Navigation

Viele Vögel, gesunde Umwelt

Dem Spatz geht es an den Kragen: Bis zu 30% weniger Spatzen wurden gezählt. www.vogelwarte.ch

Der erste Vogel-Index der Schweiz hat flächendeckend die Vogelarten erfasst und lässt Rückschlüsse auf die Umwelt zu, in der Vögel – und Menschen – leben.

Dieser Inhalt wurde am 10. September 2005 - 10:48 publiziert

Die Schweizer Vogelwelt leidet vor allem unter Umweltgiften und schwindendem Lebensraum, es gibt auch auch Erfreuliches.

"Vögel nehmen die Umwelt sehr ähnlich wahr wie wir Menschen", erklärt Matthias Kestenholz von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach gegenüber swissinfo. "Wo es Vögeln gefällt, fühlen sich auch Menschen wohl. Daraus können wir Rückschlüsse ziehen."

Die Vogelwarte hat am vergangenen Donnerstag den ersten "Swiss Bird Index" (SBI) veröffentlicht, der den Bestand von Vögeln in der Schweiz seit 1990 abbildet.

Ein klarer Trend könne allerdings nicht ausgemacht werden, schreibt die Vogelwarte in einer Mitteilung: Rückgänge bei einzelnen Arten stünden Zunahmen bei anderen Arten gegenüber. Erfasst werden 169 Vogelarten, von diesen haben in den vergangenen 15 Jahren 31 signifikant abgenommen, 48 haben zugenommen.

Auenwälder als natürlicher Hochwasserschutz

Wenn allerdings die einzelnen Lebensräume betrachtet würden, könnten sehr wohl Aussagen gemacht werden, erklärt Kestenholz. "Wo beispielsweise Kulturland stark gedüngt wird, dort verschwinden Vögel." Das sei ein Indikator für eine starke Gewässerbelastung, beispielsweise mit Nitraten, die auch das Trinkwasser belasteten.

Ein ähnliches Bild zeichnet er auch für die Hochwassergebiete: Wo viele Nachtigallen gezählt wurden, gebe es auch noch Auenwälder. "Diese sind wie ein Schwamm und geben dem Hochwasser Platz." Solche natürliche Ausweichräume für die Fluten schützen den Menschen und die Infrastruktur vor Schäden.

Freiwillige liefern die Zahlen

Rund 1000 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählen – flächendeckend in der ganzen Schweiz - die Vögel und melden ihre Ergebnisse nach Sempach, wo diese wissenschaftlich ausgewertet werden. Der SBI ist vergleichbar mit dem von der Europäischen Union (EU) anerkannten "Wild Bird Indicator", der die Entwicklung von Brutvögelbeständen in ganz Europa abbildet.

Dass ausgerechnet Vögel gezählt werden, hat mehrere Gründe: Vögel sind sehr gut erforscht, lassen sich verhältnismässig einfach zählen und werden bereits lange beobachtet.

"Wenn zum Beispiel von einem Jahr auf das andere plötzlich weniger Schmetterlinge gezählt würden, könnten keine Vergleiche angestellt werden, weil es keine langfristigen Zahlen gibt", erklärt Kestenholz. "Wenn aber über die Jahre zwei oder drei fischfressende Vogelarten rückläufig sind, kann man darauf schliessen, dass es ein Problem mit dem Wasser gibt."

Bauern brauchen Unterstützung

Auf Probleme und Defizite macht der SBI vor allem in landwirtschaftlich genutzten Gebieten aufmerksam. "Dort sind Wachtel, Rebhuhn und Widehopf sind rückläufig", zählt der Experte auf. Obwohl es für Vogelschutz-Massnahmen im Rahmen des Ziels des ökologischen Ausgleichs Direktzahlungen aus Bern gibt, greifen diese zu wenig.

"Wir möchten, dass man weniger Umsetzungs-Kontrollen, sondern Wirkungs-Kontrollen durchführt. Nur, dass eine Hecke gepflanzt wird, heisst nicht, dass dann mehr Vögel in diesem Gebiet leben", sagt Kestenholz. "Die Landwirte brauchen Beratung und Unterstützung."

Dem Spatz geht es an den Kragen

Aber nicht nur auf dem Lande steht es schlecht um die Vogelwelt. Rund um den Bodensee wurden 20 bis 30 Prozent weniger Haussperlinge – besser als Spatzen bekannt – gezählt. "Das gilt wohl für die ganze Deutschschweiz."

Es gibt aber auch erfreuliche Zahlen aus der Schweiz: Es fliegen wieder mehr Greifvögel. Deren Anzahl war in den 70er-Jahren durch die Belastung mit dem Isektizid DDT – es gehört zu den so genannten Dirty Dozen der organischen Gifte - stark dezimiert worden. Der erste SBI zeigt, dass das DDT-Verbot greift und den Lebensraum gesünder gemacht hat. Nicht nur für die Vögel, auch für die Menschen.

swissinfo

Fakten

Der SBI erfasst die Entwicklung von 169 einheimischen Vogelarten über die vergangenen 15 Jahre.

31 Vogelarten haben signifikant abgenommen, 48 haben zugenommen.

Dramatisch ist die Entwicklung beim Spatz: Dessen Bestand hat bis zu 30% abgenommen.

Erfasst werden die Daten, welche die Vogelwarte wissenschaftlich auswertet, von rund 1000 ehrenamtlichen Mitarbeitern.

End of insertion

In Kürze

Die Schweizerische Vogelwarte hat den ersten "Swiss Bird Index" (SBI) veröffentlicht. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Qualität der Umwelt ziehen.

So hat beispielsweise die Anzahl Vögel in stark gedüngten, landwirtschaftlich genutzten Gebieten abgenommen, was auch auf stark belastetes Trinkwasser hinweist.

Das Verfahren Vögel zu zählen um die Umwelt-Qualität abzuschätzen, wird in ganz Europa angewendet.

End of insertion

Artikel in dieser Story

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.