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Schweizer Top-Banker auf der Anklagebank

Josef Ackermann gibt zu, dass dieser Fall dem internationalen Ruf der deutschen Wirtschaft schaden könnte.

(swissinfo.ch)

Seit Mittwoch muss sich Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, im wohl spektakulärsten Strafverfahren der deutschen Wirtschafts-Geschichte in Düsseldorf vor Gericht verantworten.

Der Schweizer Banker ist im Fall Mannesmann wegen Untreue angeklagt.

Als ehemaliges Aufsichtsrats-Mitglied des deutschen Mannesmann-Konzerns soll der 55-jährige Josef Ackermann zusammen mit anderen Managern bei der Übernahme durch den britischen Mobilfunkanbieter Vodafone unrechtmässig überhöhte Millionenabfindungen für aktive und ehemalige Topmanager des Konzerns genehmigt haben.

Mannesmann war Anfang 2000 nach einer spektakulären Übernahmeschlacht von Vodafone gekauft worden. Mit einem Volumen von 178 Mrd. Euro war dies bis dahin die teuerste Übernahme der Industriegeschichte Europas gewesen.

Abfindungen und Bonuszahlungen



Nach dem Sieg von Vodafone sollen im Mannesmann-Konzern mehr als 60 Mio. Euro Abfindungen und Bonuszahlungen (rund 90 Mio. Schweizer Franken) an führende Manager, Aufsichtsräte und Pensionäre geflossen sein. Allein 30 Mio. Euro gingen an den ehemaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser.

Über die Rechtsmässigkeit dieser Zahlungen wird nun in Düsseldorf zu Gericht gesessen. Die Manager hätten die Wirren der Übernahmeschlacht genutzt, um selbst Kasse zu machen, glauben die Staatsanwälte.

Beschlossen wurden diese Zahlungen laut Anklage zwischen Februar und Juni 2000 vom vierköpfigen "Ausschuss für Vorstands-Angelegenheiten", dem auch Ackermann angehörte.

Ackermann geriet dabei ins Visier der Ermittler, obwohl er selber gar kein Geld erhielt. Doch soll er als Mitglied dieses Ausschusses die Zahlungen abgenickt oder sie zumindest nicht verhindert haben.

Die Angeklagten

Auf Untreue im besonders schweren Fall und Beihilfe zu diesem Delikt lauten die Vorwürfe gegen die insgesamt sechs Angeklagten. Mit Josef Ackermann muss Deutschlands mächtigster Banker ebenso auf der Anklagebank Platz nehmen müssen wie Ex-Mannesmann-Konzernchef Klaus Esser und Klaus Zwickel, der als IG-Metall-Vorsitzender einst die grösste Industriegewerkschaft der Welt leitete.

Das deutsche Strafgesetzbuch sieht eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis für Untreue vor, bei schwerer Untreue bis zu zehn Jahren. Alle Beschuldigten haben die gegen sie erhobenen Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Erste Aussage Ackermanns vor Gericht

Auch bei seiner ersten Aussage vor Gericht erklärte Josef Ackermann am Donnerstag, er habe sich bei den Entscheidungen über die umstrittenen Abfindungen richtig verhalten.

"Ich weiss nicht, wo strafrechtlich ein Problem liegen soll", so Ackermann vor dem Landgericht Düsseldorf. Er habe sich nicht bereichert, sich an die Regeln des Wirtschaftsrechts gehalten und lediglich Vorschläge unterstützt, die Leistungen anderer zu honorieren.

Im schlimmsten Fall vorbestraft

Das Düsseldorfer-Gericht hat für den Mannesmann-Prozess zunächst 41 Verhandlungstage bis Ende Juni anberaumt.

Seit Mittwoch muss Ackermann an jeweils zwei Tagen pro Woche die Deutsche Bank mit der Anklagebank in Düsseldorf tauschen. Während des erwarteten langwierigen Prozesses wird der Topmanager die Geschicke der Deutschen Bank aus einem Büro in Düsseldorf lenken.

Wichtige Sitzungen wolle Ackermann auf Grund des Mannesmann-Prozesses nicht versäumen, allein bei repräsentativen Verpflichtungen seien einige Abstriche denkbar, hiess es bei der Deutschen Bank.

Mehrfach betonte Ackermann, er habe Vertrauen in das deutsche Rechtssystem. "Wir erwarten einen Freispruch", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank.

Im schlimmsten Fall, einer Verurteilung, wäre Ackermann vorbestraft. Ob er dann noch an der Spitze der grössten deutschen Bank stehen könnte, ist zweifelhaft. Eine als beispielhaft bezeichnete Banker-Karriere würde so zu Ende gehen.

Seit 2002 Chef der Deutschen Bank

Der aus Mels im Kanton St. Gallen stammende Josef Ackermann wurde am 22. Mai 2002 zum Chef der Deutschen Bank gewählt – als erster Ausländer in der Geschichte der 1870 gegründeten Bank.

Hier trägt er die Verantwortung für das Corporate und das Investment Banking. Er ist Sprecher des Vorstands und Chairman des Group Executive Committee. Damit besitzt Ackermann eine Machtfülle, wie sie kein Vorstand der Frankfurter Bank je hatte.

Seine Karriere hatte in der Schweiz begonnen: 16 Jahre brauchte Ackermann, der an der Handelshochschule St. Gallen studiert hatte, um sich bei der damaligen Schweizerischen Kreditanstalt (heute Credit Suisse) vom Assistenten der Generaldirektion zu deren Führung hochzuarbeiten. Drei Jahre – von 1993 bis 1996 - leitete Ackermann die Schweizer Grossbank.

swissinfo

In Kürze

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann steht in dem am Mittwoch beginnenden Mannesmann-Prozess unter enormem Zeitdruck.

Der prominenteste der sechs Angeklagten muss das Verfahren, in dem ihm wegen des Vorwurfs der schweren Untreue im schlimmsten Fall zehn Jahre Haft drohen, schnell hinter sich bringen, um den Imageschaden für Deutschlands grösste Bank zu minimieren und seinen Job zu retten.

Seine Unschuld hat der 55-jährige Schweizer stets beteuert.

Der Mammutprozess in Düsseldorf ist zunächst auf knapp sechs Monate angesetzt.

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