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Sonnenstürme wenden sich von Erde ab

Polarlichter liessen den Himmel in der Nähe von München Rot und Grün leuchten.

(Keystone)

Die starken Eruptionen auf der Sonne haben in den letzten Tagen für das seltene Phänomen von Nordlichtern gesorgt, auch am Schweizer Nachthimmel.

Nach einer erneuten Eruption am Dienstag sind am Mittwoch und Donnerstag möglicherweise weitere Polarlichter zu sehen.

Die Polarlichter, die sich in der vergangenen Woche auch am Schweizer Nachthimmel zeigten, sorgten bei Menschen und Medien für grosses Aufsehen. Von einer "Wahnsinns-Lichtshow" war beispielsweise die Rede. Zahlreiche Menschen in Europa und den USA berichteten von "seltsamen Himmels-Phänomenen" und "obskuren Leuchtgestalten" am Himmel.

Nach einer neuerlichen starken Eruption auf der Sonne vom Dienstag gehen die Experten der US-Behörde über Atmosphären-Forschung NOAA davon aus, dass am Mittwoch und Donnerstag weitere Polarlichter am Nachthimmel zu sehen sein könnten.

Nordlichter, so genannte Auroras, haben die Menschen seit je her fasziniert. So machen die am Nachthimmel umherwogenden Licht-Wellen, wie von Zauberhand geführt, einen grossen Teil der Anziehungskraft der nordischen Länder auf Touristen aus.

Seit langem bekannt

"Schon die Chinesen beobachteten auf der Sonne Sonnenflecken", sagt Andreas Magun, Leiter der "Sonnengruppe" am Institut für angewandte Physik der Universität Bern gegenüber swissinfo. Sonnenflecken seien dunkle Gebiete, in denen starke Magnetfelder aus der Sonnenoberfläche in die Sonnenatmosphäre heraustreten."

"Die Magnetfeld-Linien werden dort als Folge von rotierenden Gasbewegungen wie Gummibänder verdrillt", veranschaulicht Magun. Bei der Eruption werde dann die so gespeicherte magnetische Energie freigesetzt, und es kommt bei besonders energiereichen Eruptionen zu einem Massenauswurf, in der Fachsprache "Coronal Mass Ejection" (CME) genannt.

Strahlung mit Lichtgeschwindigkeit

Zudem würden geladene Teilchen, Protonen und Elektronen, auf nahezu Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und intensive Röntgen- und Gammastrahlung in der Sonnen-Atmosphäre erzeugt. Letztere erreiche die Erde nach rund 8 Minuten, so Magun weiter. Die starke Strahlung werde dabei von der Erdatmosphäre abgefangen. Für Mensch und Tier besteht deshalb bei Sonnenstürmen kein gesundheitliches Risiko. Astronauten und Passagiere von Überschallflugzeugen ausserhalb der Erdatmosphäre sind dagegen grossen Strahlenrisiken ausgesetzt.

Die Nordlichter werden laut dem Berner Wissenschafter deshalb am Himmel sichtbar, weil sich durch den eintretenden Massenauswurf das gesamte Magnetfeld der Erde schockartig ändert. Die Auroras würden mit einer Verzögerung von einigen Tagen sichtbar, da sich der Massenauswurf, verglichen mit der Lichtgeschwindigkeit, "nur" mit einigen tausend Kilometern pro Sekunde auf die Erdatmosphäre zu bewege.

Forschung auf dem Jungfraujoch

Verschiedene Forschungsgruppen der Universität Bern beobachteten die Sonnen-Eruptionen der vergangenen Tagen aufmerksam. In Bern und auf dem Gornergrat im Wallis hätten Forscher des Instituts für Angewandte Physik (IAP) die äusserst starken Ausbrüche von hochfrequenter Radiostrahlung festgestellt.

Zeitgleich registrierten Wissenschaftler auf dem Jungfraujoch den Einfall hochenergetischer solarer Teilchen. Zudem wurde eine von der Sonnen-Eruption ausgelöste Schockwelle beobachtet. Sie äusserte sich in einer dramatischen Reduktion der kosmischen Strahlungsintensität.

Die Auswertung der erhobenen Messdaten werde dazu beitragen, fundamentale Prozesse auf der Sonne besser zu verstehen, hoffen die Wissenschafter.

"Sonnenwetter" in Holz und Eis verfolgen

Magun spricht von den eruptiven Vorgängen auf der Sonne als "Sonnengewitter", die sich in einem Zyklus von 11 Jahren häufen. "Momentan befindet sich die Sonne in einer abfallenden Phase", so der Forscher. Verfolgen lasse sich dieser Rhythmus von den Wissenschaften an der Häufigkeit bestimmter Atome im Grönland-Eis und in den Jahresringen von Bäumen.

swissinfo, Renat Künzi

Fakten

Sonnenflecken sind Störungen der Sonnenatmosphäre.
Starke Magnetfelder hindern dort heisse Gase am Austreten.
Es kann aber zu starken Ausbrüchen kommen, so genannten Sonnenstürmen.
Die Flecken wandern mit der Rotation der Sonne.
Ihre Lebensdauer beträgt zwischen wenigen (kleinere) und rund 100 Tagen (grössere Flecken).

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In Kürze

Nordlichter (Auroras) entstehen, wenn Plasma aus Massenauswürfen auf der Sonne das Erdmagnetfeld erreichen und dieses verändern.

Die Tätigkeit der Sonne ("Sonnenwetter") spielt sich in einem Zyklus von 11 Jahren ab.

Sie lässt sich an der chemischen Häufigkeit bestimmter Atome nachverfolgen, z. B. in den Jahrringen von Bäumen und in Gletscher-Eis.

Am 28. Oktober 2003 kam es zur drittstärksten je auf der Sonne registrierten Eruption.

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