Überlebende von Beslan schauen in die Zukunft

Die Trauer nach der Tragödie von Beslan wird noch lange andauern. Keystone Archive

Sechs Monate nach dem Blutbad in der Schule im südrussischen Beslan hilft die Schweiz den Überlebenden, mit der Tragödie zurecht zu kommen.

Dieser Inhalt wurde am 03. März 2005 - 20:52 publiziert

Die Schweiz finanziert die Arbeit von Psychologen und ein Therapie-Programm, das seit drei Monaten läuft.

Das Schweizer Therapie-Zentrum ist in einem Sportkomplex nur 100 Meter von der Schule Nummer 1 in Beslan untergebracht. Diese war am 3. September des letzten Jahres - am ersten Schultag in ganz Russland - von tschetschenischen Rebellen besetzt worden. Hunderte von Schulkindern, Eltern und Lehrkräften wurden als Geiseln genommen und in der verminten Turnhalle zusammengetrieben.

Als russische Spezialeinheiten die Schule nach dreitägiger Belagerung stürmten, kam es zum Blutbad: Über 330 Erwachsene und Kinder wurden getötet, viele andere verwundet und traumatisiert.

300 neue Gräber

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) arbeitet seit fünf Jahren im Nordkaukasus. Sie betreibt in Wladikawkas, nur 15 Kilometer von Beslan entfernt, ein Kooperationsbüro.

Ein halbes Jahr nach der Tragödie seien die Narben noch nicht verheilt, sagt Peter Mikula, Chef des Kooperationsbüros. "Beslan leidet immer noch", erklärt Mikula gegenüber swissinfo. "Täglich gehen die Menschen auf den Friedhof. Die Leute werden nie vergessen."

Die vollkommen zerstörte Schule sowie die mehr als 300 neuen Gräber auf dem Friedhof halten die Erinnerung an die Tragödie wach.

Lachen und an die Zukunft denken

Das Schweizer Projekt will Überlebenden helfen, mit den Ereignissen zurecht zu kommen. Im Sportzentrum werden Aktivitäten wie Zeichnen, Spiel oder Sport angeboten. Die Umgebung ist fröhlich und kinderfreundlich, die Menschen können kommen und gehen wie sie wollen.

Mikula verspricht sich viel vom Programm. "Seit Anfang Jahr haben 105 Personen, darunter 75 Kinder, an den Therapie-Sitzungen teilgenommen." Er sei erst gerade aus Beslan zurück gekommen: "Kinder in der Spieltherapie lachen, spielen und denken an die Zukunft." Zwei Psychologen und ein Sportlehrer seien ständig vor Ort, erklärt Mikula. Das Programm soll zwei Jahre lang laufen.

Sport als Therapie

Die Löhne des lokalen Personals werden von der Schweiz bezahlt, ebenso die Einrichtung der Turn- und Ringkampfhalle. Dort werden Lektionen in Ringen, Boxen und Aerobic abgehalten.

Forschende der Universität Zürich beobachten die Sozialtherapie, um die Wirksamkeit des Programms zu untersuchen: Zwei Forscher wollen in zwei Wochen von Zürich nach Beslan reisen.

"Das Projekt ist einzigartig", sagt Mikula. Es sei das erste Therapiezentrum in einem Sportzentrum. Sport habe in der Region einen sehr hohen Stellenwert, da es hier eine starke Tradition im Ringkampf gebe.

Mikula betont, die Schweizer Experten seien überzeugt, dass die Kraft des Sports den Menschen nach der Katastrophe helfe: "Es ist nicht nur Hilfe für die Menschen, die in der Schule Nummer 1 waren. Es ist Hilfe für die ganze Gemeinschaft."

swissinfo, Morven McLean
(Übertragung aus dem Englischen: Philippe Kropf)

Fakten

Nach der Tragödie von Beslan sprach die Schweiz Hilfe im Wert von 300'000 Franken.

Zwei Schweizer Chirurgen reisten in die Region, um Verletzte zu operieren.

Vor Ort betreibt die DEZA ein Therapie-Zentrum.

20 Schulkinder wurden in die Schweiz geflogen, um hier spezielle Klassen zu besuchen.

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In Kürze

Die Schweiz hilft nicht nur im Süden Russlands, sondern auch in der Schweiz.

Zwanzig Kinder und zwei Lehrer, welche die Geiselnahme in Beslan überlebten, kamen am Mittwoch in der Schweiz an.

Die Viertklässler werden drei Monate in Nyon bei Gastfamilien wohnen und spezielle Klassen besuchen.

Neben ihrem russischen Lehrplan werden sie auch Französisch-Kurse belegen.

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