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Tessin will überbordende Prostitution eindämmen

Das Tessin will Massnahmen gegen die sich stark ausbreitende Prostitution ergreifen. Ein neues Gesetz soll es den Gemeinden ermöglichen, die Prostitution in einzelnen Quartieren zu verbieten. Geprüft wird zudem die Einführung einer Sittenpolizei.

Dieser Inhalt wurde am 07. April 2000 - 07:33 publiziert

Das Tessin will Massnahmen gegen die sich stark ausbreitende Prostitution ergreifen. Ein neues Gesetz soll es den Gemeinden ermöglichen, die Prostitution in einzelnen Quartieren zu verbieten. Geprüft wird zudem die Einführung einer Sittenpolizei.

Ein entsprechendes Massnahmenpaket wurde am Donnerstag (06.04.) in Bellinzona von einer im letzten Sommer eingesetzten kantonalen Arbeitsgruppe vorgestellt. Die Prostitution habe im Tessin alarmierende Ausmasse angenommen und sei dem Ansehen des Kantons schädlich, erklärte Justizdirektor Luigi Pedrazzini.

Gegen 1000 Prostituierte

Erhebungen der Arbeitsgruppe hätten gezeigt, dass sich im Tessin 950 Frauen prostituieren. Mit der Erhebung vom Februar wollten sich die Behörden einen Überblick über die Rotlicht-Szene verschaffen. Die Polizei führte Kontrollen an allen einschlägig bekannten Orten durch. Auch die Anzeigen in der Presse wurden durchforstet.

Die Verfasser der Studie beschreiben die Lebensbedingungen vieler Frauen als unzumutbar. Im Durchschnitt 20 Jahre alt, kommen sie vor allem aus Osteuropa oder Südamerika. Einige der Etablissements sind hygienisch äusserst zweifelhaft und verfügen über keinerlei Sicherheitdienst für die Frauen.

Aus Hotels wurden Bordelle

Die Studie weist auch die exorbitanten Gewinne der Vermieter und Besitzer einschlägiger Lokalitäten aus. Das Hotel "Gabbiano" in Lugano, das dem Tessiner Nationalrat und Lega-Chef Giuliano Bignasca gehört, erwirtschaftet demnach bis zu 135'000 Franken im Monat.

Diese Gewinne und die Wirtschaftskrise brachten viele Tessiner Immobilienbesitzer dazu, ihre Objekte "umzunutzen". Während ein normales Hotel im Raum Lugano mit einer Belegung von durchschnittlich 60 Prozent rechnen kann, ist ein Bordell praktisch immer ausgelastet.

Kantonales Gesetz vorgeschlagen

Die Experten schlagen nun die Einführung eines kantonalen Gesetzes zur Bekämpfung solcher Missstände vor. Die Arbeitsgruppe orientierte sich dabei an ähnlichen Gesetzen in Genf, Zürich und Basel. Demnach könnten Bordelle in gewissen Gebieten aus Gründen der Moral, der Sicherheit oder der öffentlichen Ruhe verboten werden.

Trotz ihrer Vorschläge zeigen sich die Experten nicht blauäugig. Die Prostitution werde sich auch weiterhin zumeist im Verborgenen abspielen. Der Status der meisten Prostituierten, die sich offiziell als Touristinnen in der Schweiz aufhalten, könnte nämlich auch im Fall ihrer polizeilichen Registrierung nicht legalisiert werden.

swissinfo und Agenturen

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