Taliban: Bin Laden soll Afghanistan freiwillig verlassen

Der stellvertretende Taliban-Botschafter in Pakistan Suhail Shaheen. swissinfo.ch

Osama Bin Laden soll Afghanistan freiwillig verlassen. Dies hat der Rat der moslemischen Geistlichen der Taliban in einer gemeinsamen Resolution beschlossen. Den Zeitpunkt solle Bin Laden selbst bestimmen können, hiess es. Im Fall eines US-Angriffs drohen die Islam-Gelehrten mit "Heiligem Krieg" ("Dschihad"). US-Präsident Bush kündigte derweil an, die Urheber der Anschläge bekannt zu geben. Gemäss Medienberichten haben die USA mehr als 100 Kampfflugzeuge in die Golfregion verschoben.

Dieser Inhalt wurde am 20. September 2001 - 12:59 publiziert

"Um die gegenwärtigen Aufregungen zu vermeiden, sowie zukünftige ähnliche Verdächtigungen zu vermeiden, empfiehlt der hohe Rat der Geistlichen dem Islamischen Emirat von Afghanistan, Osama Bin Laden davon zu überzeugen, einen anderen Ort zum Leben zu finden", heisst es im Erlass. Er wurde am Donnerstag von 1'000 Geistlichen nach zweitägigen Beratungen veröffentlicht.

Bin Laden vor muslimisches Gericht?

Wie der stellvertretende Taliban-Botschafter in Pakistan, Suhail Shaheen, erklärte, soll Bin Laden bereit sein, sich einem Gericht zu stellen, wenn Beweise für seine Verwicklung in die Anschläge in den USA vorliegen. Bin Laden könne vor ein Gericht in Kabul oder das eines anderen muslimischen Landes gestellt werden.

Die USA sehen in Bin Laden den Haupt-Verdächtigen für die Terroranschläge in New York und Washington vom 11. September und fordern seine Auslieferung. Sie haben allen Staaten mit Angriffen gedroht, die ihrer Einschätzung nach Terroristen unterstützen.

"Heiliger Krieg" bei US-Angriffen

Die Geistlichen verabschiedeten ausserdem eine zweites religiöses Gutachten (Fatwa). Es ruft im Falle eines US-Angriffs auf Afghanistan zum "Dschihad" auf.

An der Grenze zu Pakistan drohten am Donnerstag rund 5'000 Afghanen mit einem "Heiligen Krieg". Die Männer seien bereit, Afghanistan im Falle eines US-Angriffes zu verteidigen, berichtete die afghanische Nachrichtenagentur AIP. Die Demonstranten skandierten Slogans wie "Tod für Amerika" und "Lang lebe Osama".

Operation "Infinite Justice"

US-Präsident George W. Bush kündigte überraschend eine Rede vor dem Kongress zu den Terroranschlägen an. Er "freue sich darauf", den US-Bürgern zu erklären, "wer es war, wer dies unserer grossen Nation angetan hat und warum", sagte Bush.

Die USA bereiten derzeit die Verlegung von Kampfflugzeugen in die Golfregion vor. Das US-Verteidigungsministerium befahl nach US-Medienberichten die Verlegung von mehr als 100 Kampfflugzeugen. CNN berichtete, die Operation mit dem Codenamen "Infinite Justice" ("Grenzenlose Gerechtigkeit") könne bereits am Donnerstag anlaufen.

New York: Weitere Tote geborgen

Rettungsteams bargen am Mittwoch 15 zusätzliche Leichen aus dem Schuttberg des World Trade Center. Die Zahl der bislang geborgenen Toten stieg damit laut dem New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani auf 233. Davon seien 170 identifiziert worden. Die Zahl der seit den Anschlägen Vermissten gab der Bürgermeister mit 5'422 an.

swissinfo und Agenturen

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