Schweizer Degenfechter Neunte

Nicht nur in den Einzelmeisterschaften, sondern auch als Team vermochten die Degenfechter zu überzeugen. Keystone Archive

Das Männer-Degenteam schaffte es an der WM in Nîmes in den Achtelfinal und wurde schliesslich 9.

Dieser Inhalt wurde am 01. November 2001 - 17:25 publiziert

Auch der Abschluss der Fecht-Weltmeisterschaften in Nîmes verlief aus Schweizer Sicht erfreulich: Das Männerdegen-Team mit Marcel Fischer, Basil Hoffmann, Benjamin Steffen und Michael Kauter klassierte sich im neunten Rang und sorgte damit für die erste einstellige WM-Klassierung in diesem Wettbewerb seit 1990 und Rang 6 in Lyon.

Die einzige Niederlage aus fünf Gefechten resultierte in den Achtelfinals gegen den nachmaligen Weltmeister Ungarn mit 37:45. Anschliessend bestanden die Schweizer in der Klassierungsrunde mit Siegen über Holland (45:32), Schweden (45:44 n.V.) und Russland (45:36) mit Einzel-Olympiasieger Pawel Kolobkow den Charakter- und Zukunftstest.

Zuvor hatten die Schweizer bereits in den Sechzehntelfinals immerhin Weissrussland mit Einzel-Europameister Witali Zacharow mit 45:38 ausgeschaltet.

Steffen Match-Gewinner

Schweizer Meister Benjamin Steffen war in allen drei Klassierungsrunden-Gefechten der Matchg-Gewinner für die Schweiz. Gegen Russland verzeichnete er sogar eine Plus-11-Bilanz. Olympiasieger Pawel Kolobkow verliess die Planche gegen die Schweiz aus drei Assauts lediglich gegen Marcel Fischer mit einer positiven Bilanz (+ 2).

Steffen führte aber auch den zweifachen WM-Zweiten und ehemaligen Weltranglisten-Ersten Peter Vanky aus Schweden nach allen Regeln der Fechtkunst vor. Der Linkshänder aus Basel leitete im Gefecht um die Plätze 9 bis 12 mit einem imponierenden 12:6 gegen den letztjährigen GP-Bern-Gewinner die Wende ein.

Steffen übernahm bei 23:30 und übergab nach zwischenzeitlicher Führung mit 35:36. Als Schlussfechter sorgte Marcel Fischer gegen Magnus Malmgren für die entscheidende Touche in der Overtime zum 45:44.

Damit wurde die Top-Ten-Zielvorgabe eingehalten. "Bei besserem Tableau wären die Viertelfinals auf jeden Fall möglich gewesen. Doch diese Mannschaft soll ja an den schwerstmöglichen Brocken wachsen", erklärte Nationalcoach Rolf Kalich.

Ungarn unüberwindbar

Ein solcher war Ungarn in den Achtelfinals. Gegen die Osteuropäer hatten die Schweizer an Weltmeisterschaften zuletzt 1998 in La Chaux-de-Fonds (Rang 11) sowie 1995 in Den Haag ebenfalls in den Achtelfinals den kürzeren gezogen. In La Chaux-de-Fonds setzten sich die Ungarn gegen Fischer, Hoffmann sowie Nic Bürgin und Daniel Lang mit 45:43 durch und wurden anschliessend Weltmeister.

Ungarns Besetzung von La Chaux-de-Fonds mit Attila Fekete, Ivan Kovacs, Krisztian Kulcsar und Geza Imre gewann auch gegen das Schweizer Quartett von Nîmes. In Den Haag hatten die Team-Olympia-Zweiten von 1992 souverän mit 45:26 gegen die Schweiz gewonnen.

Im letzten Aufeinandertreffen vor Nîmes behielten die Ungarn an den Europameisterschaften 2000 zum Auftakt der Klassierungsrunde um die Ränge 5 bis 8 auf Madeira mit 45:35 ebenfalls die Oberhand. In Den Haag war keiner aus dem heutigen Schweizer WM-Quartett dabei.

Das jetzige Schweizer Degen-Quartett der Männer hat mit einem Durchschnittsalter von rund 22 Jahren die Zukunft erst noch vor sich: Hoffmann ist mit 25 Jahren der Älteste, danach folgen Fischer (23) und Kauter (22), während Benjamin Steffen seinem Vornamen als Team-Benjamin gerecht wird, auf der Planche aber viel abgeklärter als ein 19-Jähriger auftritt.

An den Weltmeisterschaften 2003 in Havanna werden - Modusänderung vorbehalten - für eine Olympia-Teilnahme mindestens die Viertelfinals erreicht werden müssen. Die Schweizer deuteten mit ihrem Abschneiden in Nîmes das Potenzial hiefür nachhaltig an.

Rolf Kalich hatte sowohl gegen Weissrussland als auch gegen Ungarn überraschend nicht den Olympia-Vierten Fischer oder den WM-Zweiten Hoffmann, sondern Steffen als Schlussfechter aufgestellt. Gegen Ungarn wurde der für einmal abfallende Steffen aber vorzeitig ersetzt. Aber der eingewechselte Michael Kauter konnte zum Abschluss gegen Kovacs das 33:40 nicht mehr kehren.

"Einen solchen Rückstand holt gegen diesen Weltklasse-Fechter niemand auf - auch Fischer nicht. Ich brachte ihn nicht, weil er wegen Trainingsrückstand noch nicht in absoluter Topform ist. Ich wollte ihn deshalb nicht als Schlussfechter verheizen", erklärte der Deutsche.

Der Einzel-WM-Zweite Basil Hoffmann musste sich gegen Ungarn eine Minus-6-Bilanz notieren lassen, wobei er alleine gegen Kovacs mit 1:5 den kürzeren zog. Fischer (+4 gegen Ungarn) war der einzige, der gegen Kovacs ein positives Resultat (8:5) zu Stande brachte.

Hoffmanns Rückenprobleme

Hoffmann erreichte nicht zuletzt wegen Rückenschmerzen nicht die überragende Form vom Einzelwettbewerb. Dennoch wollte bis zuletzt im Team bleiben.

"Ich habe schon seit einigen Jahren Rückenprobleme, weil ich in Biel über zehn Jahre lang auf einem Betonunterbelag trainierte. Und die Schmerzen machten sich jetzt wegen den vielen Gefechten bemerkbar. Doch sie klingen üblicherweise nach einer Pause wieder ab. Nach den WM werde ich ohnehin mindestens eine Woche pausieren."

Gegen Weissrussland sammelten die Schweizer die in der Endabrechnung entscheidenden Punkte ausgerechnet gegen Einzel-Europameister Witali Zacharow, der sowohl gegen Steffen, Fischer und Hoffmann die Planche mit einer Minus-Bilanz verliess.

swissinfo und Richard Stoffel, Nîmes (Si)

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