USA: Vorbild und Ausnahme

Föderalisten der ersten Stunde: Die Gründerväter der Vereinigten Staaten. www.nps.gov

Nur ein föderalistischer Staat ist älter als die Schweiz: die USA.

Dieser Inhalt wurde am 22. August 2002 - 13:54 publiziert

Doch obwohl sich die Schweiz stark an deren Strukturen orientierte, verfolgt ihr Föderalismus andere Ziele.

"Der Schweizer Föderalismus ist aus der kulturellen Vielfalt entstanden und ohne diese nicht zu verstehen", betonte Thomas Fleiner, Leiter des Föderalismus-Instituts in Freiburg, gegenüber swissinfo. Deshalb seien auch Staaten mit ähnlichen multikulturellen Bedingungen wie Kanada, Belgien oder Indien von besonderem Interesse für die Schweiz.

Und die USA? Die USA, so Fleiner, seien zwar auch multikulturell und die Schweiz habe institutionell vieles von den Vereinigten Staaten übernommen, ihre Zielsetzung sei aber eine ganz andere. Während der Schweizer Föderalismus sehr stark auf Integration und Demokratisierung einer multikulturellen Gesellschaft abziele, stünden in den USA Effizienz und Wettbewerb unter den Gliedstaaten im Vordergrund. Die USA sind damit eine Ausnahme unter den föderalistischen Staaten - wenn auch eine bedeutende.

Individualistische Werte wichtiger

"Die Integration spielte in den USA eine untergeordnete Rolle, obwohl sie eine heterogene zusammengesetzte Bevölkerung haben", sagte Nicole Töpperwien vom Föderalismus-Institut gegenüber swissinfo. Dank "Melting-Pot"-Idee sei es zwar sehr gut gelungen, die Diversität zu integrieren, doch zum Preis, dass die Kultur als etwas eher Unwichtiges betrachtet wurde.

Betont würden individualistische Werte und weniger die kulturellen Unterschiede. Zudem habe es der amerikanische Föderalismus nicht geschafft, für die Integration der indianischen Urbevölkerung wirkliche Lösungen zu finden.

Vielfalt als Wert

Die Schweiz hingegen will laut Verfassung ihre Multikulturalität bewahren und sogar fördern. Die Wertschätzung der Schweiz für ihre sprachlichen und kulturellen Unterschiede sei ziemlich einzigartig, meint Töpperwien.

Sie weist aber auch darauf hin, dass diese Wertschätzung ihre Grenzen hat. "Die althergebrachten Unterschiede wie die vier Sprachgruppen, die verschiedenen Religionen sowie die Eigenart der Kantone werden in der Schweiz zwar als Wert angesehen, dies gilt jedoch nicht für die neu hinzugekommenen Sprachen oder Religionen." Es sei auch wenig Bereitschaft da, mit diesen neuen Unterschieden grosszügig umzugehen und diese zu akzeptieren.

Dies sei aber in allen Ländern ein Problem, betont Töpperwien. Dennoch habe es die Schweiz geschafft, dass verschiedene Kulturen friedlich beisammen leben. Dies sei keineswegs selbstverständlich.

Hansjörg Bolliger

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