Navigation

Weber setzt Kreuzzug fort - für Tourismus

Der 78-jährige Franz Weber, seit 40 Jahren im Kampf für Umwelt- und Tierschutz. swissinfo.ch

Der Schweizer Umwelt- und Tierschützer Franz Weber versucht, eine weitere gefährdete Spezies zu retten – die Schweizer Tourismus-Branche.

Dieser Inhalt wurde am 23. Januar 2006 - 10:54 publiziert

International bekannt wurde Weber mit seinem Kampf gegen das Abschlachten von Robben-Babies in Kanada und die Jagd auf Wildpferde in Australien.

Die Reise mit dem Zug nach Montreux, wo Franz Weber seit langem lebt und von wo er seine Kampagnen lanciert, führt durch das Lavaux – terrassierte Weinberge, die sich den steilen Hang über dem Genfersee hochziehen.

Das malerische Weinbaugebiet konnte dank einer Kampagne von Franz Weber vor dem Zugriff der Bauindustrie gerettet werden. Im Dezember honorierte die Schweizer Regierung Webers Verdienste: Das Lavaux soll laut Antrag des Bundesrates in die Liste des Weltkultur-Erbes der Unesco aufgenommen werden.

Weber hat in der Schweiz zahlreiche Spuren hinterlassen: Er kämpfte für den Schutz unberührter Alpenlandschaft vor der Verschandelung durch Bauten und Verkehrserschliessung. Eine weitere Kampagne des Deutschschweizers galt der Erhaltung historischer Hotels aus der Blütezeit des Tourismus, die von Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts gedauert hatte.

"In jener Zeit wurden die Hotels in Harmonie mit der Natur gebaut", erklärt der 78-Jährige in seiner Villa aus der Jahrhundertwende, die er zum Hauptquartier seiner Kampagnen umfunktioniert hat.

Belle Époque

Im Gespräch mit swissinfo wird schnell klar, dass Webers Herz für eben jene Belle Époque schlägt, in der Grand Hotels aus dem Boden schossen wie stattliche Villen wie diejenige Webers in den Weinbergen über dem blauen See.

Oder wie diejenige auf dem nachbarlichen Anwesen: Es hatte dem 1904 verstorbenen Buurenführer Paul Kruger gehört, dem letzten Präsidenten der Republik Transvaal im heutigen Südafrika.

Magischer Ort am Brienzer See

Zu Webers grösstem Erfolg zählt sein Kampf für die Erhaltung des Grandhotels Giessbach im Berner Oberland. Die Rettung des wichtigen Bau- und Tourismuszeugen vor dem Abriss vor mehr als 20 Jahren markiert eine Wende im Umgang mit historischer Bausubstanz.

Denkmalschützer bewiesen, dass sie gegenüber Investoren aus der Tourismus-Industrie die besseren Argumente hatten: So konnten einige der wichtigsten Hotelpaläste gerettet werden, und die geplanten Kästen im Pseudo-Chaletstil schafften es nicht über das Planungsstadium hinaus.

"Vor 100 Jahren wäre ich nicht Umweltschützer geworden", sagt der unermüdliche Kämpfer, der nur die Siebetage-Woche kennt und sich seit Jahren keine Ferien mehr gegönnt hat.

"Die Schweiz war ein wunderbarer Ort. Erst als ich sah, wie das Land zerstört wurde, begann ich mit den Kampagnen. Es geht immer nur um Geld und nichts anderes, um den Profit von ein paar Gaunern."

Selbstgerecht

Weber wurde oft als Dorn im Gestrüpp der Behörden von Bund, Kantonen und Regionen bezeichnet, der mit seiner unerbittlichen und selbstgerechten Art, die Dinge anzupacken, die Herzen der Schweizer Stimmbürger erobern kann.

Seine Stiftung ist gegenwärtig allein in der Schweiz in sechs Kampagnen involviert. So hat er über 100'000 Unterschriften für eine Initiative gesammelt, mit der Weber die Flüge von Schweizer Armeejets über den Alpen abstellen will.

"Es geht um die Gesundheit der ganzen Bevölkerung in der Schweiz", sagt er und schlägt mit seiner Faust auf den Tisch. "Der FA/18-Jäger wurde in den USA zum Zweck gebaut, andere Länder zu bombardieren. Aber was wollen wir mit diesen amerikanischen Jets? Es ist das lärmigste Flugzeug der Welt, und macht nichts anderes, als Touristen zu verscheuchen!"

Profiteure

Er befürchtet, dass die Schweizer Regierung vor nichts zurückschrecken werde, um sein Begehren zu diskreditieren. Schliesslich gehe es um die Verteidigung und Rechtfertigung des Milliardenkaufes von Anfang der 1990er-Jahre.

Weber wirft Lokalpolitikern vor, die Flugplätze der Armee nur deshalb zu unterstützen, weil sie dank der Zusammenarbeit mit der Schweizer Luftwaffe ihre Taschen mit Geld füllen konnten.

Immaterieller Wert

"Ich habe immer gesagt, dass wir den immateriellen Wert der intakten Landschaft in einen Betrag beziffern sollten. Dann würde klar, dass der Landschaftsschutz für die Tourismusbranche auf lange Sichte Milliarden wert wäre, statt nur Millionen als kurzfristige Gewinne für Spekulanten."

Was gäbe es noch zum Vorzeigen, wenn alles überbaut sei, stellt Weber die Gretchenfrage. Seine These: Die Schweiz verkaufe sich selbst, und das zum Schleuderpreis.

Trotz seiner fast 80 Jahren will Weber nichts von Ruhestand wissen. "Ich werde weiter kämpfen, so lange ich kann", sagt er mit einem Lächeln. Sagt den letzten Satz und hetzt die Treppe hinauf in sein Büro zurück - zwei Stufen auf einmal nehmend.

swissinfo, Dale Bechtel in Montreux
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

Vor seiner Zeit als Aktivist für Umwelt und Tierrechte, war Franz Weber freier Journalist in Paris.
Dann machte er in der Bewegung der französischen Schauspielerin Brigitte Bardot mit, im Kampf gegen die Robbenjagd in Kanada.
Seine Stiftung betreibt in Togo ein Reservat zum Schutz von Elefanten sowie eines in Australien zum Schutz der Wildpferde.
In der Schweiz stehen demnächst zwei Initiativen Webers zur Abstimmung (Schutz der Wälder und Stopp der Flüge von Militärjets in den Alpen).

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen

Diskutieren Sie mit!

Mit einem SWI-Account erhalten Sie die Möglichkeit, Kommentare auf unserer Webseite sowie in der SWI plus App zu erfassen.

Login oder registrieren Sie sich hier.