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Von Basel nach Boston

Novartis will vom Wissens-Fundus in Cambridge profitieren.

(swissinfo.ch)

Der Basler Pharmakonzern Novartis leitet seine Forschung künftig von den USA aus. Alarmsignal oder Chance für den Standort Schweiz?

Novartis werde seine Forschung künftig vom Forschungszentrum "Novartis Institute for Biomedical Research" (NIBR) im amerikanischen Cambridge aus leiten, teilte der Pharmakonzern am Montagabend mit.

Das Zentrum mit zunächst 400 neuen Stellen wird gemäss Novartis mit einer Startinvestition von 400 Mio. Franken ausgerüstet. Geleitet wird das NIBR vom amerikanischen Medizin-Professor Mark Fishman, der den bisherigen Novartis-Forschungsleiter Paul Herrling ablöst.

Der Pharmakonzern plant die Erweiterung des Instituts auf 900 wissenschaftliche Spitzenfachkräfte - um einen der wichtigsten Forschungsstandorte der Welt zu schaffen.

Cambridge: Nomen est Omen

Die an der amerikanischen Ostküste gelegene Region um Boston bilde "ideale Voraussetzungen für die Forschung", begründete Novartis-Sprecher Felix Räber den Entscheid gegenüber swissinfo. "Es ist für uns in Cambridge einfacher als in Europa, Spitzenkräfte zu rekrutieren."

In der Region um Cambridge seien "viele Biotechnologie-Firmen und akademische Institutionen mit Weltklasseleuten" angesiedelt, erklärte Novartis-Entwicklungschef Jürg Reinhardt im Interview mit der "Basler Zeitung". Und: "Es wäre ganz einfach falsch, diesen Fundus nicht anzuzapfen."

Abwanderung von Humankapital

Das Novartis-Forschungszentrum in Basel bleibe mit seinen rund 1400 Mitarbeitern auch in Zukunft der grösste Forschungs-Standort des Konzerns, versichert Felix Räber: "Basel hat das grösste Forschungszentrum und wird auch in Zukunft behalten."

Trotz dieser Beteuerungen läuten bei Stéphane Garelli vom Internationalen Management-Institut (IMD) in Lausanne die Alarmglocken: Im Unterschied zu Europa, wo im Bereich der Pharma-Forschung grosse gesetzliche Restriktionen herrschten, könne in den USA weit freier geforscht werden: "Verschiedene Firmen stören sich an den gesetzlichen Hindernissen in Europa und ziehen das flexiblere Umfeld in den USA vor."

Die Schweiz läuft gemäss Garelli in Gefahr, ähnlich wie andere europäische Länder, je länger je mehr Humankapital an die USA zu verlieren: "Viele Schweizer werden möglicherweise in die USA ziehen. Ob die Abgewanderten jemals zurückkehren, weiss niemand."

Die Schweiz als "Bio-Valley"

Er sei "zuerst einmal erschrocken über die Nachrichten aus Basel", sagte Hans Widmer, SP-Nationalrat aus dem Kanton Luzern und Präsident der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK), gegenüber swissinfo. Ein "Grund zur Panik" bestehe jedoch nicht: Die Schweiz sei für globale Player wie die Novartis wohl zu klein. Aber: "Die Schweiz ist in erster Linie ein guter Standort für Nischen-Forschungen, etwa im Bereich der Biosicherheit oder der biologischen Produktion."

Auch im Volkswirtschafts-Departement (EVD) mag man den Novartis-Entscheid nicht dramatisieren: Der Konzern habe seine Verbundenheit mit der Schweiz in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, sagte EVD-Sprecher Robin Tickle gegenüber swissinfo. Im übrigen führe die Gründung des Forschungszentrums in den USA zu mehr internationalem Wissensaustausch - und dies sei "eine Chance für die Schweiz".

Die Novartis-Konkurrentin Roche verfügt seit längerem über eine globale Forschungsstruktur - und hat damit gemäss Sprecherin Katja Prowald "gute Erfahrungen gemacht". Von den insgesamt rund 5000 im Pharma-Bereich tätigen Roche-Forschern arbeiten lediglich noch rund 1800 im Basler Stammhaus. Mindestens ebenso viele sind gemäss Prowald in den USA tätig. "Unsere Forscherinnen und Forscher sind sehr gut vernetzt. Das bringt Synergien, die Roche zugute kommen."

Felix Münger und Agenturen


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