Wettkampf im Dienste der Berufsbildung

Maurer bereiten in der St. Galler Olmahalle die Wettkampfplätze der Kollegen aus aller Welt vor. Keystone

Vom 19. bis 22. Juni findet in St. Gallen die 37. Berufs-Weltmeisterschaft statt. Junge Berufsleute aus 37 Nationen messen sich in 40 Berufen.

Dieser Inhalt wurde am 16. Juni 2003 - 14:50 publiziert

Der Grossanlass wirbt für die Berufsbildung. Das Ausbildungs-Modell der Schweiz dient mehr und mehr als Vorbild.

Die Berufs-WM, die nach 1997 zum zweiten Mal in St. Gallen stattfindet, sei ein internationaler Anlass, um die Berufsbildung zu fördern, sagt Hans-Ulrich Stöckling, Präsident der Schweizer Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK).

Eigentlich sollten die Weltmeisterschaften in Dubai stattfinden, doch war das Golfemirat mit der Organisation überfordert. Diese Berufs-WM ist ein veritabler Grossanlass.

Nicht nur kommen 700 Berufsleute aus 37 Nationen, auch 150'000 Zuschauerinnen und Zuschauer werden erwartet. Das Budget des Anlasses beträgt 15 Mio. Franken. Eröffnet wird die WM vom Schweizer Bundespräsidenten Pascal Couchepin.

40 Berufe

Was kriegen nun die Besucher zu sehen und wie läuft eine Berufs-Weltmeisterschaft ab? Hildegard Jutz, Sprecherin der St. Galler Kantonsbehörde, welche für die Organisation zuständig ist: "Für die Automechaniker, zum Beispiel, richten wir zur Zeit 40 identische Arbeitsplätze ein. An vier Wettbewerbs-Tagen werden dort die jungen Berufsleute ihre Aufgabe lösen." Eine solche Infrastruktur müsse für alle Berufe bereit gestellt werden.

Erwin Näf, der im Organisationskomitee für die Technik zuständig ist: "Täglich wurden Maschinen angeliefert und aufgebaut. Insgesamt stehen über 65'000 Quadratmeter für die Werkstätten zur Verfügung."

Unter den 40 Berufen in St. Gallen finden sich zum Beispiel Autolackierer, Koch oder Köchin, Landschaftsgärtner, Goldschmiedin und Steinmetz. Dann Fliesenlegen, Industrie-Elektronik, Kältetechnik oder Grafik. Aber auch Schöheitspflege und Web-Design.

Ständig beobachtet

Die Arbeit der Teilnehmenden wird von Experten genau geplant. So muss sicher gestellt werden, dass bis zum Schluss der offiziellen Arbeitszeit gearbeitet wird. Anschliessend findet eine Bewertung statt. Das Ergebnis wird erst am 25. Juni bekannt gegeben.

Das Reglement besagt übrigens, dass nur 40 Berufe an der WM zugelassen sind. Wird ein neuer Beruf in den Wettbewerb aufgenommen, dann muss ein Bestehender gestrichen werden.

Etwas abgeschirmt von den Besuchern und bewertet von den Experten, versuchen die 700 "Aktiven", die jungen Berufsleute, ihr Bestes zu geben.
Die Equipe der Schweiz zählt 42 Berufsleute. Delegationsleiterin Christine Davatz-Höchner hofft auf 15 Medaillen.

An der Berufs-WM 2001 in Seoul in Südkorea holte die Schweiz 11 Medaillen und 14 Diplome. 1999 in Montreal waren es gar 15 Medaillen und 12 Diplome.

Duales Bildungs-System

Selbstverständlich arbeiten in St. Gallen Spitzenleute aus den jeweiligen Berufen. Sie wurden in nationalen Auswahlverfahren für die WM delegiert.

Der Medaillenspiegel der Berufs-WM lässt jedoch nur bedingt Rückschlüsse zu auf die allgemeine Qualität der Berufsleute im jeweiligen Land. Zu unterschiedlich sind die Ausbildungen.

Die Schweiz kennt das sogenannte duale Ausbildungssystem. Das heisst, der Lehrling arbeitet in einem Betrieb und kriegt dort seine praktische Ausbildung.

Die Theorie vermittelt die Berufsschule. Ein Schweizer Lehrling, eine Lehrtochter, verbringt etwa die Hälfte der Ausbildungszeit im Betrieb, die andere Hälfte in der Schule.

"Diese oder ähnliche Systeme kennen unter anderen auch Deutschland, Österreich, die Niederlande oder Dänemark. Auch in den neuen EU-Ländern, wie etwa Tschechien, ist diese Art der Berufsbildung gang und gäbe", sagt Anna Borkowsky, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bundesamt für Statistik, gegenüber swissinfo. Sie ist Expertin in internationaler Berufsbildung.

Borkowsky sieht, dass das duale Schweizer Modell mehr und mehr in der Lehrlingsausbildung angewandt wird. Sogar Länder wie Frankreich und die USA - hier gibt es keine Lehrlingsausbildung, sondern lediglich "training on the job" - beginnen über das duale System nachzudenken.

Lebensnah

"Die Schweizer Berufsausbildung hat den Vorteil, dass der Lehrling nicht nur fachlich in Theorie und Praxis ausgebildet wird. Er erhält auch viel Sozialkompetenz, denn er arbeitet im Betrieb mit, lernt Licht und Schatten der täglichen Arbeit kennen", sagt Anna Borkowsky.

Einen Nachteil des dualen Systems sieht Borkowsky darin, dass es beispielsweise für Frauen schwierig ist, in technischen Berufen Fuss zu fassen. Traditionell werden hier männliche Lehrlinge bevorteilt. In einer reinen Berufschule, wo Theorie und Praxis zusammen vermittelt werden, würde diese Benachteiligung wegfallen.

Immerhin, die Frauen holen auf. Ihr Anteil in der Schweizer Delegation konnte im Vergleich zu 2001 - die WM findet alle zwei Jahre statt - verdoppelt werden.

swissinfo, Urs Maurer

Fakten

WM-Beginn: 18. Juni in der St. Galler Sporthalle Kreuzbleiche. Mit dabei ist Bundespräsident Pascal Couchepin.
Die Wettkämpfe dauern vom 19. bis 22. Juni.
Am 25. Juni finden Siegerehrung und Abschlussparty statt.

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In Kürze

In jedem Beruf wird eine Gold-, Silber- und Bronzemedaille abgegeben.

Wer über 500 Punkte erreicht und nicht unter den ersten drei platziert ist, erhält ein Diplom.

Als "Beste/Bester der Nation" wird ausgezeichnet, wer die höchste Punktzahl seines Landes erreicht.

Die Frau mit der höchsten Punktzahl in einem männlich dominierten Beruf erhält einen Spezialpreis.

Wer die höchste Punktzahl aller Berufe erreicht, kriegt den Albert-Vidal-Preis.

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