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Swissair-Prozess: Mario Corti vor den Richtern

Mario Corti, der letzte Swissair-Chef, hat in Bülach nicht geschwiegen.

(Keystone)

Am Montag ist erstmals Mario Corti, ex-CEO und Verwaltungsrats-Präsident der Swissair, zu Wort gekommen. Er hat den Spiess umgekehrt und bissige Kritik an der Anklageschrift geübt.

Der gleichentags befragte ehemalige Finanzchef Georges Schorderet verweigerte die Aussage und bezeichnete das Swissair-Grounding als Tragödie.

Corti war bisher der erst zweite Angeklagte, der im Swissair-Prozess ausgesagt hat. Neben Corti hat von den neun Beschuldigten, die bisher vor Gericht erschienen waren, einzig der ehemalige Verwaltungsrat Thomas Schmidheiny die Fragen des Richters beantwortet.

Corti und Schorderet wiesen am Montag die Vorwürfe der Anklage entschieden zurück. Sie seien "nicht schuldig" erklärten beide.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen wie den damaligen Verwaltungsräten im Zuge der Restrukturierung der SAir-Group-Tochter SAirLines Gläubigerschädigung und ungetreue Geschäftsführung vor.

Endlich

"Nach vier Jahren habe ich nun endlich, endlich die Gelegenheit, mich öffentlich zu äussern", sagte der letzte Swissair-Chef vor laufender TV-Kamera.

Die über 400 Prozessbesucher in der zum Gerichtssaal umfunktionierten Stadthalle Bülach erlebten einen Corti, der keinen guten Faden an der Anklage liess und die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich mit zunehmender Dauer der Befragung immer schärfer und unwirscher kritisierte.

Corti, der im März 2001 das Verwaltungsratspräsidium und die Konzernleitung der SAirGroup übernommen hatte, verteidigte die damals beschlossene Umstrukturierung vehement.

Die vorgeworfene Scheinsanierung der SAir-Group-Tochter SAirLines sei eine schlimme Unterstellung, sagte Corti, der dieses Jahr 61 Jahre alt wird und sich nach Boston in die USA zurückgezogen hat. "Das war ein reiner Buchungsvorgang", sagte Corti.

Dass die SAirLines schon im März 2001 die Bilanz hätte deponieren sollen, bezeichnete Corti als "lebensfremd" und als eine "wahnwitzige Vorstellung".

In diesem Falle wäre es zu einem Kollaps der Flugbetriebe und damit schon damals zu einem Grounding der Swissair gekommen. "Es wäre hirnwütig gewesen, diese SAirLines sich selbst zu überlassen", sagte Corti.

Familie abgesichert

Keine Auskünfte gab Corti dagegen zum Anklagepunkt der Zahlungen an die Sabena, wo ihm ungetreue Geschäftsbesorgung vorgeworfen wird: Dies, weil in dieser Sache noch ein Zivilprozess ausstehend sei. Zudem weigerte er sich, die Fragen der Staatsanwaltschaft zu beantworten.

Der frühere Nestlé-Finanzchef Corti war seit April 2000 Verwaltungsrat der SAirGroup und hatte nach der Ablösung von Eric Honegger am 15. März 2001 dessen Aufgaben als vollamtlicher Präsident und Delegierter des Verwaltungsrats übernommen.

Corti, der im fatalen Jahr 2001 innerhalb von sechs Monaten vom "Super-Mario" zum Buhmann wurde, wurde eingangs auch zu vorab kassierten 12 Mio. Franken befragt. Der Vorausbezug sei eine Absicherung für seine Familie gewesen für den Fall, dass ihm in dieser Zeit etwas zustosse. "Niemand konnte ahnen - ich sicher am wenigsten - was dann später passiert ist", sagte Corti.

Tragödie

Der frühere SAirGroup-Finanzchef Georges Schorderet hat im Prozess keine Fragen zu den erörterten Anklagepunkten beantwortet.

Er ist im Zusammenhang mit dem Niedergang des SAirGroup-Konzerns wegen
Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung, mehrfacher
ungetreuer Geschäftsbesorgung und mehrfacher Urkundenfälschung
angeklagt.

In einer Erklärung bezeichnete er sich "nicht schuldig". Die Vorwürfe der
Staatsanwaltschaft seien absurd und gänzlich unbegründet. Auch für
ihn sei das Grounding eine grosse Tragödie gewesen, sagte Schorderet.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Der Prozess findet vom 16. Januar bis am 9. März vor dem Bezirksgericht Bülach statt.

Die Verhandlungen in der 1500 Personen fassenden Stadthalle Bülach sind öffentlich.

Die Einvernahme der 19 Angeschuldigten ist bis am 5. Februar vorgesehen.

Ab 15. Februar folgen die Anklage der Staatsanwaltschaft und die Plädoyers der Verteidigung.

Die Anklageschrift umfasst 100 Seiten. Die Akten füllen 4150 Aktenordner.

Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat in 40'000 Arbeitsstunden mehr als 300 Personen einvernommen und 20 Haus-Durchsuchungen veranlasst.

Eine erste Version der Anklageschrift vom 30. März 2006 hat das Gericht wegen Mängeln zurückgewiesen. Die überarbeitete Anklageschrift liegt seit dem 31. Dezember 2006 vor.

Zurzeit bereitet die Staatsanwaltschaft eine weitere, zivilrechtliche Anklageschrift vor.

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