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Totgeglaubte Schweizerinnen aufgetaucht

Noch immer steigt Rauch aus den Trümmern des zerstörten World Trade Centers in New York. Keystone

Zwei Frauen, die zu den sechs befürchteten Schweizer Opfern der Anschläge in den USA zählten, sind wieder aufgetaucht. Noch immer werden rund 100 Personen vermisst. Derweil laufen in der Schweiz die Ermittlungen weiter. Vorerst bleibt unklar, ob Geld von Bin Laden über Schweizer Firmen floss.

Dieser Inhalt wurde am 18. September 2001 - 21:08 publiziert

Zwei Schweizerinnen, von denen das Schweizer Aussenministerium (EDA) annahm, dass sie den Anschlägen zum Opfer gefallen seien, haben sich von New Jersey aus gemeldet. Sie seien unter Schock gestanden, darum habe man erst jetzt von ihnen gehört, erklärte EDA-Sprecher Ruedi Christen.

Von rund 100 Schweizerinnen und Schweizer in den USA fehlt noch immer jedes Lebenszeichen. Manche der Vermissten hätten sich in den letzten Tagen zwar gemeldet, dafür seien weitere Personen als vermisst gemeldet worden. Um zehn davon sind die Behörden sehr besorgt, wie der Schweizer Generalkonsul in New York, Jaques Reverdin, erklärt.

Spur ins Tessin: Verdacht nicht bestätigt

Ein Verdacht gegen die Firma Al Taqwa, Finanztransaktionen aus dem Umfeld des mutmasslichen Drahtziehers der Anschläge abgewickelt zu haben, konnte offiziell nicht bestätigt werden. Die Eidgenössische Bankenkommission (EBK) habe zwar letztes Jahr gegen das Luganeser Unternehmen ein Verfahren wegen unerlaubter Bankentätigkeit geführt, sagte EBZ-Direktor Daniel Zuberbühler.

Beim Verfahren damals seien jedoch in der Schweiz weder eine Bankentätigkeit noch Finanztransaktionen des Unternehmens festgestellt worden. Damit sei es auch nicht möglich, dass Gelder aus dem Umfeld des mutmasslichen Terroristen Osama Bin Laden über die Luganeser Firma flossen, erklärte Zuberbühler.

Umdenken in Sicherheitspolitik gefordert

Die Terroranschläge schlagen sich mittlerweile auch in politischen Forderungen nieder: Nach Meinung der Schweizerischen Volkspartei (SVP) zwingen die Ereignisse zu einem Umdenken in der schweizerischen Sicherheitspolitik. Er werde das milliardenschwere Rüstungsprogramm 2001 zurückweisen, sagte der Zürcher Nationalrat Christoph Blocher.

Sicherheitspolitik und Armeereform seien auf die wahrscheinlichste Hauptbedrohung der Schweiz durch den Terrorismus auszurichten. Auf diese Gefahren seien Armee, Polizei und Zivilschutz vorzubereiten, heisst es in der Begründung einer am Dienstag in Bern verabschiedeten Motion der SVP.

Kein Überwachungs- und Polizeistaat

Nach Ansicht von Fachleuten dürfen die Terroranschläge aber nun nicht zu einem Überwachungs- und Polizeistaat führen. Der neue Datenschutz-Beauftragte Hanspeter Thür warnt vor voreiligen Schritten im Bereich des Datenschutzes, bevor die Hintergründe des Anschlags und die Gründe für das Versagen des US-Geheimdienstes geklärt seien.

Mit Skepsis reagiert auch der Basler Strafrechts-Professor Mark Pieth auf Forderungen nach mehr Überwachung und Fichierung: Der Preis für maximale Sicherheit sei zu hoch. Insbesondere die Demokratie und die Grundrechte könnten sonst beeinträchtigt werden, erklärt Pieth.

Muslime in der Schweiz

Wie in den USA und anderswo im Westen erleben auch Muslime in der Schweiz nach den Terror-Anschlägen teilweise Aggressionen. Die Gewalt manifestierte sich bisher zumeist verbal, mit bedrohlichen und beleidigenden Anrufen oder durch Schmierereien an Wänden von Moscheen oder Gemeinschafts-Zentren.

Die muslimische Gemeinschaft der Schweiz, welche die Anschläge in den USA auf der ganzen Linie verurteilt, umfasst mehr als 200'000 Menschen. Farhad Afshar, Vize-Präsident der Schweizerischen Koordination der islamischen Organisationen (Kios) erklärte, aufgrund der vereinzelten Attacken der letzten Tage sei die muslimische Gemeinschaft nun doch etwas verunsichert.

Und die Liga der Muslime der Schweiz (LMS) schliesst nicht aus, dass sie Opfer von vereinzelten Angriffen werden könnte, wie ihr Präsident Mohamed Karmous sagt. Er geht jedoch davon aus, dass die Menschen auch in der Schweiz schnell einmal begreifen werden, dass der Islam nicht mit den Attentaten und dem Terror gleichzusetzen sei.

Anzeige gegen Unbekannt

Die Vereinigungen, welche die Terroranschläge einhellig verurteilen, sehen derzeit keinen Anlass, etwas zum Schutz ihrer Mitglieder zu unternehmen. Sie würden dies nur tun, wenn sie Gewalt erfahren würden, präzisiert LMS-Präsident Karmous.

Die Schweizer Regierung habe es von Anfang an vermieden, Muslime und Extremisten in einen Topf zu werfen, sagt seinerseits Ibrahim Salah, Sprecher der Vereinigung islamischer Organisationen in der Schweiz.

Am Dienstag wurde bekannt, dass am Montag in Luzern anonyme, gegen den Islam und gegen die Araber hetzende Flugblätter verteilt worden waren. Die Kantonspolizei erstattete beim Amtsstatthalter Anzeige gegen Unbekannt wegen Verletzung der Antirassismus-Strafnorm.

swissinfo und Agenturen

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