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Viel Japan, wenig Korea

Gastro-Gruss aus Japan: Sushi-Boom in der Schweiz.

(Keystone Archive)

Abgesehen von der Fussball-WM stossen die beiden asiatischen Länder bei Herr und Frau Schweizer auf unterschiedliches Interesse. Dank Sushi und Comics liegt Japan vorne.

Dokumentarfilme im Fernsehen, Reportagen im Radio, Sonderbeilagen in den Zeitungen: Über die beiden Länder, in denen die Fussball-WM über die Bühne geht, wird auch in den Schweizer Medien sehr viel berichtet. Aber sonst sind Schweizerinnen und Schweizer wesentlich mehr an Japan als an Korea interessiert.

Vom Comic zur Spiritualität

"Besonders bei den Jungen besteht ein grosses Interesse an Japan", sagt Masayuki Ninomiya, Professor für Japanologie an der Universität Genf, gegenüber swissinfo. "Tatsächlich zählen wir seit einigen Jahren mehr Studenten an der japanischen als an der chinesischen Sprachfakultät. Die Schweizerinnen und Schweizer scheinen die Stärke einer Nation zu schätzen, der es gelungen ist, den eigenen Zusammenhalt und die eigene kulturelle Identität zu bewahren; und dies trotz der direkten Auseinandersetzung mit mächtigeren Zivilisationen wie China oder Europa. Zudem üben auch die japanische Spiritualität und die religiöse Mentalität eine grosse Anziehungskraft aus", so Professor Ninomiya.

Das Interesse für Japan beschränkt sich indessen nicht nur auf die spirituellen Dinge. "Es gibt da auch bodenständigere Aspekte der japanischen Kultur wie Comics und Zeichentrickfilme, die für viele von zartem Kindheitsalter an eine tägliche 'geistige Nahrung' sind; und das steigert natürlich das Interesse an Japan", sagt Professor Ninomiya. "Ganz zu schweigen von der japanischen Gastronomie, die in den letzten Jahren hierzulande - Sushi sei Dank - einen wahren Boom erlebte."

Unterschiedliche Mentalität...

"Die Schweizer schätzen vor allem unsere Spezialitäten mit ungekochtem Fisch", erklärt Shinji Tanaka, der in Bern ein Restaurant führt, gegenüber swissinfo. "Praktisch sieben auf acht Gäste kommen zu uns, weil sie Sushi essen wollen", so Tanaka.

"Doch abgesehen von der Gastronomie oder gewissen Sportarten wie Judo und Karate scheinen mir die Schweizer kein grosses Interesse an der wahren japanischen Kultur zu haben. Und Japaner, die sich in der Schweiz niederlassen wollen, müssen grosse Anstrengungen unternehmen, um sich hier anzupassen, vielleicht auch wegen der Sprach- und Mentalitäts-Barriere", meint Shinji Tanaka.

"Der Schweizer ist sehr direkt, der Japaner zurückhaltender, sensibler. Meine Mitarbeiter, die direkt aus Japan kommen, haben in der Schweiz immer Anpassungs-Schwierigkeiten. Viele von ihnen kehren nach einem oder zwei Jahren wieder nach Japan zurück", sagt Tanaka.

...aber gleiche Weltanschauung

Aber auch wenn es von der grossen Öffentlichkeit nicht immer wahrgenommen wird, die kulturellen Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind sehr eng. Das zeigen die verschiedenen gemischten Vereinigungen, wie zum Beispiel die Schweizerisch-Japanische Gesellschaft, die ein reichhaltiges Programm von Veranstaltungen anbietet.

"Unser Angebot reicht von japanischen Filmen über Vorträge und japanische Kunstausstellungen bis zu Kochkursen", sagt Walter Keller, Generalsekretär der Gesellschaft, gegenüber swissinfo. "Und das Publikum zeigt sich sehr interessiert."

Für Pierre-Yves Fuchs, Kulturattaché der Schweizer Botschaft in Tokio, erklärt sich dieses Interesse, das gegenseitig sei, auch durch die Tatsache, "dass die beiden Länder eine ziemlich ähnliche Weltanschauung haben". Und beide Nationen würden sich ein bisschen ausserhalb der Weltgemeinschaft sehen, obschon sie voll integriert seien, sagt Fuchs.

"Nur schon die Tatsache, dass sich mitten auf einer Arteplage der Expo.02 eine Sushi-Bar befindet, beweist die Sympathie der Schweizer Bevölkerung für die japanische Zivilisation", so der Schweizer Diplomat.

Und Südkorea?

Ganz anders steht es mit Südkorea, dem anderen Fussball-WM-Land. "Ausser einigen Automarken und Restaurants weiss man in der Schweiz nur wenig über diese andere asiatische Nation", erklärt Serge Komaromi, Berater der Vereinigung Genf-Asien. Einen Grund dafür sieht er unter anderem im Verhalten der beiden Staaten auf der koreanischen Halbinsel: "Sowohl Süd- wie auch Nordkorea haben bisher einen rigiden Nationalismus kultiviert, begleitet von einer Art Misstrauen gegenüber dem Ausland."

Auf der rein kulturellen Ebene gebe es nur sporadische Veranstaltungen, zum Beispiel solche im Rahmen des UNO-Jahres für den Dialog zwischen den Zivilisationen", sagt Professor Philippe Reigner, Direktor des Zentrums für moderne asiatische Studien, gegenüber swissinfo. Diese Veranstaltungen würden aber vor allem das internationale Ambiente in Genf betreffen und kaum direkt ein Schweizer Publikum.

Jetzt aber würden sich die Dinge ändern, meint Serge Komaromi: "Auch die Koreaner wollen nun, nebst industriellen Produkten, auch Dienstleistungen und Kultur exportieren." Wir werden ja sehen.

Fabio Mariani

(Übersetzt aus dem Italienischen: Jean-Michel Berthoud)


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