Südschweiz trocknet aus

Löschhelikopter im Einsatz. Keystone

Waldbrände, Fischsterben und Absenkung des Lago Maggiore: Die anhaltende Trockenheit setzt den Gebieten südlich der Alpen arg zu.

Dieser Inhalt wurde am 04. Januar 2002 - 14:43 publiziert

In den letzten Tagen und Wochen gab es in der Südschweiz verschiedene Brände. Allein im Kanton Tessin seien bisher über 50 Hektaren Wald- und Weideflächen dem Feuer zum Opfer gefallen, sagte Kantonsförster Marco Franzi.

Der endgültige Schaden werde sich aber erst im Frühjahr feststellen lassen. Dann würden die abgestorbenen Bäume, vorwiegend Lärchen, sichtbar. Die Behörden befürchten, dass es in den abgebrannten Zonen im Frühling bei heftigen Regenfällen zu Erdrutschen kommen könnte.

Mehrere Waldbrände

Der in der Silvesternacht ausgebrochene Waldbrand oberhalb von Lodrino bei Bellinzona konnte am Freitag gelöscht werden. Zwei Dutzend Feuerwehrleute und vier Helikopter hatten vier Tage lang ununterbrochen gegen die Flammen gekämpft.

Vier deutsche Touristen, die in einer Berghütte auf der 1600 Meter hoch gelegenen Alpe d'Alva Silvester feierten, hatten den Waldbrand in der Nacht auf den 1.Januar durch ein nicht richtig gelöschtes bengalisches Zündholz ausgelöst.

Für sie kommt der Brand voraussichtlich teuer zu stehen. Ein Polizeisprecher schätzt, dass allein der Einsatz der Löschkräfte "Kosten in Millionenhöhe" verursacht hat. Zahlen müssen wohl die Versicherungen. Die vier Deutschen durften den Polizeiposten erst verlassen, nachdem sie eine Kaution hinterlegt hatten

Auch der durch einen Heissluftballon ausgelöste Flächenbrand im bündnerischen Maloja konnte gelöscht werden. Die dortige Brandfläche beträgt rund anderthalb Hektaren.

Zugefrorene Bäche verursachen Fischsterben

Der Wasserspiegel des Lago Maggiore nähert sich dem historischen Rekordtiefstand von 1956. Derzeit liegt der See 192,82 Meter ü.M. Beim Minusrekord vor 46 Jahren betrug er 192,38 m ü.M.

Die Wasserknappheit beeinträchtigt auch die Schifffahrt. Die Fähren auf der italienischen Seite des Sees zwischen Verbania und Laveno können mittlerweile keine Fahrzeuge mit einem Gewicht von über zehn Tonnen mehr transportieren.

Die Trockenheit führte zu einem Fischsterben grösseren Stils: Im Lago d'Origlio bei Lugano seien Hunderte von Fischen an Sauerstoffmangel gestorben, weil kaum mehr frisches Wasser in den See gelange, berichtete das Regionalfernsehen des Kantons Tessin.

Weiterhin grosse Waldbrandgefahr

Waldbrände haben unterschiedlichste Ursachen. Gemäss der jüngsten Statistik des eidgenössischen Forstamtes wurden zwischen 1990 und 2000 rund 17 Prozent der Brände mutwillig und 24,3 Prozent durch Nachlässigkeit ausgelöst. Bei 35 Prozent sei die Brandursache unbekannt, 15 bis 17 Prozent entstünden durch Blitzschlag.

Trockenheit begünstigt Waldbrände jedoch allemal. Und die ist auf der Alpensüdseite bis auf weiteres gegeben. Gemäss Giovanni Kappenberger von der MeteoSchweiz gab es auf der Alpensüdseite seit 52 Tagen keine und seit 75 Tagen keine nennenswerten Niederschläge mehr. Das sonnige und trockene Wetter wird laut Prognose noch mindestens bis Mitte nächster Woche anhalten.

Die bisher längste Trockenperiode fand im 1988 statt. Damals hatte es 77 Tage lang nicht mehr geregnet.

Im Tessin sind 51 Prozent des Bodens mit Wäldern bedeckt. Die letzten grossen Waldbrände wüteten im April 1997.

swissinfo und Agenturen

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