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Tiefer Schlaf wird vererbt

Schlafen wie ein Baby - eine Frage der Gene. swissinfo.ch

Forscher an der Universität Lausanne haben erstmals ein Gen identifiziert, das für den Schlaf verantwortlich sein soll.

Dieser Inhalt wurde am 07. Oktober 2005 - 08:23 publiziert

Die Entdeckung könnte neue Wege eröffnen, um zu verstehen, wie sich der Schlaf während des Lebens verändert.

"Das Gen, das wir identifiziert haben heisst Retinolsäure-Rezeptor-Beta und ist verantwortlich für die Aktivitäten der Retinolsäure, einem Vitamin-A-Derivat", sagte Mehdi Tafti, Professor an der Fakultät für Biologie und Medizin der Universität Lausanne, gegenüber swissinfo.

"Das Gen ist allgemein für die normale Entwicklung von Embryos und speziell für das Gehirn zuständig. Der Rezeptor aktiviert andere Gene, welche komplexe Gehirnfunktionen wie den Tiefschlaf steuern", erklärte der Spezialist für Schlaf und Schlafstörungen.

Gen des normalen Schlafs

Die Forschungsergebnisse seiner Forschungsgruppe erscheinen am Freitag im amerikanischen Wissenschaftsmagazin "Science". Es ist das erste Mal, dass ein Gen für den normalen Schlaf entdeckt wurde. Von mehreren Genen ist bereits bekannt, dass sie für seltene Krankheiten verantwortlich sind, welche Schlafstörungen verursachen.

Die Forscher haben ebenfalls belegen können, dass das Vitamin A die Qualität des Schlafes beeinflusst. Allerdings wissen sie nicht, ob ein Überschuss oder ein Mangel davon für Schlafstörungen sorgt.

Mäuse im Delta-Schlaf

Die Forscher haben die Hirntätigkeit von Mäusen im Tiefschlaf gemessen. In dieser so genannten Delta-Phase des ganzen Schlafzyklus kommen nur langsame Hirnwellen vor.

Diese Hirnaktivität nimmt beim Menschen mit zunehmenden Alter ab, was erklären könnte, warum Kinder tief schlafen und sich schnell erholen, während ältere Menschen allgemein weniger gut schlafen.

Bei Mäusen mit einem merkwürdigen Schlafverhalten konnten keine Delta-Wellen gemessen werden. Darauf verglichen die Wissenschafter die Gene dieser Mäuse mit denjenigen, die normal schliefen und entdeckten das Gen, das den Unterschied ausmacht.

"Unsere Entdeckung ist wichtig, weil wir zeigen, dass Gene den Schlaf beeinflussen. Das war bis jetzt nicht bekannt", sagt Tafti.

Noch kein Mittel gegen Schlaflosigkeit

Für Menschen, die sich regelmässig im Bett wälzen und nicht einschlafen können, haben die Lausanner Forscher aber bisher kein Heilmittel bereit. Dafür sei es noch zu früh, betont der Professor.

"In Zukunft könnte die Forschung untersuchen, ob es Abnormalitäten bei Schlaflosen gibt. Vielleicht könnte so ihre Schlafqualität verbessert werden."

Das Vitamin A, das vom identifizierten Retinolsäure-Rezeptor-Beta beeinflusst wird, ist dafür bekannt, dass es wichtig fürs Sehen ist, aber auch für Krankheiten wie Schizophrenie, Alzheimer oder Parkinson. All diese Krankheiten seien oft begleitet von einem Fehlen der Delta-Aktivität im Schlaf, betont Tafti.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Forscher der Universität Lausanne haben ein Gen gefunden, das für den Schlaf verantwortlich ist.

Dessen Name lautet Retinolsäure-Rezeptor-Beta.

Es beeinflusst ein Derivat des Vitamins A, das die Qualität des Schlafes beeinflusst.

Schlafgewohnheiten sind demnach via die Gene vererbbar.

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