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The Private Eye - der Privatdetektiv im Visier

Diskretion geht für den Privatermittler Philip J. Ryffel über alles.

(swissinfo.ch)

Er ermittelt im Wirtschafts-Bereich, lokalisiert Vermögenswerte und macht entführte Kinder ausfindig: Der Zürcher Privatdetektiv Philip J. Ryffel, zur Zeit Präsident des Weltdetektiv-Verbandes.

Diskretion und das Bewegen an der Grenze zur Illegalität gehören zum Alltag.

Klar hat er als Kind auch "Fünf Freunde" von Enid Blyton verschlungen oder schaut er sich ab und zu einen Krimi am Fernsehen an. Mit seinem Berufsalltag habe dies aber wenig zu tun, sagt Philip J. Ryffel im Gespräch mit swissinfo:

"Mythos und Realität sind weit voneinander entfernt. Unsere Wartezeiten bei Observationen sind um einiges länger als bei unseren Berufskollegen aus dem Fernsehen."



Auch sei der administrative Aufwand bei seiner Arbeit um ein Vielfaches grösser, als man es sich vorstellen könne. 80 bis 90% seiner Arbeit finde am Bürotisch statt. Sein Geschäft sei ein Dienstleistungsbetrieb.

"Ich bin nicht der klassische Privatdetektiv, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. Ich bin kein Einzelkämpfer."

"Es geht fast immer um Geld"

Ryffels Haupttätigkeitsfeld sind Wirtschaftsdelikte. So werden Betrugsfälle aufgedeckt, wie zum Beispiel die Fälschung von Waren oder Versicherungsbetrug. Er spürt Schuldner im Ausland auf, ermittelt Geldflüsse, überprüft die angebliche Zahlungsunfähigkeit von Personen oder führt Ermittlungen bei Erbangelegenheiten.

Die Aufträge der Firma können sich über Jahre hinziehen oder nur ein paar Tage dauern. Und auch bei den Summen, die auf dem Spiel stehen, gibt es keine allgemeingültigen Angaben. Millionenbeträge sind jedoch keine Seltenheit.

Rück(ent)führungen von Kindern

Ein weiterer Bereich des Privatermittlers Ryffel ist das Ausfindigmachen entführter Kinder. "In diesen Fällen pflegen wir engen Kontakt zu den Behörden. Gerade bei Staaten, die nicht dem Haager Übereinkommen angehören, haben die Behörden keine Möglichkeit, entführte Kinder zurückzuholen."

Bei Ländern wie zum Beispiel Iran, Tunesien, Brasilien etwa, die das Haager Übereinkommen nicht unterzeichnet hätten, mache es Sinn, einen privaten Ermittler zu engagieren, um das Kind zu "lokalisieren" und "eine Rückführung ins Auge zu fassen".

Enttarnung von Liebschaften rückläufig

Während sich das Büro in Zug ausschliesslich mit Wirtschafsdelikten befasst, ermittelt die Privatdetektei in Zürich auch in Beziehungs-Angelegenheiten. Die Observierung "untreuer" Ehemänner und –frauen mache etwa einen Drittel aller Fälle aus – Tendenz rückläufig.

"Früher spielte die Schuldfrage bei der Scheidung eine Rolle, heute ist das nicht mehr so", sagt Ryffel.

Wichtig sei in allen Fällen, dass sich die Ermittler diskret, bedeckt und unauffällig geben - eine Art diskreter Schatten.

International vernetzt

Ryffels Firma wie auch rund 400 andere Detekteien aus über 100 Ländern sind dem Weltdetektiv-Verband (World Investigators Network, W.I.N.) angeschlossen. Zweck des Verbandes ist die Vereinfachung internationaler Ermittlungen, erklärt Philip J. Ryffel, der noch bis September 2004 dem W.I.N. vorsteht und ihn an nationalen und internationalen Meetings vertritt.



