Schweizer Solartaxi kurvt durch Strassen von New York

Prominenter Gast im Solartaxi: Ban Ki Moon. Keystone

Der Luzerner Abenteurer Louis Palmer macht auf seiner Reise um die Welt mit seinem Solartaxi in New York Station. Am Freitag hat er UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Arbeit gefahren.

Dieser Inhalt wurde am 12. September 2008 - 07:57 publiziert

Das Schweizer Solartaxi ist das erste nur mit Sonnenenergie betriebene Auto, das die Welt umrundet. Im Juli 2007 hat Palmers Fahrt in Luzern begonnen.

In 14 Monaten hat der 36 Jahre alte Lehrer bisher ohne grössere Pannen oder Unfälle 43'000 Kilometer hinter sich gelegt und 28 Länder besucht.

"Ohne einen Rappen für Benzin auszugeben", unterstreicht Palmer, als er sein Solartaxi im Beisein des Schweizer Generalkonsuls Christoph Bubb beim Cooper-Hewitt National Museum for Design in New York vor den Medien präsentiert.

"Das Solartaxi läuft absolut zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk." Mit vollen Batterien kommt der Zweisitzer gut 300 Kilometer weit und kann eine Höchstgeschwindigkeit von fast 90 Kilometern pro Stunde erreichen.

Taten statt Worte

Louis Palmer erfüllt sich mit seinem Abenteuer einen Bubentraum. Schon 1986, im Alter von 14 Jahren, hatte er davon geträumt, mit einem Auto um die Welt zu fahren, das die Umwelt nicht belasten würde. Und auch gleich Skizzen eines solchen Autos gemacht.

Da bis heute kein derartiges Auto auf den Markt kam, beschloss er, die Sache selber an die Hand zu nehmen und machte sich auf die Suche nach technischer Unterstützung und Sponsoren.

Weltweit werde heute über den Klimawandel geredet, darüber, dass es eine Alternative zum Erdöl brauche, doch geschehe kaum Konkretes. Die Welt warte auf Lösungen.

"Ich will mit dieser Reise aufzeigen, dass die Technologien und Mittel für saubere, nachhaltige Lösungen der Energiekrise zur Verfügung stehen und alltagstauglich sind."

Wenn er mit seinem Solartaxi um die ganze Welt fahren könne, gebe es keinen Grund, wieso dies nicht zum technischen Standard werden könne. Palmer hofft, Industrie und Investoren überzeugen zu können, dass die Zeit für Solarmobile reif sei.

Versteht sich Palmer als Weltverbesserer? "Nein, ich möchte einfach aufzeigen, dass es Wege aus der Energiekrise gibt. Das Solartaxi dient als eine Art Anschauungs-Unterricht, ich zeige, dass es anders geht. Lebensfreude ist mir wichtig, ich will nicht moralisieren."

Nicht nur ökologisch, auch billig

Ein Solarauto sei nicht nur umweltfreundlich, sondern auch billig, erklärt Palmer später bei einer öffentlichen Veranstaltung am Ufer des Hudson unter Applaus des Publikums: "Wenn ich für einen Dollar Strom aus der Steckdose beziehe, kann ich 100 Meilen fahren."

"Es ist etwas beschämend, dass jemand aus einem Land, das keine Autoindustrie hat, uns Amerikanern zeigen muss, dass Solarautos keine Spinnereien sind ", erklärt ein Architekt gegenüber swissinfo.

Und ein anderer Besucher sagt: "Ich hatte keine Ahnung, dass es in der Schweiz solch innovative, abenteuerlustige Menschen gibt."

Berühmte und weniger berühmte Fahrgäste

Um seine Botschaft unter die Leute zu bringen, hat Palmer das Gefährt als Taxi konzipiert. Wo er hinkommt, nimmt er Gäste für eine kurze Fahrt mit, Politiker und Stars genauso wie Menschen von der Strasse.

Auf besonders viel Aufmerksamkeit war Palmer mit seinem Solargefährt bei der UNO-Klimakonferenz in Bali gestossen.

