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Streiken statt Fechten

Für die Schweizerin Gianna Hablützel-Bürki ist der Streik ein Zeichen ihrer Solidarität mit den Ausgelosten.

(Keystone Archive)

Die Fechterinnen haben das Degen-Weltcupturnier in Zürich wegen eines Los- Entscheides des internationalen Verbandes boykottiert.

Eine deutliche Mehrheit der noch im Wettbewerb verbliebenen Athletinnen wollte nicht zur Final-Runde der besten 64 antreten.

Das technische Direktorium des Weltcupturniers entschied sich dann zur Absage, obschon immerhin noch sieben Chinesinnen und drei weitere Fechterinnen aus dem verbleibenden 64er-Tableau (darunter die Schweizerin Diana Romagnoli) antreten wollten.

Nicht gegen Zürich

Die streikenden Fechterinnen betonten, dass sich ihr Entscheid nicht gegen den Veranstalter der 14. Challenge de Zurich richte. Verursacher des Streiks sei vielmehr der internationale Fecht-Verband.

Dieser hatte im Rahmen der Junioren-Weltmeisterschaften im türkischen Antalya mittels Los-Entscheid die Teamwettbewerbe im Frauenflorett und Männersäbel aus dem Olympia-Programm gestrichen, um Platz für die Olympia-Aufnahme des Frauensäbels zu schaffen.

Vor Zürich waren aus demselben Grund bereits die Finaltage der Weltcupturniere von Padova (Männersäbel) sowie Paris (Florett-Einzel Frauen und Männer-Florett der Mannschaften) von den Athleten bestreikt worden.

Am nächsten Mittwoch soll eine Sitzung zwischen Athletenvertretern, dem internationalen Fechtverband und dem Internationalen Komitee (IOC) in Lausanne eine Annäherung bringen.

Solidarität mit den Ausgelosten

Laut IOC-Richtlinie darf die maximale Anzahl der olympischen Fecht-Teilnehmer 200 Athleten nicht überschreiten. "Das Los hätte genau so gut das Degenfechten der Männer und Frauen treffen können. Und dann gäbe es das Fechten auf Spitzenniveau in der Schweiz überhaupt nicht mehr. Deshalb streiken wir in Zürich zum Zeichen der Solidarität", sagte die Schweizer Spitzen-Fechterin Gianna Hablützel-Bürki.

Im Januar hatte sich am Kongress des internationalen Verbandes in Havanna (Kuba) noch die Mehrheit der Verbände (41:33) für eine Einführung von Mixed-Teamwettbewerben ausgesprochen, um die olympische Aufnahme des Frauensäbels zu ermöglichen.

Der Schweizer Fecht-Nationalcoach Rolf Kalich meint dezidiert: "FIE-Präsident René Roch ist mit dem Frauensäbel konzeptlos vorgeprellt. Es fragt sich, welche 41 Nationen in Havanna für die Olympia-Aufnahme des Frauensäbels gestimmt haben oder mit welchen Versprechungen sie geködert wurden?"

Noch nicht Olympia-reif?

Am Mittwoch in Lausanne wird Gianna Hablützel-Bürki unter anderen zusammen mit der Atlanta-Doppel-Olympiasiegerin und mehrfachen Degen-Weltmeisterin Laura Flessel (Fr) die Athleten-Anliegen vertreten.

"Eine Mehrheit der Athleten ist dafür, dass der Entscheid für die Aufnahme des Frauensäbels wieder rückgängig gemacht werden soll. Denn diese Disziplin ist sportlich noch nicht Olympia-reif", betont Hablützel-Bürki.

Tatsächlich hat der Frauensäbel bislang erst dreimal im Fecht-WM-Programm figuriert und dabei stets mit Abstand am wenigsten Teilnehmerinnen angezogen (jeweils unter 50). Das von Beginn an auf mehr Resonanz stossende Degenfechten der Frauen gab 1989 das WM-Debüt, konnte aber dennoch erst nach sieben Weltmeisterschaften im Jahre 1996 in Atlanta seine Olympia-Premiere feiern.

swissinfo und Richard Stoffel (Si)

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