter vor mehr als 100 Jahren standen auch im Zentrum der Ansprachen des Festaktes in der Briger Kollegiumskirche.

Jung gebliebener Jubilar

"Einmal Pionier, immer Pionier", stellte der Schweizer Verkehrsminister Moritz Leuenberger fest. Dies gilt aus Leuenbergers Sicht insbesondere auch für den Jubilar selber, den Simplontunnel.

"Eisenbahntunnel überdauern die Jahrhunderte, sie bleiben ewig jung", erklärte Leuenberger. Im Gegensatz zu einer Autostrasse mit Jahrgang 1906 sei der Tunnel geradezu jung geblieben.

Eine 100-jährige Strasse würde heute nur noch von Fussgängern benützt, sagte der Verkehrsminister. Im Simplontunnel dagegen nehme der Zugsverkehr gar noch zu.

Heutige Pioniertat

Leuenberger blickte aber auch voraus auf die beiden Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen (NEAT), von denen der neue Lötschbergtunnel im kommenden Jahr eröffnet wird.

"Wir eröffnen den Lötschberg extra für die italienischen Fans schon im 2007, damit die Sonderzüge schneller in den Stadien der EM 2008 sind", sagte der Bundespräsident in seinem humorvollen Plädoyer für die Bahn.

Und den NEAT-Skeptikern hielt er entgegen: "Wir Pioniere machen nie Schluss, wenn es unangenehm wird. Wir halten durch. Der Lötschberg kommt. Der Gotthard kommt und der Ceneri auch. Die Verlagerung gelingt."

Finanzierungs-Puzzle

SBB-Chef Benedikt Weibel würdigte die Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg bei Planung, Finanzierung und Bau des Simplontunnels. Im Süden hätten der italienische Staat, vier Provinzen, elf Städte, zwei Handelskammern und eine Bank vier Millionen Lire beigesteuert.

13,6 Millionen Franken seien in der Schweiz vom Bund, sechs Kantonen, den Gemeinden Lausanne und Montreux sowie von der Schifffahrt auf dem Genfersee gekommen, sagte Weibel.

Italien finanzierte die Strecke von Domodossola bis zum Südportal des Tunnels in Iselle. Die restlichen 60 Millionen Franken der Baukosten wurden über Anleihen auf dem Schweizer Kapitalmarkt finanziert.

Das Volk am Zug

Die Grüsse des italienischen Staats überbrachte der Abgeordnete Marco Zacchera. Der aus Verbania am Lago di Maggiore stammende Parlamentarier der postfaschistischen Alleanza Nazionale sprang für den ursprünglich als Festredner vorgesehenen Senatspräsidenten Franco Marini ein. Dieser musste am Freitag die Vertrauensdebatte im Senat für die neue Regierung Prodi leiten.

Am Samstag finden in Brig und Domodossola Volksfeste zum 100. Geburtstag des Simplontunnels mit vielen Attraktionen und Spezialangeboten der SBB statt.

Als Höhepunkt ist ein Auftritt des italienischen Rockstars Gianna Nannini geplant, was Leuenberger zur Bemerkung verleitete: "Zur Eröffnung kam vor 100 Jahren ein italienischer König und es kommt nach 100 Jahren eine italienische Rockkönigin."

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Die Bauarbeiten des Simplon-Tunnels (1898–1906) waren aufwändig und technisch kompliziert.

Im Berg herrschten bis 54 Grad Hitze.

Massive Wassereinbrüche (heiss und kalt) erschwerten die Bauarbeiten zusätzlich.

Der Druck des Berges liess stellenweise sämtliche Stützbalken brechen.

Zum Einsatz kamen die damals neusten technischen Mittel wie eine Stollenbahn mit Pressluftbetrieb und eine Wasser-Hochdruck Bohrmaschine.

Die Tunnelstrecke war vom ersten Tag an elektrifiziert. Einzig der Orient-Express fuhr aus Zeitgründen mit Dampf durch den Simplon.

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Fakten

Mit seinen 19,8 Kilometern Länge ist der Simplon-Tunnel heute die Nummer 7 in der Weltrangliste.
Bis in die 1980er-Jahre war der Simplon-Tunnel der weltweit längste Eisenbahntunnel.
Seit 1988 nimmt der Seikatunnel in Japan mit 54 Km den Rekordplatz ein.
Ab 2015 soll der erste Rang wieder in die Schweiz zurückkehren.
Der Gotthard-Basistunnel wird mit 57 Km einen neuen Meilenstein setzen.

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In Kürze

Seit Beginn des Eisenbahnzeitalters in der Schweiz 1847 arbeiteten Pioniere an Tunnelprojekten durch die Alpen.

1882 wurde der Tunnel durch den Gotthard eröffnet. Die Arbeiten am Simplontunnel wurden nach jahrelanger Planungsphase 1898 begonnen.

Im Einsatz waren bis zu 14'000 Arbeiter, die unter schwierigsten Bedingungen sogar zuweilen ihr Leben riskierten.

67 Arbeiter verloren bei Unfällen ihr Leben, zahlreiche starben an Staublungen und anderen Krankheiten.

Der Durchstich erfolgte am 24. Februar 1905. Die erste Röhre wurde im Juni 1906 eröffnet.

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