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Schweizer Triathletin wehrt sich gegen Ausschluss

Triathletin Magali Di Marco Messmer kämpft um ihr administratives Comeback.

(swissinfo.ch)

An den Olympischen Spielen in Sydney hatte Magali Di Marco Messmer nach der Triathlon-Bronzemedaille ihre Karriere beendet.

Nach drei Jahren und einer Babypause wollte die Neuenburgerin wieder einsteigen. Doch das Doping-Reglement von Swiss Olympic schiebt dem einen Riegel.

Die entrüstete Triathletin ist entschlossen, bis zum Ende für ihre Sache zu kämpfen.

Es wäre eine so schöne Geschichte gewesen. Die Story einer ausserordentlichen Medaillengewinnerin, die den Wettsport wieder aufnimmt, nachdem sie ihre Sportkarriere drei Jahre unterbrochen und ein Kind zur Welt gebracht hatte.

Es ist auch die Geschichte einer charakterstarken Frau, die an den Olympischen Spielen Bronze errungen hat und nun, vier Jahre später, wieder zu einem neuen olympischen Abenteuer bereit ist. Und zwar am Geburtsort dieser Spiele: in Griechenland.

Aber Magali Di Marco Messmer wird diesen Sommer wohl nicht nach Griechenland reisen. Schlimmer noch, sie darf nicht einmal an Wettkämpfen in der Schweiz teilnehmen. Denn ihre Resultate sind nicht offiziell anerkannt.

Und zwar wegen Artikel 5, Absatz 2 der Doping-Statuten von Swiss Olimpic, wonach im Fall eines Comebacks "Elitesportler/innen nach einem Rücktritt beweisen müssen, dass sie zuvor während mindestens eines Jahres wieder ins Kontrollsystem einbezogen worden waren, um wieder eine Startberechtigung zu erhalten".

Nach mehreren Monaten Training (ohne Einbezug ins Kontrollsystem) ist dies eine bittere Pille. In der Schweiz wurde der Fall von Di Marco Messmer von der Boulevard-Presse aufgenommen und breit diskutiert. Die Athletin hat nun einen Anwalt beigezogen.

swissinfo hat sich in ihrer Wohnung in Château d’Oex mit ihr getroffen, kurz bevor sie für ein zweiwöchiges Training nach Zypern abflog.

swissinfo: Wie fühlen Sie sich heute?

Magali Di Marco Messmer: Sagen wir, dass ich mich seit dem 22. Januar, als ich erstmals von dieser Kontrollsystem-Regelung hörte, in einem Wechselbad der Gefühle befinde. Zuerst war ich schockiert, dann tief gekränkt und enttäuscht. Schliesslich trainiere ich seit über einem halben Jahr hart auf das Ziel Athen hin.

Jetzt, im Augenblick meines Comebacks, verweigert man mir das Recht, meinen Beruf auszuüben. Unter diesen Umständen ist es sehr schwierig, sich nicht unterkriegen zu lassen und normal zu trainieren.

Eigentlich sollte ich mich völlig auf mein Training konzentrieren können. Stattdessen verbringe ich die meisten Zeit damit, mich mit juristischen Fragen herumzuschlagen und den Medien Red und Antwort zu stehen.

Ich habe im Endeffekt ebenso viele Probleme, wie wenn ich wegen Doping selbst bestraft worden wäre. Doch der Kampf dagegen ist alles andere als perfekt. Dafür bin ich der lebende Beweis. Dies ist ungerecht, und dagegen kämpfe ich.

swissinfo: Weshalb beschlossen Sie, diesen Kampf in die Öffentlichkeit zu tragen?

M.D.M.M: Ich beschloss eigentlich gar nichts. Als ich am 18. Januar an einer Pressekonferenz offiziell mein Comeback ankündigte, wusste der Schweizerische Triathlon Verband, und damit Swiss Olympic, seit mehreren Monaten von meinem Vorhaben. Aber niemand nahm mit mir Kontakt auf, damit ich die Dopingkontrollen erledigen konnte.

Am 21. Januar wandte sich die Fachkommission für Dopingbekämpfung von Swiss Olympic an den Schweizerischen Triathlon Verband, der mich am nächsten Tag informierte. Sie veröffentlichte sogleich eine Pressemitteilung, in dem sie auf diesen berühmten Artikel 5 hinwies. Seither können wir nicht mehr normal miteinander sprechen. Ich hätte die Sache gerne mit ihnen diskutiert. Deshalb hab ich mir nun auch einen Anwalt genommen.

swissinfo: Bedauern Sie heute, dass Sie Ihre Karriere nach Ihrem Erfolg von Sydney eingestellt haben?

M.D.M.M: Überhaupt nicht! Ich hatte dies schon vor den Spielen beschlossen. Ich hatte mir einen Traum erfüllt. Ich fühlte mich aber nicht ausgebrannt, sondern hatte einfach Lust, etwas anderes zu tun. Ein Gleichgewicht ausserhalb des Sports zu finden, solange ich noch jung genug dazu war.

