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Spitzenmanager: Frauen lernen alleine besser

Weibliche Führungskräfte denken anders - das IMD in Lausanne bildet sie weiter. Keystone

Eine der führenden Management-Schulen organisiert Kurse, die ausschliesslich Frauen vorbehalten sind. Die Resultate werden sehr positiv beurteilt.

Dieser Inhalt wurde am 04. Februar 2005 - 11:38 publiziert

Die Kurse sind im Interesse der Frauen, aber auch der Unternehmen.

Das International Institute for managment development (IMD) in Lausanne ist sicherlich nicht für seinen hohen Frauenanteil unter den Studierenden bekannt. Auch am IMD sind Frauen eine Minderheit. Dies spiegelt die Realität der Arbeitswelt. Frauen in Führungspositionen im Management sind nach wie vor eine Ausnahme.

Diese Situation sei nicht nur ein Nachteil für die Frauen, sondern für die ganze Wirtschaft, ist Martha Maznewski überzeugt. Die kanadische Professorin unterrichtet in den USA und am IMD, wo sie den ersten Frauenkurs leitete.

swissinfo: Jahrelang wurde die Gleichberechtigung für Frauen und Männer gefordert. Mit Ihrem ausschliesslich Frauen vorbehaltenden Kurs ändern Sie die Stossrichtung. Der Unterschied der Geschlechter wird wieder unterstrichen. Warum?

Martha Masznewski: Wir leben in einer Welt, in der Männern und Frauen zwar die gleiche Wertigkeit zugeschrieben wird, aber für unterschiedliche Dinge. In der Businesswelt sind nur 20% der Führungspositionen von Frauen besetzt.

In den ganz oberen Etagen schwindet der Anteil auf 5%. Wenn es im Business wirklich Gleichberechtigung gäbe, müssten die Anteile zu jeweils 50% aufgeteilt sein.

Obwohl sich die Gesellschaft stark gewandelt hat, sind die Frauenanteile im Topmanagment seit 20 Jahren unverändert geblieben. Deshalb handelten wir.

swissinfo: Welche geschlechtsspezifischen Unterschiede gibt es denn bei Ihren Kursen?

M.M. Wir kennen dank wissenschaftlicher Studien zwei Hauptunterschiede zwischen Mann und Frau. Der erste Unterschied betrifft die Denkweisen. Männer verfolgen ein lineares, zielgerichtetes Denken; sie gehen von einem Punkt A zum Punkt B. Die Frauen verfügen hingegen über ein "paralleles Denken", sie können mehrere Dinge gleichzeitig machen.

Der zweite Unterschied betrifft die Arbeitsweisen in Betrieben. Männer bevorzugen vertikale, streng hierarchische Strukturen. Frauen bevorzugen hingegen Teamentscheidungen.

Ich will aber unterstreichen: Eine Weise ist nicht besser als die andere. Gerade in Betrieben braucht es eigentlich beide Verhaltens- und Denkarten.

swissinfo: Wie unterscheiden sich Frauenkurse von Kursen, die Männern und Frauen offen stehen?

M.M. Die Gruppendynamik ist vollkommen verschieden. Wenn Frauen eine Minderheit in einer Männergruppe darstellen, verändert sich ihre Art des Lernens und Begreifens.

Aus dieser Minderheitenposition heraus erwächst ein Phänomen, das man "tokenism" nennt. Eine Frau hat das Gefühl, immer zugleich auch alle anderen Frauen zu repräsentieren. Folglich hat sie mehr Angst, ihre Gefühle zu äussern, oder befürchtet, "dumme Dinge" zu sagen.

Die Mehrheit, das heisst die Männer, haben ihrerseits den Hang, eher die Schwächen als die Stärken der Minderheit zu sehen. Die Individuen werden nicht als solche wahr genommen, sondern als Vertreter ihrer Gruppe. Und so steigt der Erwartungsdruck.

Am IMD haben wir festgestellt, dass Frauen in gemischten Gruppen nicht die Fragen stellen, die sie gerne stellen würden, und sich nicht so verhalten, wie sie es als Individuen gerne tun würden. In einer reinen Frauengruppe ändern sich diese Verhaltensweisen. Frauen können sich selber sein.

swissinfo: Hatten Sie Probleme, Unternehmungen davon zu überzeugen, ihre Managerinnen an Frauenkurse zu senden?

M.M. Überhaupt nicht. Die Unternehmen hatten keine Mühe. Eher die Frauen. Sie hatten den Eindruck, dass man sie verändern oder umpolen wollte.

Die Topmanager haben durchaus verstanden, dass in Unternehmungen verschiedene Rollen nötig sind, und dass Strukturen, die auf rein maskulinen Modellen fussen, verändert werden müssen. Im übrigen gibt es Studien, die aufzeigen, dass Unternehmungen bessere Resultate erzielen, wenn mehr Frauen Führungspositionen besetzen.

Probleme und Widerstand gibt es am häufigsten im mittleren Kader. Dort sieht man nicht ein, dass etwas verändert werden soll. Es heisst häufig: "Mit der jetzigen Struktur haben wir viel erreicht, warum sollen wir sie verändern?"

swissinfo: Das IMD hat den ersten Managementkurs für Frauen durchgeführt. Wie waren Ihre Erfahrungen?

M.M. Sehr positiv. Die Energie während des Unterrichts war unglaublich intensiv. Am letzten Tag haben die Teilnehmerinnen erzählt, dass sie noch nie soviel Unterschiedlichkeit in einem Raum gespürt haben. Der Kurs veränderte ihre Art, sich selbst zu sehen. Sie haben sich als starke Individuen erlebt.

Normalerweise gehen die Leute nach einem Kurs nach Hause, schreiben sich noch einige Mails, und dann ist die Angelegenheit zu Ende. Bei uns war dies anders: Noch drei Monate nach Ende des Kurses gibt es einen intensiven Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmerinnen. Sie schreiben sich und wollen erfahren, wie das Gelernte in Beruf und Privatleben umgesetzt wird.

Interview: Doris Lucini
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Fakten

Oktober 2004: 39 Managerinnen nehmen am ersten Kurs des IMD teil, der ausschliesslich Frauen offen steht: "Strategische Führungsaufgaben für Frauen".

Eine Studie zeigt auf, dass sich ein hoher Frauenanteil in Leitungspositionen positiv auf die Rentabilität eines Unternehmens auswirkt. Die Effizienz steigt um 35%.

20% beträgt der Frauenanteil im Kader.

5% beträgt der Frauenanteil im Topmanagment.

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In Kürze

Das Internationale Institute for management development in Lausanne, (IMD) wurde 1990 gegründet.

Es ging aus der Fusion der beiden Betriebsschulen von Alcan und Nestlé hervor.

Das IMD gehört zu den renommiertesten Management-Schulen auf der Welt. Im Ranking der "Financial Times" erreicht es in Europa den ersten Platz, weltweit landet es auf Platz vier.

Pro Jahr machen zirka 90 Studenten ihren Abschluss als Master of Business Administration (MBA).

Insgesamt zählt die Schule bisher 50'000 Absolventen, darunter aber nur 700 Frauen.

5550 Manager aus 70 Ländern nehmen jedes Jahr an den diversen Weiterbildungskursen teil.

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