Schweizer Firmen in Japan begrüssen Freihandel

Japan ist berühmt für sein Zugsystem. Mit Unterstützung von Schweizer Technik bleibt es Weltspitze. Reuters

Das Mitte Februar in Tokio unterzeichnete Freihandels-Abkommen zwischen Japan und der Schweiz stösst bei den im Land engagierten Schweizer Firmen auf grosses Interesse. Sie hoffen auf Einsparungen und besseren Zugang.

Dieser Inhalt wurde am 28. Februar 2009 - 10:21 publiziert
Christian Raaflaub, Tokio, swissinfo.ch

Ein unscheinbares Geschäftshaus im Tokioter Stadtteil Hatchobori. Hier hat sich im 8. Stock die Firma Matisa eingemietet.

Eine Bahnschiene auf Schotterbett macht im Eingangsbereich gleich klar, in welcher Sparte hier Geschäfte gemacht werden.

Es ist der japanische Hauptsitz der Schweizer Firma Matisa, die drei weitere Büros sowie ein Warenlager und eine Verkaufsstelle in Japan mit insgesamt 16 Angestellten unterhält.

Matisa produziert in der Schweiz Spezialmaschinen für Neubau- und Unterhalt von Gleisanlagen.

In Japan bietet sie Leistungen an wie Verkauf, Reparaturen und Wartung dieser Maschinen und verkauft Ersatzteile dazu.

Seit zweieinhalb Jahren verantwortlich für das japanische Geschäft ist André Zimmermann, ein "alter Fuchs" in Japan. Er lebt seit 21 Jahren im Land, hat 15 Jahre für die Telekurs und 3 Jahre für Location Switzerland auf der Schweizer Botschaft gearbeitet, bevor er zu Matisa stiess.

Bessere Position

Für seine Firma sei das Abkommen aus zwei Gründen attraktiv, sagt Zimmermann: "Der Zollwegfall ist natürlich hochinteressant für uns. Der zweite Grund ist, dass man mit diesem Abkommen eine ganz andere Position bekommt. Das heisst, man hat besseren Zugang zu verschiedenen Departementen."

Weil das Unternehmen in einem sehr konservativen Geschäftsegment tätig sei, sei die Kooperation mit verschiedenen Behörden sehr wichtig, sagt Zimmermann. "Und mit diesem Abkommen haben wir ganz sicher eine bessere Ausgangslage. Wir werden ganz sicher offener empfangen werden."

Breites Interesse

Aber nicht nur die Schweizer Firmen hätten die Verhandlungen mit Interesse verfolgt, erklärt Zimmermann. "Es ist ein grosses Thema, nicht nur für die Schweizer Industrie, sondern auch für die japanische."

Viele seiner japanischen Bekannten hätten sich immer wieder erkundigt, wie weit die Verhandlungen seien und wann mit der Inkraftsetzung zu rechnen sei.

Japan ist offener

Japan wird immer wieder als protektionistisch bezeichnet, und man erwartet daher einen Markt, der schwierig zu knacken ist. Dem widerspricht Zimmermann aber vehement. Japan sei ein weit offenerer Markt als die Schweiz.

"Das Stigma ist nach wie vor da, aber wenn man dann wirklich Geschäfte machen will und versteht, wie Geschäfte in Japan gemacht werden, dann hat man hier offene Türen."

Die Hindernisse im japanischen Markt seien vielmehr in den Köpfen. "Aber sie sind so stark in den Köpfen drin, dass es schwierig ist, das rauszubringen."

Japaner "holten" Matisa

Den Markteintritt in Japan verdankt Matisa deren Interesse an Schweizer Präzisionsmaschinen. Ende 1950er-Jahre "kam einfach mal ein Handelshaus nach Crissier und fragte nach Maschinen", so Zimmermann. "Die hatten gemerkt, dass die Schweizer da etwas Interessantes haben, das auch in Japan eingesetzt werden könnte."

Die Maschinen seien daraufhin während etwa 15 Jahren direkt aus der Schweiz gekauft worden. Dann habe man gemerkt, dass ein grösseres Bedürfnis nach Schulung, Wartung und Servicedienstleistungen bestanden hätte.

"Und so entschied man sich 1973, hier eine eigene Firma zu gründen, auch um mehr selber machen zu können." Zwar sei der Markteintritt damals nicht einfach gewesen. "Wenn man eine Aktiengesellschaft eröffnen wollte, gab es grössere Auflagen." Aber: "Heute ist das alles eine einfache Sache."

Qualität über alles

Den grössten Unterschied zwischen den beiden Märkten sieht Zimmermann ausgerechnet in der Frage der Qualität.

"Die Qualität muss in Japan immer die Beste sein. Der Service wird nie diskutiert, da geht es über alle Kosten hinaus", weiss er.

"Dieser Qualitätsgedanke ist sehr ausgeprägt in Japan. In der Schweiz spricht man auch immer von bester Qualität, aber wenn man das mit Japan vergleicht, dann hat die Schweiz noch viel zuzulegen."

Schweiz/Japan

Japan ist für die Schweiz nach der EU und den USA knapp vor China drittwichtigster Handelspartner, die Schweiz in Japan achtwichtigster.

2008 exportierte die Schweiz Waren im Wert von 7,1 Mrd. Fr. nach Japan und Japan solche im Umfang von 4,1 Mrd. Fr. in die Schweiz.

Die wichtigsten nach Japan eingeführten Schweizer Produkte sind chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Uhren und Maschinen.

Japan exportiert Autos, Edelmetall, Bijouterieartikel, Maschinen und chemische Produkte in die Schweiz.

Laut dem japanischen Aussenministerium sind rund 150 Schweizer Firmen in Japan tätig.

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Das Abkommen

Das Abkommen über Freihandel und wirtschaftliche Partnerschaft (FHWPA) wurde am 19. Februar 2009 von Bundesrätin Doris Leuthard und dem japanischen Aussenminister Hirofumi Nakasone unterzeichnet.

Es regelt unter anderem den Handel mit Waren und Dienstleistungen, den Schutz von Investitionen und geistigem Eigentum sowie den freien Wettbewerb.

Es ist das erst Mal, dass Japan ein solches Abkommen mit einem europäischen Land abschliesst.

Wann genau das Abkommen in Kraft tritt, hängt von den Parlamenten der beiden Länder ab.

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Matisa

Die Firma existiert seit 1945 und bezeichnet sich als "Pionier für die Industrialisierung der Mechanisierung von Gleisbauarbeiten".

Matisa ist weltweit die Nummer 2 auf diesem Gebiet. Der Hauptsitz ist in Crissier bei Lausanne.

In Japan stehen knapp 40 Maschinen der Firma im Einsatz. Matisa beschäftigt 16 Personen in Japan. Weltweit sind es rund 600.

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