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Swissmetal-Streik in Reconvilier aufgeschoben

Im Werk von Reconvilier wird bald wieder gearbeitet. Keystone

Der Streik im Swissmetal-Werk im Berner Jura soll vorläufig abgebrochen werden, die Streikenden stimmten den Bedingungen für eine Mediation zu.

Dieser Inhalt wurde am 23. Februar 2006 - 17:20 publiziert

Nach 30 aufeinander folgenden Streiktagen soll die Arbeit im Werk Boillat am Montag mindestens für die Dauer der Verhandlungen wieder aufgenommen werden.

Laut Bruno Schmucki, Sprecher der Gewerkschaft Unia, stimmten 138 Arbeitende dafür, 63 waren dagegen, sechs hatten leer eingelegt. Die Belegschaft wies jedoch auf ihrer eigenen Website (Blog) darauf hin, dass sich rund 100 Personen geweigert hatten, an der Abstimmung teilzunehmen.

Die Verhandlungen werden voraussichtlich am Montag beginnen. Ist dies der Fall, werden die Beschäftigten in Reconvilier ihre Arbeit für die Dauer der Gespräche wieder aufnehmen.

Gleichzeitig werden gemäss dem Vorschlag sowohl die ausgesprochenen als auch die angedrohten Kündigungen sistiert. Davon ausgenommen sind die Kündigungen der 21 Kader. Dieser Fall wird in den Mediations-Gesprächen aber vordringlich behandelt.

Präzisierungen verlangt

Am Mittwoch hatten sich die Beschäftigten mit dem Vermittlungsvorschlag von Mediator Rolf Bloch zwar als "gesamthaft" einverstanden erklärt. Sie forderten aber "in einem wichtigen Punkt" eine Präzisierung. Zu einer Abstimmung war es nicht gekommen, der Streik wurde fortgesetzt.

Bei dem strittigen Punkt ging es "um die Frage, wie die Firma in der Phase der Mediation geführt wird", sagte Unia-Sprecher Nico Lutz. "Das musste präzisiert werden." Dazu hatten sich am Donnerstagmorgen Vertreter der Personalkommissionen und der Unia mit Bloch getroffen.

Über den Inhalt der Gespräche machte Lutz keine Angaben. An der Betriebsversammlung am Nachmittag informierten die Betriebskommissionen die Belegschaft und beantragten Zustimmung zur Mediation. Danach wurde in einer angespannten Stimmung diskutiert und abgestimmt.

Unia begrüsst

Die Unia begrüsste den Entscheid. Damit sei der Weg für Verhandlungen "endlich offen", hiess es. Vom Swissmetal-Verwaltungsrat erwarte Unia, dass er "endlich verbindlich und konstruktiv an einer Lösung mitarbeitet und auf weitere Provokationen verzichtet".

Der Streik ist damit noch nicht definitiv zu Ende. Die Beilegung des Arbeitskonflikts hängt vom Erfolg der Verhandlungen zwischen der Direktion und den Streikenden in der nun anstehenden Mediation ab.

Bloch: Höchste Zeit

Für einen Entscheid war es nach Ansicht von Bloch höchste Zeit. Falls es nicht möglich gewesen wäre, die Gespräche aufzunehmen, "hätten wir die Früchte der Mediation verloren", sagte der von Bundesrat Joseph Deiss vorgeschlagene Vermittler dem Westschweizer Radio RSR.

Zum erwarteten Resultat der Verhandlungen äusserte sich Bloch nicht. Der ehemalige Industrielle sagte, er wolle die Rolle des Katalysators in dem Prozess einnehmen.

Swissmetal-Verwaltungsrats-Präsident Friedrich Sauerländer zeigte sich seinerseits erfreut über die Aufstellung eines Vermittlungs-Protokolls mit Punkten, die angesprochen werden sollen. "Es geht darum, zu erklären und zu diskutieren", mit dem Personal und der Unia.

Zum Streitpunkt der Wiederbeschäftigung von 21 per sofort entlassenen Kaderleuten wollte sich Sauerländer nicht äussern. Dies seien Themen der Gespräche, sagte der Verwaltunsrats-Präsident.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Am 16. November 2004 streikten erstmals 400 Angestellte und Führungskräfte der Swissmetal in Reconvilier.
Sie protestierten gegen die Entlassung des Direktors des Standorts, der Streik dauerte damals 10 Tage.
Am 25. Januar 2006 traten die Arbeiter erneut in Streik.
Am 20. Streiktag hatte die Firmenleitung dem Grossteil der Kader-Angestellten in Reconvilier gekündigt.

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In Kürze

Mit 30 aufeinander folgenden Tagen ist der Streik in Reconvilier einer der längsten in einer Schweizer Firma in den letzten 10 Jahren.

Bei der Filtrona im waadtländischen Crissier hatten die Angestellten während fast zwei Monaten bis zum 26. Januar 2005 gestreikt, allerdings mit Unterbrüchen. Das Werk schloss fünf Monate später seine Tore.

Im Herbst 2002 hatten die Schweizer Bauarbeiter während 60 Tagen für ein flexibles Rentenalter gestreikt. Schliesslich erhielten sie einen Gesamtarbeitsvertrag mit dieser Möglichkeit.

Den längsten Arbeitskonflikt der Nachkriegszeit führten 1963 die Zürcher Maler und Gipser. Der Streik dauerte 15 Wochen.

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