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Veloabenteuer Bern-Peking: Belohnung in Kirgistan

Die Kalon-Moschee von Bukhara: Die alte Handelsstadt liegt an der ehemaligen Seidenstrasse mitten in der Wüste von Usbekistan. Julian Zahnd

Pech und Pannen begleiten die Berner Radler auf der Reise durch Turkmenistan. Belohnt werden sie in Kirgistan: Durch die zauberhafte Landschaft der "Schweiz Zentralasiens" radeln sie mit Begleiterinnen. Aus Bishkek schicken sie uns ihren 5. Reisebericht:

Dieser Inhalt wurde am 23. September 2011 - 15:27 publiziert
Julian Zahnd, Bishkek, swissinfo.ch

Der Abschied vom Iran war zäh. Nicht etwa, weil wir uns von der Islamischen Republik nicht hätten trennen wollen, sondern weil wir nicht durften. Ein Systemfehler an der Grenze zu Turkmenistan war dafür verantwortlich, dass wir auf dem Posten mehrere Stunden ausharren mussten. Dadurch ging uns wertvolle Zeit verloren. Denn nirgends ist Zeit so wertvoll wie in Turkmenistan.

Turkmenistan, unser Eingangstor nach Zentralasien, ist nicht gerade ein Touristen freundliches Land. Wer hier ohne persönlichen Führer einreisen will, kriegt lediglich ein Transitvisum für fünf Tage – leider zu wenig, um das Land per Rad zu durchqueren, geschweige denn, einen echten Eindruck des Landes zu gewinnen.

Als wir die Grenze schliesslich doch ziemlich entnervt überqueren können, finden wir auf der anderen Seite eine völlig veränderte Stimmung vor. Plötzlich sind die Kopftücher genauso in die Ferne gerückt, wie der Ramadan, der uns im Iran die Nahrungszufuhr bei Tageslicht erheblich erschwert hatte.

Wenig deutet daraufhin, dass wir uns noch immer in einem muslimischen Land befinden.

Der Islam, die Vegetation, Gebäude und sogar Menschen – in Turkmenistan wird irgendwie all dies von einer gigantischen Leere verschluckt. Wo man hinschaut, sieht man praktisch nur wüstenähnliches Ödland. Mitten durch dieses Nichts schneidet sich die schnurgerade, mehr schlecht als recht asphaltierte Strasse. Ich habe das Gefühl, die Strasse werde niemals enden.

Ab und zu begegnen wir Bauern, die am Strassenrand ihr Gemüse feil bieten – allesamt liebenswürdige Menschen, die uns mit kopfgrossen Melonen beschenken und begeistert auf uns einreden. Insgesamt erscheinen uns die Leute hier aber etwas zurückhaltender zu sein als die Leute in der Türkei und dem Iran, doch interessiert sind sie gleichermassen.

Bescheidene Erwartungen enttäuscht 

Von Mary, der drittgrössten Stadt des Landes, haben wir nicht viel erwartet. Dennoch werden wir enttäuscht: Die Stadt endet, bevor sie wirklich angefangen hat. Irgendwo dazwischen beteuert uns ein Mann, dass wir uns mitten im Zentrum befinden. Ausser ein paar goldene Statuen, willkürlich angeordneten protzigen Sowjetbauten und einer restaurantähnlichen Bar erinnert nichts daran.

Was vor allem fehlt, ist das Leben. Auf den grosszügigen Boulevards klafft gähnende Leere. Über der ganzen Stadt herrscht eine lethargische Stimmung. Es kommt uns fast so vor, als hätten hier die Menschen, die in der Geschichte so oft von fremden Besatzungsmächten wie den Mongolen oder den Russen beherrscht worden waren, jeglichen Eigenantrieb verloren.

Glück im Unglück

Mitten in der Wüste, irgendwo zwischen Mary und der Grenze zu Usbekistan, knackt es unter meinem Fuss. Das Pedal meines Fahrrads ist gebrochen – ein denkbar schlechter Zeitpunkt für eine Panne.

