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Sonnenstaub-Proben trotz Genesis-Absturz intakt

Glück im Unglück: Beim Gensis-Absturz in den Wüstensand wurden nicht alle Sonnenstaub-Proben zerstört.

Wissenschafter der ETH Zürich können aufatmen: Die Sonnenstaub-Proben, welche die Sonde Genesis gesammelt hatte, wurden bei deren Absturz auf die Erde nicht vollständig zerstört.

Die Schweizer Forscher erhoffen sich von der Auswertung Hinweise auf die Entstehung des Sonnensystems.

Am 10. September prallte die amerikanische Sonde Genesis im US-Bundesstaat Utah ungebremst in den Wüsten-Boden. Das war das missglückte Ende der dreijährigen Weltall-Mission, auf der die fliegende Untertasse 32 Millionen Kilometer zurückgelegt hatte.

"Die gute Nachricht ist, dass die Kapsel in den weichen Sand fiel und nicht zerschellt ist", konnte Andrew Dantzler, Abteilungsleiter bei der amerikanischen Weltraumbehörde NASA, nach dem Vorfall die Gemüter beruhigen.

Aufgabe der NASA-Sonde war es, mit Kollektoren winzigste Sonnenstaub-Partikel einzufangen. Diese sollen wichtige Hinweise auf die Entstehung unseres Sonnensystems liefern, also auch auf die Geburt des Planeten Erde.

Optimismus

Zwar sind von den Kollektoren-Plättchen nach dem Crash nur noch Scherben übrig geblieben, doch sollten die darauf enthaltenen Proben noch brauchbar sein, wie sich die NASA und die beteiligten Wissenschafter erhoffen.

"Wir haben Bilder erhalten, auf denen die Platten mit dem eingefangenen Sonnenstaub intakt scheinen", sagt Rainer Wieler gegenüber swissinfo. "Deshalb sind wir sehr optimistisch." Er hoffe, zumindest einen Teil der Analysen vornehmen zu können, so der Professor an der Abteilung für Erdwissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH).

Eingefangen wurden die Sonnenstaub-Partikel auf 200 Kollektoren. Diese 8 bis 10 Zentimeter grössen Plättchen bestehen aus wertvollen Steinen oder einem Mix aus Glas und Metall.

Kleinste Portionen

Die NASA hat nur eines dieser Plättchen für Wieler und seine Equipe reserviert. Er hofft aber, dass den Zürchern noch eine oder zwei weitere Proben überlassen werden.

Für die Auswertung werden die Schweizer Forscher in den nächsten Wochen in die USA reisen, wo sie eine eigens an der ETH entwickelte Mess-Methode anwenden werden.

Der Zwiebel abgeschaut

Dabei werden sich die Zürcher Erdwissenschafter auf die Suche nach Edelgasen wie Helium, Neon, Krypton und Xenon konzentrieren. Im Material, das von der Sonne ausgestossen wird, ist deren Anteil besonders gross.

"Normalerweise schmelzt man die Plättchen bei einer sehr hohen Temperatur ein und analysiert die dabei verdampfenden Gase", erklärt Wieler. Weil aber die einzelnen Bestandteile eines Gases nicht alle mit derselben Geschwindigkeit verdampften, liefere diese Analyse nicht die genaue Zusammensetzung des Gases.

Um diese Ungenauigkeit zu überwinden, entwickelten die Zürcher Forscher ihre eigene Analyse-Methode, bei der die Plättchen wie beim Schälen einer Zwiebel Schicht um Schicht geprüft werden. Dabei handelt es sich um dünnste Schichten, die nur einige Millionstel Millimeter messen.

Praxis-Bewährt

Neu ist dieses Prinzip nicht. Es kam bereits vor mehr als 20 Jahren bei der Analyse von Sonnenwind zum Einsatz, der von Astronauten auf dem Mond eingesammelt worden war. Mit diesen Methoden werden auch Meteoriten auf ihre Zusammensetzung hin analysiert.

Wieler geht davon aus, dass die ersten Resultate im März 2005 an der Lunar and Planetary Conference präsentiert werden, die in Houston stattfinden wird.

swissinfo, Marc-André Miserez
(Übertragung aus dem Französischen: Renat Künzi)

In Kürze

Trotz dem Genesis-Crash vom 10. September gehen die Wissenschafter davon aus, dass die Sonnen-Staub-Proben nicht vollständig zerstört sind und analysiert werden können.

Währen drei Jahren und 32 Mio. Kilometern hat die Sonde Genesis Sonnen-Staub eingesammelt.

Der Staub soll wichtige Informationen liefern über die Entstehung des Sonnensystems.

Eingefangen wurde der Sonnenstaub auf 200 Kollektoren. Die NASA hat einen der Kollektoren für die ETH Zürich reserviert.

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