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Symbolische Gelder ausbezahlt

Russische Juden erhalten Geld aus dem Schweizer Holocaus/Shoa-Fonds.

(Schlussrapport der Holocaus/Shoa-Fonds)

Schlussbericht des Schweizer Holocaust/Shoa-Fonds: In fünf Jahren erhielten rund 309'000 Personen gut 292 Mio. Franken - vor allem Bedürftige in Osteuropa.

An den Wänden der noblen "Grande Societé" in Bern hingen Dankesschreiben. Und neben dem Podest, auf dem sich die Fonds-Verantwortlichen vor den Medien präsentierten, blickte Anna Ivanovna Stekolnikova aus Moskau, vom Projektor auf die Leinwand projiziert, hinunter.

Die alte Frau, die das Nazi-KZ Ravensbrück überlebt hat, lebt heute in Moskau. Das Geld, die rund tausend Franken des Schweizer Fonds zugunsten bedürftigter Opfer von Holocaust/Shoa, hat Anna ihrem Sohn gegeben. Er ist sehr krank, denn er wurde bei Aufräumarbeiten in Tschernobyl schwer verstrahlt.

Fonds für Bedürftige

Anna Ivanovna Stekolnikova ist eine von fast 309'000 "Begünstigten" des Schweizer Holocaust/Shoa-Fonds. Sie alle haben zwischen 600 und 2000 Franken aus dem Fonds erhalten.

Der Präsident des Fonds, Rolf Bloch, kommentierte die Höhe der Beträge, die oft auch kritisiert wurde: "Es handelt sich bei den Auszahlungen nicht um eine Wiedergutmachung, sondern um eine karitative, symbolische Geste der Schweiz an bedürftige Überlebende des Holocaust."

Nicht mit Bankenfonds verwechseln

Bloch betonte bei der Presseorientierung, dass es wichtig sei, diesen Fonds unabhängig vom Fonds der Schweizer Banken zu sehen. Bloch: "Nach der Kontroverse um die nachrichtenlosen Vermögen und die Rolle der Schweiz im 2. Weltkrieg wurde die Schweiz auf zwei Ebenen aktiv." Gehandelt habe man einerseits "juristisch/bankenorientiert" - daraus entstand der Bankenfonds der nachrichtenlosen Vermögen.

"Dann ist die Schweiz aber auch historisch und symbolisch aktiv geworden", sagte Bloch. Daraus entstanden ist der "Schweizer Fonds zugunsten bedürftiger Opfer von Holocaust-Shoa". Die rund 300 Mio. Franken, die der Fonds verteilte, stammen von Banken, von der Nationalbank und der Industrie sowie aus privaten Spenden.

Der Bundesrat erhielt die Oberaufsicht und setzte eine Fonds-Leitung unter der Führung von Rolf Bloch ein. Bloch ist ehemaliger Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebunds.

Zwei Bücher dokumentieren die Arbeit

Der Holocaust/Shoa-Fonds ist demnach eine humanitäre Einrichtung. Die Gelder des Fonds kamen vor allem Personen zugute, welche bedürftig, also arm sind. Ein grosser Teil des Geldes ging an Holocaust-Überlebende in Osteuropa. Einmal, weil dort viele in finanziell angespannten Verhältnissen leben. Und auch weil während der Zeit des Kalten Krieges Wiedergutmachungs-Zahlungen aus Deutschland nicht möglich waren.

Die Solidaritäts-Beiträge der Schweiz sind klein. Aber die zahlreichen Dankesschreiben zeigen, dass sie hochwillkommen waren. Der Fonds hat sehr schnell gearbeitet und Geld ausbezahlt.

Die Suche und Auswahl der "Begünstigten", ihre Portraits, Lebens- und Leidensgeschichten sind in zwei Publikationen des Holocaus/Shoa-Fonds zu finden: Im Schlussbericht und im Buch "Geschichten und Gesichter von Opfern des Holocaust".

Der Fonds tagte am Donnerstag zum letzten Mal. Seine Arbeit sei nun getan, sagte Präsident Rolf Bloch. Der Schweizer Bundespräsident Kaspar Villiger würdigte die Institution: "In vielen Ländern, namentlich in Osteuropa, ist der Fonds die erste Institution gewesen, die ein derartiges Zeichen gesetzt hat."

Urs Maurer


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