Zum Glück können wir uns ein paar Kilometer weiter bei einem Restaurant in den Schatten flüchten. Wie durch ein Wunder kommen kurz darauf zwei halb beladene Trucks vorbei, die uns mitsamt unseren Fahrrädern gleich bis zur Grenze mitnehmen. Mit nur einem Pedal wäre unser ohnehin begrenztes Zeitbudget in Turkmenistan wohl endgültig geplatzt.

In Usbekistan geht es landschaftlich zunächst im selben Stil weiter: flach, trocken, unbewohnt. Was das Land jedoch zu bieten hat, sind die beiden Juwelen Bukhara und Samarkand – zwei pittoreske Städtchen, die direkt auf unserer Route nach Tashkent liegen und denen wir einen mehrtägigen Aufenthalt widmen.

Die historisch bedeutenden Orte waren einst Knotenpunkte auf der Seidenstrasse, über die vor rund tausend Jahren der Handel zwischen China und dem Westen lief. Diese wichtige Stellung brachte den Städten grossen Reichtum, der sich im Bau zahlreicher prunkvoll verzierter Moscheen niederschlug. Geht man durch die engen Gässchen und unter den verschnörkelten Bogen, fühlt man sich gleich in diese Zeit zurückversetzt.

Zwei Begleiterinnen in Kirgistan

Seit Tashkent nun sind wir zu viert unterwegs. Meine Freundin und ihre Kollegin sind samt Fahrrädern zu uns gestossen und begleiten uns während vier Wochen durch Kirgistan. Die Landschaft und die kirgisische Hauptstadt Bishkek haben uns verzaubert.

Kirgistan wird auch die Schweiz Zentralasiens genannt, besteht doch ein Grossteil des Landes aus Bergen und Klippen. Der Weg per Rad ist oftmals beschwerlich, es gilt hier Pässe von über 3000 Metern Höhe zu bezwingen, weshalb wir Streckenweise auch per Bus oder Anhalter reisen.

Doch die Anstrengungen werden stets belohnt: Man findet hier die ruhigsten Plätzchen, ist umringt von massiven Bergen und findet nicht selten eine wohltuende Abkühlung in einem klaren Bergsee. Der Osten des Landes liegt noch vor uns und verspricht nicht weniger schön zu sein. Entsprechend gross ist unsere Vorfreude.

Bern-Peking

Aus Liebe zur Freiheit, zur Ökologie und zur sportlichen Betätigung entschied sich Julian Zahnd für eine Reise mit dem Velo von Bern nach Peking.

 In Samsun am Schwarzen Meer ist sein Freund Samuel Anrig dazu gestossen. Er begleitet Julian für den Rest der Reise.

Julian war am 27.04.2011 in Bern gestartet. Die Route führt über Italien in die Länder des Balkans. In diesen Tagen radeln die Velo-Abenteurer durch Turkmenistan nach Kirgistan.

Weiter geht es durch Kirgistan und China bis Peking.

Die Route - insgesamt 14'000 km - verläuft über weite Strecken der ehemaligen Seidenstrasse entlang.

Die Abenteurer wollen pro Tag rund 100 km zurücklegen, um ihr Ziel im November zu erreichen.

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Julian Zahnd

Der Berner Velo-Abenteurer ist 26 Jahre alt. Im Herbst 2010 hat er sein Studium in Politologie und Geschichte abgeschlossen.

Nebst Musik und Sport ist das Reisen seine Leidenschaft, vor allem per Fahrrad.

Der Berner hat in den letzten Jahren bereits die Strecken Zagreb-Tirana sowie Granada-Bern per Rad zurückgelegt.

Die gegenwärtige China-Radreise ist für ihn die mit Abstand längste Tour.

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Samuel Anrig

Samuel Anrig ist 27 Jahre alt und hat soeben sein Geografiestudium an der Universitaet Bern abgeschlossen.

Der Reiseliebhaber begleitet Julian Zahnd auf der Strecke Samsun (Türkei) - Peking. Vor wenigen Jahren sind die beiden bereits von Zagreb nach Tirana geradelt.

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