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Unblutiges Ende des Geiseldrama im Istanbuler Swissôtel

Eine Mutter verlässt mit ihrem Kind das Swissôtel nach dem Ende der Geiselnahme. Keystone

Das Geiseldrama im Luxus-Hotel Swissôtel in Istanbul ist am Montag (24.04.) nach knapp zwölf Stunden friedlich zu Ende gegangen. Das Schweizer Aussenministerium bestätigte, dass alle rund 100 Geiseln - darunter mehrere Schweizerinnen und Schweizer - freigelassen wurden. Die 13 pro- tschetschenischen Geiselnehmer ergaben sich und wurden festgenommen.

Dieser Inhalt wurde am 23. April 2001 - 15:15 publiziert

Laut Ernst Hofstetter, Sekretär der Schweizer Botschaft in Ankara, übergaben die Geiselnehmer ihre Waffen den türkischen Sicherheitsbehörden. Das friedliche Ende der Geiselnahme ist nach Informationen Hofstetters auf die Intervention des türkischen Innenministers Sadettin Tantan zurückzuführen.

Neben den neun Crew-Mitgliedern eines Swissair-Fluges und dem Schweizer Generalmanager des Hotels befanden sich zum Zeitpunkt der Geiselnahme rund zehn weitere Schweizer im Fünfstern-Hotel.

Schweizer Generalkonsul vor Ort

Der Schweizer Generalkonsul Klaus Bucher sei vor Ort und werde mit den Geiseln sprechen, sagte Ernst Steinmann vom Schweizer Konsulat in Istanbul. Steinmann sprach von rund 100 Geiseln, die gut behandelt worden seien. So durften einige Schweizer Geiseln ihren Arbeitgeber anrufen.

Zum Zeitpunkt der Stürmung der Hotellobby durch die Geiselnehmer befanden sich rund 700 Personen im Hotel. Zahlreiche Gäste, die vom Personal geweckt wurden, konnten durch Dienst- und Notausgänge flüchten, sagte Steinmann.

Laut Steinmann hatte die Geiselnahme eindeutig ein politisches Ziel. Die Welt sollte auf die Vorkommnisse in Tschetschenien aufmerksam gemacht werden.

Polizeikräfte in Stellung

Die Gäste mussten sich zu Beginn des Geiseldramas in der Hotellobby auf den Boden legen, nachdem die über 20 mit automatischen Waffen und Schrotflinten bewaffneten Geiselnehmer das Hotel gestürmt hatten. Mit rund 60 Geiseln verschanzten sich die Kidnapper anschliessend im fünften Stock des Gebäudes.

Die Behörden hatten das Hotel in der Innenstadt von Istanbul mit mehreren hundert Polizisten und Panzerwagen umstellt. Auch Krankenwagen und Feuerwehrfahrzeuge wurden bereitgestellt. Während der Nacht konnten Medien und Polizei mehrere Geiselnehmer und Geiseln mit erhobenen Händen in der Hotel-Lobby beobachten. Rund 60 Gäste und 40 Hotelangestellten gelang die Flucht. Viele brachten sich über Feuerleitern in Sicherheit. Am frühen Morgen begannen mit den Kidnappern erste Verhandlungen.

Tschetschenien-Sympathisanten als Geiselnehmer

Der Informationschef des EDA, Ruedi Christen, sagte gegenüber SR DRS, dass es sich bei den Geiselnehmern um Anhänger tschetschenischer Rebellen handle. Nach Berichten türkischer Medien soll es sich um die Gruppe von Mohammed Tokcan handeln. Diese Gruppe hatte bereits 1995 aus Protest gegen den Tschetschenien-Krieg eine Schwarzmeerfähre gekidnapped. Erst im vergangenen Monat hatten tschetschenische Luftpiraten in Istanbul ein russisches Passagierflugzeug nach Saudi-Arabien entführt. Die Entführung wurde blutig beendet. Drei Menschen kamen dabei ums Leben.

"Für kein Blutvergiessen verantwortlich"

In einem Communiqué der Geiselnehmer erklärten diese am Montagmorgen, sie hätten nicht die Absicht, ihre Gäste zu verletzen. Sollte es dennoch zu einem Blutvergiessen kommen, so seien die türkischen Sicherheitskräfte dafür verantwortlich. Bereits mehrfach liessen die Geiselnehmer kleine Gruppen von Frauen und Kindern frei. Auch kündigten sie an, als Zeichen ihres guten Willens alle türkischen Geiseln freizulassen.

Die Geiselnehmer forderten ein Gespräch mit dem türkischen Innenminister Sadettin Tantan und verlangten von den USA, das russische Vorgehen in Tschetschenien zu verurteilten.

Moskau "zufrieden" mit schnellem Ende der Geiselnahme

Die russische Führung hat sich am Montag "zufrieden" über das schnelle Ende der Geiselnahme im Swissotel in Istanbul geäussert. Aussenamtssprecher Alexander Jakowenko forderte die türkischen Behörden auf, "unter Beachtung der Gesetze alle notwendigen Schritte zu ergreifen, um die Täter zu bestrafen und um ähnliche Fälle in Zukunft zu verhindern".

Swissôtel vor Verkauf

Das Swissôtel gehört zur Zeit noch dem schwer verschuldeten Schweizer Luftfahrtkonzern SAirGroup. Wie ebenfalls am Montag (23.04.) bekannt wurde, geht die ganze Swissôtel-Gruppe per Ende Mai für 410 Mio. Franken an die Luxushotel-Kette Raffles mit Sitz in Singapur über.

swissinfo und Agenturen

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