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Wirkung von Antibiotika nimmt ab

Die Zahl der Krankheiten, gegen die kein Antibiotikum mehr hilft, nimmt zu.

(Keystone)

Mindestens 80 Menschen sterben in der Schweiz jedes Jahr, weil sie sich mit einem Krankheitserreger angesteckt haben, gegen den Antibiotika nicht mehr wirken.

Wie eine Nationalfonds-Studie zeigt, werden die resistenten Bakterien immer häufiger. Die Forscher fordern deshalb ein nationales Antibiotika-Resistenzzentrum.

Insgesamt seien 2006 schweizweit bei etwa 1000 Spitalpatienten schwere Infektionen mit einem antibiotika-resistenten Bakterium festgestellt worden, sagte Kathrin Mühlemann vom Institut für Infektionskrankheiten an der Universität Bern. Mindestens 80 davon verliefen tödlich.

Bakterien können durch Veränderungen ihrer Gene resistent werden gegen Antibiotika, die sie eigentlich abtöten sollten. Je mehr Antibiotika verabreicht werden, desto eher bilden sich Resistenzen. Deshalb sollten bei Viruserkrankungen wie Grippe, gegen die Antibiotika sowieso nicht helfen, keine solchen Medikamente eingenommen werden.

Kosten in Millionenhöhe

Ist ein Bakterium einmal resistent, kann nämlich die Krankheit, die es auslöst, oft nicht mehr wirkungsvoll behandelt werden. Die Kosten dafür belaufen sich laut Mühlemann in der Schweiz auf Dutzende Millionen Franken: Allein die zusätzlichen Behandlungskosten für eines der wichtigsten resistenten Bakterien - MRSA genannt - betrugen letztes Jahr 14 Mio. Franken.

Die Zahlen stammen aus dem Herzstück des eben abgeschlossenen Nationalen Forschungsprogramms "Antibiotika-Resistenz" des Schweizerischen Nationalfonds: dem nationalen Überwachungssystem für Antibiotika-Resistenzen (Search), das seit Anfang April voll in Betrieb ist.

Rascher Anstieg

Im europäischen Vergleich sei die Antibiotika-Resistenz in der Schweiz relativ tief, sagte Mühlemann. Allerdings sei die Situation in den führenden skandinavischen Ländern deutlich besser als hierzulande. Und in der Westschweiz ist der Anteil resistenter Bakterien grösser als in der Deutschschweiz, wie Studien belegen.

Zudem verschlimmere sich die Lage, so Mühlemann. Vor zehn Jahren seien in Spitälern nur wenige schwere Fälle verzeichnet worden, heute bereits wöchentlich. Weil die Verbreitung exponentiell verlaufe, seien verheerende Auswirkungen zu befürchten: Die Behandlungskosten für MRSA etwa könnten sich bis 2015 auf 140 Mio. Franken verzehnfachen.

Nationales Zentrum aufbauen

Die Forscher raten deshalb, die Probleme rasch anzugehen. Überwachung und Kontrolle müssten auch nach Abschluss des Forschungsprogramms weitergeführt werden. Doch gerade das Überwachungsprogramm Search könnte, kaum im Vollbetrieb, dem Geldmangel der öffentlichen Hand zum Opfer fallen.

"Search" laufe noch bis Ende Jahr mit Geldern des Forschungsprogramms, sagte Jean-Claude Piffaretti, Präsident der Leitungsgruppe des Programms. Er forderte, dass es danach zu einem Nationalen Antibiotika-Resistenzzentrum ausgebaut werden solle.

Dieses würde Resistenzlage und Antiobiotika-Verbrauch überwachen und Informationen und Beratungen anbieten. Der finanzielle Aufwand wird auf insgesamt rund 700'000 Franken geschätzt. Zugesichert sind laut Piffaretti aber erst 300'000 Franken. Woher die restlichen 400'000 Franken kommen werden, ist noch offen.

In der Datenbank von "Search" laufen die Messresultate von 22 klinischen Mikrobiologielabors zusammen. Diese Daten decken ungefähr 80% der Spitaltage und mindestens 30% der praktizierenden Ärzte ab und sind damit repräsentativ. Auf dieser Basis lassen sich die Auswirkungen der Antibiotika-Resistenzen für die gesamte Schweiz berechnen.

swissinfo und Agenturen

Antibiotika-Spuren im Grundwasser

Spuren von Antibiotika befinden sich in der Schweiz mittlerweile überall: Selbst im Grundwasser haben Forscher winzige Konzentrationen dieser Medikamente nachgewiesen, wie beim Nationalfonds-Projekt bekannt wurde.

Die höchste Konzentration von Antibiotika fanden die Forscher im Abwasser von Spitälern. Dabei konnten sie nachweisen, dass ein Zusammenhang zwischen der Antibiotika-Konzentration und der Antibiotika-Resistenz gewisser im Abwasser vorhandenen Bakterien besteht.

Spitäler sollen deshalb eine spezifische Abwasserreinigung in Betracht ziehen, fordern die Forscher. Auch in vielen Seen und Flüssen fanden die Forscher Spuren von Antibiotika.

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Wenig Resistenzen bei Nutztieren

In den Schweizer Ställen gibt es im internationalen Vergleich wenig antibiotika-resistente Bakterienstämme. Dies zeigt das Frühwarnsystem für Antibiotika-Resistenzen, welches im Rahmen des Nationalfondsprojekts entwickelt wurde.

Heikel ist der Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren, weil die resistenten Bakterien über Lebensmittel an den Menschen weitergegeben werden können.

Ebenfalls im Rahmen der Studie haben die Forscher herausgefunden, dass in 40 bis 60% der Lebensmittelproben bestimmte Bakterien mit übertragbaren Antibiotika-Resistenzgenen enthalten sind. Das ist weit mehr als erwartet.

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