In einer Zeit der hohen Benzinpreise und der Diskussionen um den Klimawandel stösst Palmers Fahrt jetzt auch in den USA auf grosses Interesse.

"Wir wurden überall herzlich empfangen. Unser Gefährt fällt auf, die Leute sprechen uns an", sagt Palmer. Sein Besuch beim Capitol in Washington machte gar nationale Schlagzeilen.

Zu den US-Persönlichkeiten, die Palmer bisher in seinem Taxi mitgenommen hat, gehören der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg, der Hollywood-Regisseur James Cameron ("Titanic") und der Talkshow-Moderator Jay Leno. Und am Freitag UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon.

Massenproduktion möglich

Konstruiert wurde das Auto von der Hochschule für Technik, HTA Luzern, und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) in Zusammenarbeit mit privaten Partnern aus der Schweiz; die Solarzellen kommen aus Deutschland.

Sein Gefährt ist ein Unikat, doch ist Palmer überzeugt, dass die technischen Voraussetzungen für eine Massenproduktion gegeben sind. Ein ähnliches Auto, rechnet er vor, könnte inklusive Solarzellen für rund 15'000 Franken auf den Markt gebracht werden.

In 80 Tagen um die Welt

Seine Reise hat Palmer bisher durch Europa, den Nahen und Mittleren Osten, Asien, Australien und Neuseeland, Kanada und jetzt quer durch die USA geführt. Von New York geht es nun wieder nach Kanada und dann per Schiff nach Algerien. Bis Weihnachten will er wieder in der Schweiz sein.

Und dann? Angst vor einer Leere nach den fast eineinhalb Jahren unterwegs? "Nicht wirklich, ich habe auch schon neue Pläne."

Palmer will ein internationales Rennen auf die Beine stellen, an dem er selber auch mitfahren will. Das Motto des Projekts, frei nach Jules Verne: "Mit erneuerbarer Energie in 80 Tagen um die Welt".

swissinfo, Rita Emch, New York

In Kürze

Das dreirädrige Solartaxi hat Platz für zwei Personen. Auf einem Anhänger sind die Solarzellen angebracht, welche die Hälfte des nötigen Stroms produzieren.

Die anderen 50% bezieht Palmer aus dem Stromnetz. Als Kompensation wird in der Schweiz mit einer Solaranlage Strom produziert und ins öffentliche Netz eingespiesen.

Beim Betrieb entstehen keine CO2-Emissionen. Der Energieverbrauch liegt bei 8 Kilowattstunden (kWh), das entspricht etwa 0,8 Liter Benzin auf 100 Kilometer.

Mit zwei vollen Akkus und den 6m2 Solarzellen schafft das Solartaxi ca. 600 Kilometer mit einer Durchschnitts-Geschwindigkeit von 50 km/h. Es kann bis zu 90 km/h fahren.

Die Batterien können an jeder 110- oder 220-Volt-Steckdose aufgeladen werden.

Leer wiegt das Gefährt etwa 500 Kilogramm, der Solarzellen-Anhänger 250 kg. Die 6m2 Solarzellen liefern Strom für 15'000 km pro Jahr.

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Schweizer Solarpioniere

Palmer ist nicht der einzige Schweizer, der sich mit persönlichem Einsatz und Erfindergeist als Solar-Pionier engagiert.

Betrand Piccard, der 1999 für Schlagzeilen gesorgt hatte, als er als erster mit einem Ballon nonstop um die Welt geflogen war, plant nun mit einem Solar-Flugzeug (Solar Impulse) einen Flug um die Welt.

Der Neuenburger Raphael Domjan will mit einem Solarboot (PlanetSolar) rund um die Erde fahren.

Die Gruppe um Martin Vosseler, hat 2007 mit der sun21, einem Solar-Katamaran, erfolgreich den Atlantik überquert.

Schliesslich gibt es im Thunersee das Projekt Goldfisch für das weltweit erste mit Solarstrom betriebene U-Boot.

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