Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Schweizer OSZE-Beobachter geht "Die Menschen in der Ostukraine wollen nur Ruhe und Frieden"

Ein Mann mit blauer Jacke und weissem Helm schaut in die Richtung, in die ein anderer Mann zeigt.

Zuhören, beobachten, rapportieren: Alexander Hug war viereinhalb Jahre als stellvertretender Leiter der OSZE-Beobachtermission in der Ostukraine unterwegs.

(Keystone/EPA/Markiian Lyseiko)

Im Konflikt in der Ostukraine ist er das Schweizer Gesicht: Der Luzerner Alexander Hug. Viereinhalb Jahre war er der stellvertretende Leiter der OSZE-Beobachtermission in der Ukraine. Nun verlässt er seinen Posten.

Man könnte jetzt sagen, es habe an seiner stattlichen Zwei-Meter-Statur gelegen, dass Alexander Hug im ostukrainischen Konfliktgebiet eine zentrale Rolle spielte. Tatsächlich fällt er bereits rein optisch auf, wenn er immer wieder mal eine Delegation von Beobachtern zwischen Artilleriefeuer und verfeindeten Truppen zu den betroffenen Zivilisten führt.

Aber ihn auf seine Statur zu reduzieren, wäre zu kurz gegriffen. Hug ist international ein Begriff geworden, weil er seit viereinhalb Jahren der Weltgemeinschaft unermüdlich rapportiert, was in der Ukraine vor sich geht.

Er verhandelt in Minsk, wo sich die zerstrittenen russischen und ukrainischen Parteien regelmässig treffen, mit und hat zwischendurch auch die jeweiligen Staatsführer direkt am Draht. Fakten sind wichtig, in einem Ort wo insbesondere von russischer Seite seit Beginn ein aggressiver Propaganda-Krieg geführt wird – und wo leider auch die Ukrainer inzwischen ein Stück weit nachgezogen sind.

Tagesschau Alexander Hug

Tagesschaubeitrag zur Arbeit von Alexander Hug in der Ostukraine

SRF Tagesschau vom 31.10.2018

Journalisten wünschen sich klarere Worte

Rund 1200 Mitarbeiter, darunter zirka 700 ausländische Beobachter, sammeln vor Ort Fakten und veröffentlichen diese. Sie tun dies im Auftrag aller 57 Mitgliedstaaten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) – zu denen auch Russland und die Ukraine gehören. Diese breite politische Abstützung bringt Vorteile. Sie gibt Hug und seinem Team die notwendige Autorität, quasi im Auftrag der Weltgemeinschaft zu handeln.

Aber sie schränkt auch ein. Wir Journalisten, die seit 2014 mehr oder weniger regelmässig aus dem ostukrainischen Konfliktgebiet berichten, wünschten uns oft, dass die OSZE-Beobachter die Sachen klarer beim Namen nennen.

Zum Beispiel, wenn es um die Rolle Russlands im Konflikt geht. Zwar berichten die OSZE-Beobachter von russischen Waffensystemen, welche die Ukrainer nie besassen und ergo auch nicht "erbeutet" werden konnten, von Gefangenen, die sich als russische Soldaten ausgaben. Zudem hat man in letzter Zeit mehrmals russische Lastwagen gefilmt, welche die russisch-ukrainische Grenze überquert hatten. Das wurde alles aufgezeichnet. Aber all das als militärische Aktionen Russlands in der Ukraine zu bezeichnen – das tun Hug und seine Militärbeobachter nicht.

Das Problem mit der Neutralität

Kritik für seine "sterilen" Berichte erntet Hug auch von den von Russland unterstützten Separatisten. Diese verlangen, dass er das Artillerie-Feuer der ukrainischen Armee, bei dem auch Zivilpersonen zu Schaden kommen, klarer verurteile.

Es gebe schon genügend Leute in diesem Konflikt, die mit den Fingern auf die anderen zeigten, sagt Hug. Die Schlussfolgerungen müssen die Leser seiner Berichte selber ziehen. Würde man nebst dem Liefern der Fakten auch interpretieren und Schlussfolgerungen klar ziehen – man würde schnell zum Problem in diesem Konflikt und eine Arbeit als neutraler Vermittler wäre nicht mehr möglich.

Das wäre dann tatsächlich schade. Denn in ihrer täglichen Arbeit täten die Beobachter viel Gutes, wird vor Ort berichtet. Sie sorgen für einen besseren Dialog zwischen den Konfliktparteien – was oftmals nützlich ist. Sei dies bei der Bergung von Minenopfern in der Konfliktzone oder beim Austausch von Gefangenen.

Mission geht auch ohne Hug weiter

Die internationale Präsenz in diesem Konflikt, der über zehntausend Menschen das Leben kostete und mehr als eine Million Vertriebene mit sich brachte, ist sicher ein gute Sache. Sie sorgt dafür, dass die Geschehnisse dort nicht noch mehr in Vergessenheit geraten.

Nach wie vor gibt es täglich teils Hunderte von Waffenstillstands-Verstössen. Darum wird die Mission auch ohne Hug weitergehen. Aber mit ihm verliert sie das bekannteste Gesicht. Er selber will jetzt zunächst Zeit mit seiner Familie, Frau und Kindern, aber auch mit seinen Eltern geniessen. Dafür hatte er in den letzten Jahren nur sehr wenig Zeit.

swissinfo.ch/ka

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.










Umfrage zu SWI swissinfo.ch

Online-Umfrage ausfüllen: Tastatur und eintippen close-up

Liebe Auslandschweizer, sagen Sie uns Ihre Meinung.

Meinungsumfrage