Schweizer Jugend besser als ihr Ruf

Die Leistungsbereitschaft der Jugendlichen ist gross. Keystone

Das Vorurteil von faulen und verrohenden Jugendlichen muss korrigiert werden. Das ist der Befund einer vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Langzeitstudie.

Dieser Inhalt wurde am 22. November 2006 - 14:39 publiziert

Heranwachsende seien in der Schweiz in hohem Masse einfühlsam, verantwortungsbewusst und zu Anstrengungen bereit, heisst es darin.

Der so genannte Jugendsurvey COCON erforschte erstmals in der Schweiz Lebensverhältnisse, Lebenserfahrungen und die psychosoziale Entwicklung von über 3000 Heranwachsenden, und zwar in den Stadien der mittleren Kindheit, der mittleren Adoleszenz und des frühen Erwachsenenalters.

Demnach verfügt ein grosser Anteil der Heranwachsenden über ein erstaunlich hohes Ausmass an sozialen Kompetenzen wie Mitgefühl und Verantwortungs-Bewusstsein, wie Professorin Marlis Buchmann vom Jacobs Center der Uni Zürich erklärte.

Das Mitgefühl nehme zwischen der mittleren Kindheit und der Adoleszenz stark zu und bleibe anschliessend bis ins junge Erwachsenenalter relativ konstant erhalten.

Anerzogenes Mitgefühl?

Entgegen verbreiteten Annahmen seien sich sechsjährige Mädchen und gleichaltrige Knaben in der Entwicklung des Mitgefühls sehr ähnlich, gaben die Forscher weiter bekannt.

Im Alter von 15 bis 21 Jahren ist das Mitgefühl laut der Studie bei den Frauen dann deutlich ausgeprägter als bei den Männern. Dies spreche dafür, dass der weibliche Vorsprung beim Mitgefühl zu einem starken Anteil anerzogen werde.

Leistungsbereite Mädchen

Die Forscher gingen auch der produktiven Kompetenz der Heranwachsenden nach und stellten bei den 15-Jährigen generell eine grosse so genannte Anstrengungs-Bereitschaft fest. Bei den 21-Jährigen sei diese Kompetenz noch einmal deutlich grösser. Damit werde das Vorurteil widerlegt, junge Leute seien weder anstrengungsbereit noch leistungsbewusst.

Bei den 15-Jährigen schätzten sich die Mädchen wesentlich anstrengungsbereiter ein als die gleichaltrigen Knaben. Im jungen Erwachsenenalter glich sich dieser Geschlechterunterschied weitgehend aus.

Offensichtlich wollten Mädchen schon in der Schule ihren vollen Einsatz bieten und gute Leistungen erbringen, während Jungen erst in der späteren Phase des Aufwachsens ihre Anstrengungs-Bereitschaft erhöhten, kommentierte Buchmann.

Der Geschlechterunterschied könnte aber auch eine Konsequenz des unter Jungen in der Pubertät eher verbreiteten Verhaltensmusters des "coolen Typs" sein, der nicht als Streber gelten wolle. Möglicherweise strengten sich die Burschen erst in einem spezialisierten, ihren Interessen angepassten Umfeld wie in einer Berufslehre wirklich an.

Wichtige emotionale Verbundenheit

Die Studie ging weiter der Bedeutung von ausserschulischen Lern- und Erfahrungsräumen für die Entwicklung von sozialen und produktiven Kompetenzen nach.

Erstaunlich wichtig und prägend für den Entwicklungsstand des Mitgefühls ist demnach in allen drei Phasen des Aufwachsens die emotionale Verbundenheit zwischen Eltern und Kindern.

Bei der Entwicklung der produktiven Kompetenzen leistet hingegen die Schule einen entscheidenden Beitrag.

Überraschenderweise werde aber die Anstrengungs-Bereitschaft nicht vom schulischen Niveau und der Leistung beeinflusst. Ausschlaggebend scheine vielmehr zu sein, wie die Jugendlichen ihr schulisches Umfeld wahrnähmen und zum Beispiel positive Rückmeldungen von Lehrern und Mitschülern erhielten.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Der Schweizerische Kinder- und Jugendsurvey COCON ist ein interdisziplinär angelegtes Projekt, das die sozialen Bedingungen, Lebenserfahrungen und die psychosoziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in der Schweiz aus einer Lebenslauf-Perspektive untersucht.

Ein Teil der Kinder und Jugendlichen wird einmalig befragt, der andere Teil in periodischen Abständen.

Die Studie erforscht wichtige Übergänge im Lebenslauf von Kindern und Jugendlichen wie zum Beispiel Schuleintritt, Oberstufenübertritt, Übergang in die Berufsausbildung und ins Erwerbsleben.

Sie untersucht auch die Aneignung sozialer Kompetenzen, Werte und Fertigkeiten.

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