Der Sieg dieser Medaille wird immer einer der schönsten Momente meines Sportlebens bleiben. Es fällt schwer, die Gefühle eines solchen Augenblicks in Worte zu fassen. Noch drei Jahre danach höre ich die aufgeregte Menge.

swissinfo: Warum beschlossen Sie, wieder Hochleistungssportlerin zu werden? Fehlte Ihnen etwas oder haben Sie das Gleichgewicht ausserhalb des Sportlebens nicht gefunden?

M.D.M.M: Es ist paradox. Der Hochleistungssport ist nicht ein Gleichgewicht als solches, aber ich muss das in meinen Genen haben. In irgendeinem Winkel meines Kopfs stecken immer die Lust und das Bedürfnis, Athletin zu sein.

Im "normalen Leben" hatte ich Mühe, all diese im Sport erlebten Gefühle und Momente zu verarbeiten. Obwohl ich doch weiss, dass ich diesen Schritt eines Tages werde machen müssen.

Aber die normale Arbeitswelt brachte mir nicht, was ich erhoffte. Ich bin überzeugt, dass ich dank dem Sport noch viel erleben kann. Ich gebe mir vier Jahre, bis zu den Olympischen Spielen von Peking.

swissinfo: Wo und wann haben Sie diesen Beschluss gefasst?

M.D.M.M: Im letzten Sommer auf dem Velo! Ich bildete mich für ein Projekt-Management in Lausanne aus und fuhr jeden Tag Rad. Und da hatte ich eine Eingebung. Plötzlich wurde mir klar, dass ich ein Comeback wollte. Danach fühlte ich mich gut. Und hatte nicht mehr den Eindruck, dauernd mit dem Alltag kämpfen zu müssen.

swissinfo: Und jetzt kämpfen Sie wieder.

M.D.M.M : Ja. Ich weiss nicht, was geschehen wird. Es ist eine gerechte Sache, und dafür werde ich kämpfen.

swissinfo: Sie spielen mit der Absicht, im Fall eines Misserfolgs für ein anderes Land anzutreten. Kommt diese Drohung aus Ihrer Verstimmung?

M.D.M.M: Das steht noch nicht zur Diskussion. Vor drei Jahren, nach meiner Medaille, gratulierte mir der Bundespräsident für meine "Verdienste für das Vaterland". Und heute spricht man mir das Recht ab, meinen Sport auszuüben!

Natürlich möchte ich in der Schweiz eine Lösung finden, aber ich schliesse nichts aus. Ich will Triathlon machen, ohne dass man mir Steine in den Weg legt.

Auch wenn mein Trainer Italiener ist, mein Mann binational, und mehrere italienische Sponsoren mich in der Vergangenheit unterstützt haben, habe ich bis heute noch kein konkretes Angebot aus Italien. Auf jeden Fall wäre dies eine sehr persönliche Entscheidung und kein Druckmittel. Dieses hätte wahrscheinlich ohnehin keinen Einfluss auf die Haltung der Verantwortlichen des Schweizer Sports.

swissinfo: Ist es so schwierig, in der Schweiz Berufssportlerin zu sein?

M.D.M.M: Ja, das ist es. Und noch schwieriger wird es, wenn man Erfolg hat. In der Schweiz sind Leute, die das Mittelmass überschreiten, nicht beliebt. Und in der Bundesverfassung steht geschrieben, dass die Schweiz den Wettkampf-Sport nicht unterstützen muss. Das ist schade. Das müsste sich ändern.

Interview swissinfo, Mathias Froidevaux in Château d’Oex
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

Fakten

Die Triathlon-Disziplin besteht aus 1,5 km Schwimmen, 40 km Velofahren und 10 km Laufen.
Magali Di Marco Messmer errang bei den Olympischen Spielen in Sydney 2000 die Bronzemedaille, hinter ihrer Landsfrau Brigitte Mc Mahon und der Australierin Michellie Jones.
Nach diesem Erfolg beendete Di Marco Messmer ihre Karriere als Berufssportlerin.
Drei Jahre später wird ihr Comeback wegen eines vorbeugenden Doping-Reglements von Swiss Olympic, dem Dachverband des Schweizer Sports, verhindert.

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In Kürze

Magali Di Marco Messmer stammt aus La Chaux-de-Fonds. Hier begann ihre Sportkarriere mit Schwimmen. Bis 1992 war sie in der Nationalmannschaft und wurde unter anderem Schweizermeisterin über 400 Meter Lagen.

Nach zwei Jahren Pause kehrte sie 1994 über den Triathlon zum Wettkampf zurück.

1995 wurde sie erstmals Schweizermeisterin (danach noch 1996, 1999 und 2000). Dann nahm sie regelmässig an europäischen und weltweiten Wettspielen in ihrer neuen Disziplin teil.

1999 und 2000 wurde sie europäische Vizemeisterin. Nach ihrer Bronzemedaille an den OS in Sydney beendete sie ihre Karriere.

Nach drei Jahren ‘Ruhestand’ und einer Babypause beschloss die Wahlwaadtländerin (sie lebt heute in Château d’Oex, wo ihr Mann Direktor des Tourismusbüros ist), ihr Comeback zu geben.

Leider verhindert Artikel 5 Absatz 2 des Reglements von Swiss Olympic – in Übereinstimmung mit jenem der Internationalen Antidopingagentur (AMA) – ihre Rückkehr an die Wettkämpfe.

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