"Mit den neuen Kommunikationsmitteln ermöglicht uns dieses Netzwerk eine sehr schnelle und effiziente Auftragsbewältigung. Der Verband ist ein sehr wichtiges Arbeitsinstrument."

Hat er also zum Beispiel einen Auftrag in Sibirien oder in Moskau zu erledigen, kann er sich an das entsprechende Verbandsmitglied vor Ort wenden, das dann erste Abklärungen trifft.

Vorsicht ist Pflicht

Als gefährlich will der Zuger Privatdetektiv sein Metier nicht einstufen, obwohl er in seiner über 10-jährigen Ermittlerlaufbahn auch schon in brenzlige Situationen geraten ist. Drohungen oder Einbrüche in Firmenautos habe es ebenfalls schon gegeben.

Zwar besitzt der 36-jährige Privatermittler einen Waffentragschein und auch eine Waffe. Bewaffnet sei er jedoch selten, nur wenn es zum Selbstschutz unbedingt nötig ist.

Da die wichtigen Daten auf dem Computer nicht am Netz angeschlossen sind, sei es für Aussenstehende unmöglich, an diese heranzukommen, betont Ryffel.

An der Grenze zur Illegalität

Ryffel ist sich durchaus bewusst, dass seine Berufsgattung in einer Grauzone arbeitet. "Heutzutage ist jedoch die grosse Kunst des Privatermittlers, auf legale Weise an Informationen zu gelangen, welche ihm vorerst aus Gründen des Datenschutzes vorenthalten blieben."

Es gebe verschiedene öffentlich zugängliche Datenbanken, um an Informationsmaterial zu gelangen. "Wichtig ist einfach, dass einem die richtige Methode in den Sinn kommt, so dass man den gesetzlichen Anforderungen entspricht."

Aber auch Ryffel muss zugeben, dass er schon mit der Polizei in Konflikt gekommen ist. "Die Vorfälle sind jedoch abgeschlossen und können als erledigt betrachtet werden."

Weder Schnüffler noch Abenteurer

Dem Schweizer Detektiv haftet - wenn man ihn so sieht in Anzug und Krawatte, eher unauffällig und eben dezidiert diskret - nichts Zwielichtiges an. Eher glaubt man, einen Steuerbeamten vor sich zu haben, bestimmt aber keinen unseriösen Schnüffler, der ihn Dingen wühlt, die ihn nichts angehen.

Ryffel sieht sich als Dienstleister, der etwas bewegen kann: "Ich bin ein Ermittler. Ich schnüffle nicht willkürlich in der Privatsphäre anderer Leute – es geht mir darum, etwas aufzudecken, etwas aufzuklären."

swissinfo, Gaby Ochsenbein

Fakten

Philip J. Ryffel gründete sein Ermittlungsbüro 1995.
Heute leitet er zwei Büros, eines in Zürich (Privatdetektei) und eines in Zug (Business Control Switzerland).
Insgesamt beschäftigt er 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Philip J. Ryffel ist seit Sept. 2003 bis Sept. 2004 Präsident des Weltdetektiv-Verbandes (World Investigators Network W.I.N.), der 400 Mitglieder in über 100 Ländern zählt.
1998 wurde Ryffel zum "Investigator of the Year" gewählt, 2002 erhielt er den "Award of Excellence".

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In Kürze

Bislang hat Ryffel rund 2000 Einsätze in 18 Ländern geleitet.

Zu seinem Tätigkeitsbereich gehören:

Ermittlungen im Wirtschaftsbereich im In- und Ausland, vor-prozessuale Ermittlungen in Betrugs- und Erbschafts-Angelegenheiten, Geldfluss-Ermittlungen im Ausland, Feststellen von Vermögenswerten bei angeblicher Zahlungs-Unfähigkeit, Lokalisierung von Personen, vorwiegend Schuldner oder entführte Kinder.

Die Ermittler arbeiten für ein Fixum, auf Provisionsbasis (bei Erbangelegenheiten) oder auf Stundenbasis (Observationen).

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