Schweizervereine schauen nach Osten und ins Net

Austro-Schweizerinnen aus der Steiermark beim Musizieren: Theres Prutsch-Imhof singt, Andrea Reich, in Aargauer Tracht, spielt Steirisches Accordeon. swissinfo.ch

Die Schweizervereine in Österreich bemühen sich um eine Dachorganisation. Denn ausser den sieben österreichischen, dem liechtensteinischen und slowenischen erhofft man sich slowakische, ungarische und kroatische, die dazu stossen.

Dieser Inhalt wurde am 12. Juni 2010 - 17:32 publiziert

Die Schweizer Vereine in Österreich und Liechtenstein bieten Landsleuten und Schweizer Freunden die Möglichkeit, sich zu treffen und auszutauschen. Doch so ganz nur zur "Amicale" dienen diese Vereine nicht.

Die Delegierten des Auslandschweizerrats (ASR), das "Parlament der Expats", werden vorläufig noch über sie gewählt, Informationen über das Stimmen und Wählen laufen auch über sie, und schliesslich dienen sie auch als Lobby-Forum für viele Bezüge und Kontakte zur Schweiz.

Die diesjährige Delegierten-Tagung der Vereine aus Österreich, Liechtenstein und Slowenien diente darüber hinaus als Stelldichein von auslandschweizerischen Wirtschaftsführern in Österreich. "2010 wollten wir bewusst keine Vereinsprobleme angehen", so der Gastgeber und Präsident des Schweizervereins Tirol, Michael Defner, gegenüber swissinfo.ch.

Zusammen mit Marianne Rudolph-Christen hatte er die Tagung organisiert.

Ärger über die Banken

Aus- und Inlandschweizer machten sich in Igls Gedanken zum Bild der Schweiz im Ausland, zwei Jahre nach Ausbruck der Finanzkrise: Besonders die Banken kommen dabei schlecht weg. Dionys Lehner, Konsul für Oberösterreich und CEO eines Linzer Textilunternehmens mit rund 230 Mio. Franken Umsatz, verspürt eine "heilige Wut im Bauch", wenn er an Schweizer Grossbanken denkt.

Der in der Führung des internationalen Bauberatungs-Unternehmens AT.P sitzende Architekt, Professor und Schweizer Honorarkonsul Christoph Achammer ärgert sich über die Lohnpolitik der Schweizer Banken, die im Vergleich dazu nicht nur seine österreichischen, sondern allgemein seine angestellten Architekten und Bauingenieure als Tieflohnempfänger erscheinen lassen.

"Inlandschweizer" Remo Gysin, Vizepräsident der Auslandschweizer-Organisationen ASO, konstatiert eine "Erschütterung der Schweizer Identität", die, ob in Form des Vertrauensverlustes in den Bundesrat oder von zu wenig transparenter Parteienfinanzierung, immer auch mit dem Verhalten der Banken in Verbindung gebracht werde.

Chancen für die Auslandschweizer

Dass in diesem Inlandschweizer Malaise die Auslandschweizer als willkommene Visitenkarte dienten, die als Botschafter ihres Landes die Wogen glätten, ist nichts Neues. Nur, so die ASR-Delegierte Theres Prutsch-Imhof aus der Steiermark, "können die Auslandschweizer ihre Ansichten nur schwer in die Schweizer Politik einbringen".

Doch die Modernisierungen der Elektronik könnten auch hier eine Änderung bewirken: Das Internet eröffnet den weit verstreuten Auslandschweizern neue Möglichkeiten der Partizipation in der Schweizer Politik und damit auch das Einbringen ihrer Ansichten.

"Langsames Durchsickern"

Ivo Dürr, auch er österreichischer ASR-Delegierter, glaubt zu spüren, dass "das politische Gewicht der Fünften Schweiz im Inland langsam durchzusickern beginnt", nachdem lange genug das folkolorisches Bild des 1.-August-feiernden Rentners im Süden Europas als Klischee herhalten musste.

Die 130'000 im Stimmregister eingetragenen Auslandschweizer hält Dürr für einen grossen Erfolg, nachdem die "erfassten 700'000 Auslandschweizer im Inland lange Zeit kaum politische Beachtung fanden".

Auf mehr Elektronik setzt auch Albert Baumberger, der dritte österreichische ASR-Delegierte. Das müsste aber parallel zum Aufbau einer österreichischen Vereins-Dachorganisation geschehen. Von allen Nachbarländern der Schweiz sei nur Österreich bisher ohne Dach geblieben, "obwohl die ASO in Bern dies wünscht".

Deutschland habe 40, Frankreich 80 und Italien 61 Vereine - alle unter einem jeweiligen nationalen Dach. Österreich mit 7 plus einem Verein sei viel kleiner, und deshalb im ASR seit 2009 nur noch mit drei Sitzen vertreten.

Gäbe es ein gemeinsames Dach zusammen mit Slowenien, Slowakei, Ungarn und weiteren Ländern, würden sich gewiss ein Dutzend oder mehr Schweizervereine darunter vertreten lassen.

Damit käme auch internetmässig ein Dach zustande, so Baumberger. Eine Dach-Homepage würde neben den bestehenden sieben Homepages der Vereine eine gemeinsame und gut verlinkte Informations-Plattform abgeben.

Alexander Künzle, Innsbruck, swissinfo.ch

Situation in Österreich

In den sieben Bundesländern Österreichs gibt es jeweils einen Schweizerverein, und in Wien zusätzliche Vereine.

Diese laden im Turnus zur Delegiertenversammlung ein, die für dieses Jahr am 11. 12. Juni in Igls bei Innsbruck, Bundesland Tirol, stattfand.

Bemühungen um einen Dachverband Österreich und Nachbarländer sind im Gange. Liechtenstein und Slowenien sind mit vollem Stimmrecht bereits dabei, Slowakei ist Gast, erwartet werden möglicherweise Ungarn und Kroatien.

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Schweiz - Österreich

Für Österreich ist die Schweiz das drittwichtigste Importland (4,2%), nach Deutschland (40,6%) und Italien (6,9%).

Bei den österreichischen Exportanteilen liegt Deutschland ebenfalls an der Spitze (29,8%). Die Schweiz folgt nach Italien und den USA an 4. Stelle (3,8%).
(Aussenhandel, erstellt 2009)

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Die Fünfte Schweiz

2009 waren 685'000 (rund 10%) der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland ansässig; die Mehrheit in Ländern der Europäischen Union, 8800 mehr als im Vorjahr.

Die grössten Schweizer Kolonien befinden sich in Frankreich (177'600), Deutschland (75'440), den USA (74'900), Italien (48'600) und Grossbritannien (28'900).

In Österreich lebten 14'200, in der Slowakei 294, in Slowenien 356 und in Liechtenstein 3572 Schweizerinnen und Schweizer.

Die Auslandschweizer würden den viertgrössten Kanton der Schweiz bilden, hinter Zürich, Bern und Waadt.

130'017 Auslandschweizer hatten sich 2009 in einem Stimmregister eingetragen ( 24,6% der gesamten Auslandschweizergemeinde)

In Österreich beträgt diese Quote 26,42%, in der Slowakei 22% und in Slowenien 26%.

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