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Spenden-Appell zum Schluss der Aids-Konferenz

Die sechstägige Aids-Konferenz in Bangkok ging am Freitag zu Ende.

(Keystone)

Die 15. Welt-Aids-Konferenz hat in Bangkok mit dem dringlichen Aufruf an die Staatengemeinschaft geendet, mehr Geld gegen die Immunschwäche-Krankheit einzusetzen.

Roger Staub, Programmleiter Aids im Bundesamt für Gesundheit, wertet die Konferenz als Wendepunkt im Kampf gegen Aids.

Mehr anti-retrovirale Medikamente für die Millionen von HIV-Infizierten in den Entwicklungsländern: Dies war die Zielsetzung der 15. internationalen Aids-Konferenz in der thailändischen Hauptstadt. Die Tagung ging am Freitag nach sechs Tagen zu Ende.

Gesamthaft sind laut Schätzungen 38 Mio. Menschen mit dem HI-Virus infiziert, allein 25 Mio. davon im südlich der Sahara gelegenen Afrika.

Nelson Mandela, der ehemalige Präsident Südafrikas, rief die internationale Gemeinschaft auf, den gegenüber dem Global Aids Fonds der UNO gemachten finanziellen Zusagen nun Taten folgen zu lassen.

Der Global Aids Fonds hat zum Ziel, die Anstrengungen im Kampf gegen HIV und Aids weltweit zu bündeln.

Roger Staub, der die Schweizer Delegation in Bangkok anführte, gab den Spenden-Appell weiter an die Schweizer Wirtschaft. Diese solle mehr Gelder bereitstellen, um die globale Aids-Epidemie unter Kontrolle zu bringen, so seine Forderung.

swissinfo: War die Welt-Aids-Konferenz mehr als ein Debattier-Klub?

Roger Staub: Die Schweizer Delegation hat stark den Eindruck, dass die Konferenz in einigen Jahren als Wendepunkt im Kampf gegen die Aids-Epidemie betrachtet werden wird.

Sehr beeindruckend war, wie Politiker, Wissenschafter, Aktivisten und Menschen, die mit der Krankheit leben, in Bangkok zusammenkamen. Ich habe wirklich den Eindruck, dass die Welt endlich aufgewacht ist und realisiert, dass sie sich der grössten humanitären Krise stellen muss, welche die Menschheit je gesehen hat.

swissinfo: Sie sprachen von einem Wendepunkt. Hat es im öffentlichen Bewusstsein diesen Wandel aber wirklich gegeben?

R.S.: Ich denke schon. Vor 20 Jahren riefen wir zum Kampf gegen Aids in Afrika und den Entwicklungsländern auf und begannen mit Aktionen vor Ort. Dieser Ruf aber verhallte ungehört, und wir alle wissen, was in diesen zwei Dekaden seither passiert ist.

Jetzt stehen viele Länder in Asien und Osteuropa am selben Punkt wie Afrika vor 20 Jahren. Im Gegensatz zu damals wird sich jetzt aber niemand zurücklehnen und die Arme verschränken, denn man weiss nun, welch ein Desaster das zur Folge hat.

swissinfo: Sind die Industrienationen nach dieser Konferenz bereit, mehr Gelder in die Anti-Aids-Kampagnen in Afrika und der übrigen Welt zu stecken?

R.S.: Der globale Anti-Aids-Fonds der UNO benötigt für das nächste Jahr 5 Mrd. Franken, und wir hörten diese Woche, dass sich Länder, darunter die USA und Kanada, zu namhaften Summen verpflichten, damit dieses Budgetziel erreicht werden kann.

Ich hoffe sehr, dass der Aufruf auch von der Schweizer Industrie und von den Schweizer Banken gehört werden wird. Denn wir haben Glück, wir sind ein reiches Land und können so Aids einfacher kontrollieren.

Wir kehren mit der Botschaft von der Konferenz zurück, dass die Welt auch von der Schweiz einen Beitrag erwartet. Wir können nicht einfach unseren Reichtum geniessen und glücklich sein, dass Aids bei uns nicht wirklich ein grosses Problem ist.

swissinfo: Gab es Länder, welche sich an der Konferenz für die Präventions-Kampagnen der Schweiz interessiert haben?

R.S.: Ja, die Schweiz wird seit Jahren als Modellfall angesehen. Wir wurden von Vertretern einer Reihe von Ländern über unsere Projekte befragt. So über die Stop-Aids-Kampagne und das Spritzenaustausch-Programm.

swissinfo: Welche Botschaft werden die 20'000 Delegierten von der Konferenz in ihre Heimatländer mitnehmen?

R.S.: Alle hier haben realisiert, dass der Kampf gegen die Aids-Epidemie absolut notwendig ist. Die Frage ist aber, ob wir die Regierungen, Nichtregierungs-Organisationen und privaten Organisationen davon überzeugen können. Das als Voraussetzung, dass sie jetzt handeln.

Die Schweizer Delegation ist entschlossen, nach der Rückkehr alles zu tun, diejenigen vom Kampf gegen die Krankheit zu überzeugen, die uns dabei helfen können.

swissinfo-interview: Ramsey Zarifeh
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

Die sechstägige Internationale Aids-Konferenz in Bangkok fand zum 15. Mal statt.
Teilnehmer waren rund 20'000 Politiker, Aktivisten, Wissenschafter und Betroffene aus aller Welt.
Die nächste Konferenz findet 2006 in Kanada statt.

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