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Sicherheitslage in Darfur immer noch kritisch

Ausserhalb der Flüchtlingslager ist die Bevölkerung von Darfur immer noch gefährdet.

(Keystone)

In Darfur ist der Schutz der vertriebenen Flüchtlinge vor den bewaffneten Milizen immer noch ungenügend. Dies das Urteil einer Schweizer Delegation nach dem Besuch des sudanesischen Krisengebiets.

Immerhin haben Hilfsorganisationen nun erleichterten Zugang zur Region im Westen Sudans.

Die Delegation des Schweizer Aussenministeriums, der Mitglieder des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) sowie der Diplomat Josef Bucher angehörten, hat die Flüchtlingslager nahe der tschadischen Grenze besucht und mit Regierungsstellen in der Hauptstadt Khartum Gespräche geführt.

Nach ihrer Rückkehr aus dem Sudan äusserten die Mitglieder die Ansicht, dass noch viel zu tun sei. "Es herrscht immer noch eine humanitäre Situation, welche die Welt so nicht akzeptieren kann", sagte Hansjürg Ambühl, Chef der Abteilung Afrika beim SKH.

"Die sudanesische Regierung ist verantwortlich, – gegenüber den Rebellen und der internationalen Gemeinschaft - dass eine politische Lösung gefunden wird", so Ambühl gegenüber swissinfo. Je früher dies geschehe, desto besser.

Hilfsgüter allein genügen nicht

Im Juni hatte bereits die Schweizer Aussenministerin Micheline Calmy-Rey den Sudan besucht. Nach ihrem Besuch betonte sie, dass die Lieferung von Hilfsgütern alleine nicht ausreiche, den Konflikt zwischen den Aufständischen und den von der Regierung unterstützten Milizen zu lösen.

Bei diesen Milizen handelt es sich um arabische Reiterhorden, die so genannten Janjawid, welche von der Regierung mit Waffen versorgt wurden.

Lage verbessert

Die Schweizer Delegation bereiste nun einige Lager mit insgesamt 40'000 Flüchtlingen in der Nähe der Stadt Als Geneina, ungefähr 30 Kilometer von der tschadischen Grenze entfernt.

Die Mission besuchte auch Projekte von Schweizer Nichtregierungs-Organisationen (NGO), die während der letzten sechs Monate in der Gegend Hilfsprogramme aufgebaut haben.

"Die Hilfssituation hat sich stark verbessert, seit wir das letzte Mal hier waren. Aber es leben immer noch viele Menschen in den Lagern. Sie haben keine Perspektive, wann sie in ihre Dörfer zurückkehren können", klagte Ambühl.

Kein Vertrauen

Die Regierung hat in den Dörfern zwar Polizei- und Sicherheitskräfte postiert. Die geflüchteten Bewohner haben jedoch kein Vertrauen zu ihnen. Aus diesem Grund trauen sie sich nicht, die Lager zu verlassen.

"Sie wollen die Lager nicht verlassen, da sie immer wieder von den arabischen Milizen angegriffen werden. Deshalb verändert sich die Situation in den Lagern nicht," sagte Ambühl weiter.

Konflikt-Spezialist

Der Schweizer Delegation gehörte auch Josef Bucher an, Botschafter für Konfliktbearbeitung im EDA. Für ihn hängen die Hoffnungen auf einen Frieden von der Vereinbarung ab, welche die Regierung in Khartum mit den Rebellen im Süden des Landes aushandelt.

Dort, in den Nuba-Bergen, herrscht ein langjähriger Konflikt zwischen Rebellen und Regierung. Eine solche Vereinbarung könnte für die Konfliktparteien in Darfur ein Signal in Richtung Friedensregelung sein, hoffte Bucher.

Friedensverhandlungen für die Nuba-Region werden durch die Union afrikanischer Staaten gefördert. Sie sollen am 23. August in der Hauptstadt Nigerias, Abuja, stattfinden.

Momentan sind in Darfur zwölf Schweizer Experten stationiert. Sie sind für die Vereinten Nationen und für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) tätig.

Schweizer Hilfe

Im laufenden Jahr unterstützt Bern die Hilfsaktionen in Darfur mit insgesamt 10 Mio. Franken. "Die Hilfe wird durch internationale Organisationen oder durch die Schweizer NGO, die wir gerade besucht haben, geleistet," erklärte Ambühl.

"Das Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe stellt Wasser-, Hygiene- und Logistik-Fachleute zur Verfügung. Und dies sowohl in Darfur wie in Tschad."

Der Darfur-Konflikt begann vor rund 18 Monaten, als sich lokale schwarzafrikanische Parteien gegen die arabisch dominierte Regierung des Sudan auflehnten. Sie beklagten, die Bevölkerung in der grossen und trockenen Region bekämfe von der Regierung zu wenig Unterstützung.

Gezielte Vertreibungen

Seither plündern, morden und brandschatzen die arabischen Janjawid-Reitermilizen in der Darfur-Region und treiben die Bevölkerung in die Flucht.

Laut den Vereinten Nationen (UNO) sind bis jetzt rund 50'000 Menschen umgekommen. Mitarbeiter von Hilfswerken kommen jedoch in ihren Befragungen von Flüchtlingen auf weit über 100'000 Opfer.

Mehr als eine Million Menschen wurden gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Die UNO bezeichnete die Ereignisse als "schlimmste humanitäre Krise der Welt".

swissinfo, Robert Brookes
(Übertragen aus dem Englischen: Etienne Strebel)

In Kürze

Mitglieder einer aus Sudan zurückgekehrten Schweizer Mission sagen, die humanitäre Situation in Darfur sei immer noch unannehmbar.

Auch die Sicherheitssituation sei unbefriedigend, obwohl es nun Zugang zu den Flüchtlingslagern gebe.

Die Menschen in Darfur wollen aus Angst vor den bewaffneten arabischen Milizen ihre Lager nicht verlassen.

Die Schweiz unterstützt die humanitäre Hilfe in der Region in diesem Jahr mit 10 Mio. Franken.

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