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Türkischer Boykott gegen Pilatus - Bern interveniert

Ein Pilatus-Flugzeug des Typs PC 21.

(Keystone)

Die Türkei hat die Pilatus-Werke in Stans von der Ausschreibung für ein neues Trainings-Flugzeug ausgeschlossen. Das Schweizer Aussenministerium ist in der Sache bei der Türkei vorstellig geworden.

Die angespannten Beziehungen zwischen der Schweiz und der Türkei sind damit um eine Irritation reicher.

Die Pilatus-Flugzeugwerke als Schweizer Unternehmen könnten bei der Ausschreibung für ein neues Trainingsflugzeug für die türkische Luftwaffe nicht mitmachen, hatte ein Pilatus-Sprecher vor einigen Tagen gegenüber swissinfo erklärt.

Mittlerweilen hat der türkische Boykott der Pilatus-Flugzeugwerke denn auch die Schweizer Behörden auf den Plan gerufen.

"Das Aussenministerium ist informiert", sagte die Departementssprecherin Carine Carey gegenüber swissinfo. "Wir haben den Fall auf diplomatischer Ebene in Bern und Ankara zur Sprache gebracht." Das Departement würde die Sache genau verfolgen, fügte sie hinzu.

Kein Grund für die Absage mitgeteilt

Pilatus als Schweizer Unternehmen könne bei der Ausschreibung nicht mitmachen, hiess es laut Pilatus-Chef Oscar J. Schwenk in dem Brief aus der Türkei. Ein Grund für die Absage sei darin nicht mitgeteilt worden, sagte Schwenk am Mittwoch auf Anfrage und bestätigte einen Bericht des "Tages-Anzeigers".

Das Nidwaldner Unternehmen konnte damit eine Offerte gar nicht erst einreichen. "Das ist unglaublich und in unserer Firmengeschichte noch nie passiert", sagte Schwenk.

Seit vier Jahren habe man die Ausschreibung vorbereitet. Mit dem Trainingsflugzeug PC-21 habe Pilatus auch ein absolut geeignetes Produkt. Das Auftragsvolumen für die geplatzte Offerte bezifferte Schwenk mit mindestens 500 Mio. Franken.

Armenier-Genozid als Grund für angespanntes Verhältnis

Als Unternehmen könne Pilatus in der Sache jedoch nichts mehr tun. "Das ist nun ein staatspolitisches Problem", sagte Schwenk. Er vermutet eine Retourkutsche aus Ankara angesichts der Verstimmungen zwischen der Schweiz und der Türkei wegen des Armenier-Genozids.

Die bilateralen Beziehungen mit der Türkei haben sich insbesondere seit 2003 verschlechtert, als das Schweizer Parlament die türkischen Verfolgung der Armenier während des Ersten Weltkrieges benannte.

Allerdings spricht die Schweizer Regierung offiziell nicht von "Genozid", sondern von "Massendeportationen" und "Massakern".

Deiss will sich für Lösung des Problems einsetzen

Auch das Departement von Wirtschaftsminister Joseph Deiss hat sich der Angelegenheit angenommen.

Deiss habe Pilatus-Chef Schwenk versichert, sich bei einem Besuch in der Türkei für die Lösung des Problems einzusetzen, sagte dessen Sprecher Christophe Hans.

Bislang steht jedoch immer noch kein Termin fest, nachdem Ankara einen ursprünglich für September 2005 geplanten Besuch von Deiss auf unbestimmt verschoben hatte.

swissinfo und Agenturen

Fakten

Die Pilatus-Werke in Stans sind Weltmarkt-Leader bei der Fabrikation von einmotorigen Turboprop-Flugzeugen und das einzige Schweizer Unternehmen, das Flugzeuge und Trainings-Systeme entwickelt, produziert und weltweit verkauft.
Die Entwicklung für das neuste Trainings-Flugzeug, den PC-21, begann 1999.
Weltweit beschäftigen die Pilatus-Werke, die früher zu Oerlikon-Bührle gehörten, rund 1200 Mitarbeiter.

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In Kürze

Zwischen 800'000 und 1'800'000 Armenier sind durch die Türkei zwischen 1915 und 1919 umgebracht worden.

Aus historischer Sicht ist der Genozid an den Armeniern belegt und von über 20 nationalen Parlamenten anerkannt, darunter die meisten EU-Staaten wie Frankreich, Deutschland, Italien sowie die USA und Russland. Das Europäische Parlament hat den Völkermord 1987 anerkannt.

2003 hat in der Schweiz der Nationalrat den Genozid an den Armeniern anerkannt. Die Schweizer Regierung spricht nicht explizit von "Völkermord" oder "Genozid", jedoch von "tragischen Ereignissen", "Massendeportationen" und "Massakern".

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